Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Energiebedarf in der Schweiz Strom produzieren statt Natur schützen?

Wie kann die Schweiz ihren Strombedarf künftig decken und wie viel Naturfläche muss dafür geopfert werden? Die Pro- und Contra-Argumente am Beispiel der Grimsel-Staumauer.

Die Grimsel-Staumauer im Berner Oberland steht wie kaum ein anderer Ort für die Debatte zur Energiezukunft. Sie soll um 23 Meter erhöht werden und so noch mehr einheimischen Winterstrom liefern. Doch das Projekt ist umstritten – genauso wie andere Grossprojekte, mit denen die Schweiz die Energiewende schaffen will. Die Frage stellt sich: Soll man Strom produzieren statt die Natur und Landschaft zu schützen? Unter anderem dieser Frage stellten sich Pro-Natura-Präsidentin und SP-Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel und der Chef der Bernischen Kraftwerke BKW, Robert Itschner – auf der Grimsel-Staumauer.

Schweiz benötigt mehr Strom

Seit dem Ja zum Klimaschutzgesetz ist klar, dass die Schweiz bis 2050 mehr Strom benötigt, wenn Verkehr, Heizungen und Industrie elektrifiziert werden müssen. Da gleichzeitig die Kernkraftwerke stillgelegt werden sollen, könnte gemäss dem Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE eine Stromlücke von bis 37 TWh entstehen – so viel, wie heute die gesamte Schweizer Wasserkraftproduktion liefert.

Die Energieeffizienz muss steigen, und die Schweiz muss mehr Energie produzieren, vor allem im Winter. Die Fotovoltaik liefert heute knapp vier TWh Strom, gemäss Bund sollen es bis 2050 34 TWh sein. Die Wasserkraft soll die Produktion von heute 37 auf 39 TWh steigern.

Beschleunigte Verfahren

Erreicht werden soll das, indem die Verfahren für neue Bauwerke beschleunigt werden. Darin sind sich Robert Itschner und Ursula Schneider Schüttel einig. Die Präsidentin von Pro Natura betont aber, dass rechtsstaatliche Verfahren wie eine gute Überprüfung der Projekte gewährleistet sein müssten: «Eine Interessenabwägung muss nach wie vor möglich sein.»

Am Beispiel der geplanten, aber noch nicht entschiedenen Erhöhung der Grimsel-Staumauer erläutert BKW-Chef Robert Itschner, wie lange heute ein Verfahren dauert: Von der Idee bis zum Start könnte es im Fall der Grimsel-Staumauer 28 Jahre dauern.

Pro Natura wehrte sich zusammen mit anderen Organisationen bis vor Bundesgericht gegen die Erhöhung der Staumauer. Inzwischen hat sich die Naturschutzorganisation damit abgefunden. Auch, weil es bei der Erhöhung der Grimsel-Staumauer um eines der 15 Wasserkraftprojekte handelt, auf die sich der «Runde Tisch» unter Alt-Bundesrätin Simonetta Sommaruga Ende 2021 einigte: «Wir sind zwar nicht glücklich über die Staumauererhöhung, aber wir wehren uns nicht mehr dagegen», sagt Schneider Schüttel.

Schafft die Schweiz die Energiewende?

Der BKW-Chef gibt sich optimistisch, denn technisch seien die Herausforderungen lösbar.

Und: «Wir können das schaffen, wenn wir schnell sind. Wir müssen Gas geben und einen Spirit hinkriegen in der Schweiz, wo wir umsetzen und nicht ewig debattieren.»

Eco Talk, SRF1, 21.8.2023, 22:25 Uhr

Meistgelesene Artikel