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Experimente mit Adoptivkindern Politik reagiert auf Skandal bei Terre des Hommes

Fast 2000 Kinder sollen für medizinische Experimente benutzt worden sein. Das Hilfswerk verspricht eine Untersuchung.

Fast 2000 Kinder, die zwischen 1964 und 1979 von der Organisation Terre des Hommes aus dem Ausland für Adoptionen in die Schweiz vermittelt wurden, wurden für medizinische Experimente benutzt. Das hat der «Beobachter» diesen Frühling berichtet, und jetzt gibt es politische Reaktionen.

Gemäss den Recherchen wurden die zur Adoption bestimmten Kinder bei ihrer Ankunft in der Schweiz in Spitälern unter Quarantäne gestellt. Die Praxis war laut des «Beobachter» an sich schon rechtswidrig, da sie ohne Zustimmung der zuständigen Kantonsärzte erfolgt sei.

Mehrere Personen mit Ballons und einem Plakat auf einer Veranstaltung im Freien.
Legende: «1 Orange – 1 Stunde Leben»: Standaktion von Terre des Hommes in der fraglichen Zeit (26.3.1969). KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Dajaco

Diese Quarantänen sollen zudem als Vorwand für ungerechtfertigte medizinische Untersuchungen gedient haben. Den Kindern seien im Rahmen von Tests mit Antibiotika Blut und Magenflüssigkeit entnommen worden.

Schliesslich habe Terres des Hommes fast 6000 Kinder mit Herzfehlern dem Chirurgen Charles Hahn anvertraut, der am Genfer Kantonsspital operierte. Er habe sie benutzt, um seine Operationen am offenen Herzen zu perfektionieren. Das makabere Ergebnis: sechs Todesfälle allein im Sommer 1979.

Vorstösse in den Parlamenten

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Terre des Hommes blieb es zunächst ruhig, doch jetzt reagiert die Politik: Während der letzten Parlamentssession Anfang des Monats reichte die St. Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi eine Interpellation ein, in der sie vom Bundesrat eine Stellungnahme fordert und auch die Frage von allfälligen Wiedergutmachungen aufbringt. Der Bundesrat muss bis zur Herbstsession im September antworten.

Auch auf kantonaler Ebene werden Interpellationen eingereicht, so etwa in Genf, in der Waadt und im Wallis. Dort wollen Parlamentsmitglieder insbesondere wissen, ob die Behörden ihrer Kantone damals von diesen Praktiken Kenntnis hatten.

Barbara Hintermann, Direktorin der Stiftung Terres des Hommes, sagt im Westschweizer Radio und Fernsehen RTS, sie nehme diese Vorwürfe sehr ernst: «Unsere Gedanken gelten den betroffenen Personen, ich fühle mit ihnen.»

Was wusste Terre des Hommes?

Bevor sie eine formelle Entschuldigung ausspreche, wolle sie volle Klarheit schaffen: «Diese Vorwürfe erfordern eine Untersuchung in unseren eigenen Archiven. Sobald wir Ergebnisse haben, kann sich die Organisation entschuldigen.»

Barbara Hintermann versichert, bei Terre des Hommes habe man vor der Beobachter-Recherche keine Kenntnis von den medizinischen Experimenten gehabt. Die Quarantänen hingegen waren der Organisation bekannt. «Nun stellt sich die Frage, ob diese Quarantänen vom Kantonsarzt bewilligt wurden oder ob dies auf andere Weise geschah.» Das sei eine der Fragen, denen in der internen Untersuchung und mithilfe der Behörden nachgegangen werden soll.

RTS, Forum, 24.6.2026, 18 Uhr;weds

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