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Datenschutz im Fahrzeug Wer davon profitiert, dass Autos pausenlos Daten sammeln

Moderne Autos überwachen ihre Insassen ständig und sammeln Unmengen von Daten. Diese ermöglichen es den Herstellern, ihre Fahrzeuge zu verbessern, liefern aber auch sehr nützliche Informationen für Versicherungen oder sogar Arbeitgeber.

Noch bevor der Motor startet, registriert das Auto genau, was im Innern passiert: wie viele Passagiere im Fahrzeug sind, ob sie sich anschnallen, wann man bremst oder beschleunigt und ob die Person am Steuer das Mobiltelefon benutzt. Es zeichnet sogar die Aussenumgebung und die Rückfahrkamera auf.

Um eine genauere Vorstellung davon zu bekommen, wie viele Daten genau gesammelt werden, hat das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) einen Autofahrer auf eine Route geschickt und den Hersteller danach um die Herausgabe der dabei erzeugten Daten gebeten. Yves Grin ist von seinem Wohnort in Yverdon-les-Bains nach Bern gefahren und von dort wieder zurück, mit einem Abstecher nach Avenches auf dem Rückweg. Insgesamt hat er in etwas weniger als zwei Stunden 176 Kilometer zurückgelegt.

Ein Autofahrer zeigt auf dem Display seines Fahrzeugs, welche Daten registriert wurden.
Legende: Dieses Fahrzeug registriert alle 0.5 Sekunden 295 Daten – unter anderem, ob und wann man nicht beide Hände am Steuer hielt. RTS

Das Ergebnis: Rund 17’250 A4-Seiten Daten wurden gesammelt, was etwa 35 Paketen Druckerpapier entspricht. «Es gibt 295 Punkte, die alle 0.5 Sekunden aufgezeichnet werden, das ist wirklich enorm», sagt Grin gegenüber RTS.

Tesla zeichnet alles auf: die Geschwindigkeit, die Position der Füsse auf den Pedalen, das Ein- und Ausschalten der Scheinwerfer. Der Hersteller weiss auch, wenn der Fahrer nicht beide Hände am Steuer hat.

Gute Fahrer werden belohnt

Offiziell werden diese Daten aus Sicherheitsgründen gesammelt. «Jeden Morgen möchte ich wissen, wo ein Fehlercode auf dem Armaturenbrett angezeigt wird, der dazu auffordert, das Fahrzeug in den Service zu bringen», betont François Denis, Generaldirektor für Frankreich und Nordeuropa von Geotab, dem weltweiten Marktführer für Fahrzeugdaten.

Geotab arbeitet mit den meisten Fahrzeugherstellern zusammen. Mithilfe seiner Software und von GPS liefert es ihnen sehr präzise Daten über ihre Fahrzeugflotte. Diese ermöglichen es beispielsweise, zu jedem Zeitpunkt der Fahrt zu wissen, wie schnell das Fahrzeug unterwegs ist.

Der Beitrag von RTS zum Thema (deutsche Untertitel)

Bei der Versicherung Smile kann diese Nachverfolgung für die Kundinnen und Kunden von Vorteil sein. Ihr Dienst «Drive Coach» analysiert das Fahrverhalten. Wer gut abschneidet, kann sogar Geld verdienen. «Der Dienst nutzt die Sensoren des Smartphones, um die Fahrten zu analysieren, Ratschläge zu geben und Nutzer zu belohnen, die sicher fahren», erläutert Dominik Locher, Leiter Strategie und Geschäftsentwicklung von Smile Insurances.

Die Versicherung verspricht, dass bei schlechtem Fahrverhalten die Prämien nicht steigen werden – aber wie lange wird das so bleiben? Letztes Jahr räumte die Stellantis-Gruppe ein, Opfer eines Cyberangriffs geworden zu sein, wodurch ihre Kundendaten publik wurden. Bald könnte es sein, dass ein Versicherungswechsel, das Mieten eines Autos oder die Nutzung eines Dienstfahrzeugs nur noch möglich sein wird, wenn man Einblick in sein Dossier gewährt.

RTS, 19h30, 12.3.2026, 19:30 Uhr; wilh

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