Angesichts zunehmender Dürren und sinkender Wasserreserven wächst weltweit das Interesse an Technologien zur Wetterbeeinflussung. Die sogenannte Cloud-Seeding-Technologie soll Niederschläge verstärken, Hagelschäden vermindern oder den Himmel aufklaren. Rund 50 Länder experimentieren laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mit solchen Verfahren.
Viele Länder investieren, weil sie verzweifelt sind.
Sind wir damit in der Lage, Regen auf Knopfdruck zu erzeugen? «Ganz und gar nicht», sagt Ulrike Lohmann, Professorin für Atmosphärenphysik an der ETH Zürich, gegenüber SWI swissinfo.ch. Sie ist eine der führenden Wolkenforscherinnen der Schweiz.
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«Viele Länder investieren in künstlichen Regen, weil sie verzweifelt sind: Sie brauchen mehr Niederschlag, da die Böden immer trockener werden», sagt Lohmann. Der Nutzen sei jedoch begrenzt. «Die Wassermenge, die durch Cloud Seeding gewonnen wird, ist so gering, dass diese Eingriffe einer Verschwendung von Ressourcen gleichkommen.»
Nur wenige Wolken eignen sich für künstlichen Regen
Cloud Seeding setzt bereits vorhandene Wolken voraus und kann daher keinen Niederschlag aus dem Nichts erzeugen, erklärt Lohmann. «Wir können die Mikrostruktur einer Wolke verändern und das Gleichgewicht zwischen Wassertröpfchen und Eiskristallen in ihr beeinflussen. Aber wir können die Wetterbedingungen, die zu ihrer Entstehung führen, nicht ändern.»
Künstlichen Regen etwa in der oft wolkenlosen Wüste zu erzeugen, um sie grüner zu machen, sei «Unsinn», betont die Expertin.
Erfolge sind umstritten
Einige Staaten melden Erfolge. Besonders China betreibt umfangreiche Programme zur Wetterbeeinflussung und berichtet von zusätzlichen Niederschlagsmengen durch künstlichen Regen und Schnee.
Wie gross der tatsächliche Effekt ist, bleibt jedoch umstritten. Laut Lohmann lässt sich häufig nicht eindeutig nachweisen, ob ein Regenereignis tatsächlich auf Cloud Seeding zurückzuführen ist oder auch ohne menschlichen Eingriff stattgefunden hätte. «Wir haben keine wissenschaftlichen Daten, die das belegen können, auch weil keine zwei Wolken identisch sind.»
Auch die Schweiz experimentierte damit
In Europa wird Cloud Seeding vor allem eingesetzt, um Hagelschäden zu verringern. Durch zusätzliche Partikel in den Wolken sollen viele kleine statt weniger grosser Hagelkörner entstehen.
Die Schweiz gehörte zu den Pionieren dieser Technik. Erste Versuche gehen auf die 1950er-Jahre zurück. Spätere Projekte, darunter auch Experimente der Versicherung Baloise, wurden jedoch eingestellt, weil sie als wirkungslos galten.
Mehr Risiken als Nutzen
Für Lohmann ist Cloud Seeding deshalb keine Antwort auf zunehmende Dürren. Das Verfahren könne den Zeitpunkt von Niederschlägen allenfalls leicht verschieben, nicht aber die verfügbare Wassermenge entscheidend erhöhen.
Zudem könnte das gezielte Auslösen von Niederschlägen in einer Region dazu führen, dass anderswo weniger Wasser ankommt. Das berge Konfliktpotenzial zwischen Regionen und Staaten.
Die Expertin sieht die grössten Chancen deshalb nicht bei der Regenproduktion, sondern beim Aufklaren des Himmels. «Cloud Seeding eignet sich besser dazu, Wolken auszudünnen und den Himmel aufzuklaren, als künstlichen Regen zu erzeugen.»