Er war in der Stadt Freiburg eine vertraute Figur, erkennbar an der Rose, die seinen Karren schmückte: der Strassenwischer Michel Simonet. Die Blume solle den Kontrast abbilden, sagte er einmal. «Schönheit inmitten der Hässlichkeit.»
Am Donnerstag war Simonet bereits ab 6 Uhr morgens auf den Freiburger Strassen unterwegs. Es war ein besonderer Tag, sein letzter Arbeitstag. «Ich bin um 3 Uhr morgens aufgestanden, ich konnte nicht mehr schlafen», berichtet er dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). «Es ist ein wichtiger Moment, mit einer gewissen Nervosität und Aufregung.»
Die Bilder von Simonets letzter Tour durch Freiburg:
Auf seiner letzten Putztour durch die Stadt erhielt er zahlreiche Sympathiebekundungen. Seit 2015 ist er bis weit über Freiburg hinaus bekannt. Damals veröffentlichte er ein Buch über seinen Alltag als Strassenwischer.
Ein Beruf, der inspiriert
«Ich wollte vor allem zeigen, was es bedeutet, ganz unten auf der Leiter zu stehen, den ganzen Tag draussen zu arbeiten, auch im Winter, mit Bewegungen, die sich dauernd wiederholen», erklärt er. «Davon wird man geprägt.»
2023 ging das Video eines Freiburger Fotografen viral. Es wurde auf Instagram und Tiktok mehrere Millionen Male angeschaut.
Video über Simonet, das 2023 viral ging:
Mit solch einem grossen Echo habe er nicht gerechnet, räumt Simonet gegenüber RTS ein. «Mein Buch ist visuell. Wenn also jemand meinen Karren und meine Rose nicht gesehen hat, wird er sich fragen, was die Rose mit diesem Besen zu tun hat. Ich dachte, mein Buch werde die Stadt Freiburg nicht verlassen.»
Mit seinem Buch hat er sogar andere inspiriert. «Ein oder zwei junge Leute haben angefragt, ob sie ein Praktikum machen und ihn einige Tage begleiten können», berichtet François Dunand, der Chef des Strassenunterhalts der Stadt Freiburg. «Ich hoffe, dass sie sich bei mir bewerben werden», fügt er lächelnd hinzu.
Fünfzehn Kilometer Fussmarsch pro Tag
Am Donnerstag um 9 Uhr verbringt Simonet eine letzte Kaffeepause mit den Stammgästen des Quartiers, so wie er es Jahrzehnte lang getan hat. «Ihn künftig weniger in den Strassen zu sehen mit seinem Besen, das ist bewegend», meint ein Quartierbewohner.
Fünfzehn Kilometer hat Simonet auf seinen Touren jeden Tag zurückgelegt. Durch diese sei er fit geblieben, versichert er. Und auch wenn ihm der Schnee und die Kälte nicht fehlen werden, will er seinen Tagesrhythmus nicht radikal ändern. «Ich glaube, ich werde an diesen starren Zeiten festhalten. Ich werde keinen Wecker mehr stellen, aber ich werde morgens laufen gehen», sagt er mit einem Lächeln.
Statt in den Strassen Freiburgs wird Simonet von nun an in der Kathedrale St. Nikolaus anzutreffen sein. Er will dort als Führer tätig werden.