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«Game of Thrones»-Hype Wird Nordirland zu Europas Hollywood?

Die Filmindustrie ist für Nordirland seit einigen Jahren eine regelrechte Goldgrube geworden. Es herrscht gar der Traum, Hollywood zu entthronen.

Innerhalb weniger Jahre hat die nordirische Filmindustrie neue Sphären erreicht. Bereits heute pilgern Scharen von Touristinnen und Touristen zu den Drehorten der Erfolgsserie «Game of Thrones». Sie fotografieren die Strände, Klippen, Baumalleen oder auch das ehemalige Drehgelände, das mittlerweile zu einem immersiven Museum umgewandelt wurde.

«Ich liebe ‹Game of Thrones›, es ist meine Lieblingsserie. Ich wollte das hier erleben und dieses Universum entdecken. Darum bin ich nach Nordirland gekommen», sagt beispielsweise ein indischer Tourist zum Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).

290 Millionen Euro

Laut Ruairi Burns, der bei diesen Studiotouren eine leitende Funktion innehat, wurde das damalige Produktionsteam durch die Vielfalt der Landschaften nach Nordirland gelockt. «In weniger als 30 Minuten können Sie Küste oder Waldparks erreichen», argumentiert Burns. «Der ‹Giant’s Causeway›, der Damm der Riesen, ist nur 90 Minuten entfernt. Die gesamte Nordküste ist ebenfalls leicht zugänglich. Ich denke, dass sich neuere Filmprojekte vom Hype um ‹Game of Thrones› haben inspirieren lassen. Die Serie allein hat rund 290 Millionen Euro für die nordirische Wirtschaft generiert, das ist enorm.»

Personen gehen auf dem Giant's Causeway in nebliger Umgebung.
Legende: Der Giant’s Causeway, der Damm der Riesen, ist eine Unesco-Weltkulturstätte. Es handelt sich um etwa 40'000 gleichmässig geformte Basaltsäulen. KEYSTONE/AP/FRANCISCO SECO

Fünfzehn Jahre nach der Erstausstrahlung (2011 bis 2019) hat sich die Filmindustrie in Nordirland enorm entwickelt, auch durch grosse Investitionen. So wurden etwa die Ulster Studios für 100 Millionen Euro gebaut mit einer Fläche von 7000 Quadratmetern. Dort stehen die Technologien zur Motion-Capture, zur 3D- und 4D-Digitalisierung zur Verfügung; auch grosse LED-Wände stehen bereit, um noch grössere, noch fantastischere Welten zu schaffen.

Der Bericht von RTS mit deutschen Untertiteln:

Für Andrew Reid, Entwicklungsleiter des Unternehmens Northern Ireland Screen, ist der britische Landesteil schlicht zum «Place to be» für Film und Fernsehen in Europa geworden. Er sieht darin eine Chance, das Image der Region aufzupolieren und die dreissig Jahre Bürgerkrieg vergessen zu machen.

Und er schwärmt: «Vor sechs Monaten haben wir (für eine BBC-Reportage) die ‹Titanic› versenkt. In Echtzeit! Es war unglaublich, das hier in Belfast zu machen, wo die echte ‹Titanic› gebaut worden war.»

Perspektive für die Jugend

Das Ulster Studio dürfte 500 Arbeitsplätze schaffen, so Reid weiter. Das wiederum bietet den Jugendlichen eine Perspektive in der Region. Nordirland wird mittlerweile als Sprungbrett für eine Karriere in der Filmindustrie gesehen.

«Die Schöpferin von ‹Derry Girls› ging auf dieselbe Schule wie ich. Zu sehen, wie weit sie es gebracht hat, das ist der Weg, den ich einschlagen will», sagt etwa Caitlyn McCaul, eine 22-jährige Filmstudentin an der Universität Ulster.

Ähnlich klingt es auch vom Studenten Jack Tarr. Er hat sich entschieden, Dublin zu verlassen, um seinen Traum zu verwirklichen: «Im Süden muss man Leute kennen, um sich zu behaupten. Im Norden stehen mir alle Türen offen. Ich muss mir keine Sorgen machen, nach meinem Abschluss einen Job zu finden.»

Steht Hollywood vor dem Niedergang?

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In der US-amerikanischen Filmschmiede werden immer weniger Filme produziert. Waren es 2021 noch 18'500 Filme oder Serien, waren es 2025 nur 8000 Produktionen. Die Studioauslastung 2024 lag bei 63 Prozent – 6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Gründe für den Rückgang sind die steigende nationale und internationale Konkurrenz und auch die hohen Lebenshaltungskosten in Los Angeles. Städte wie etwa Atlanta oder Länder wie Bulgarien locken mit Steuervorteilen von bis zu 40 Prozent für Filmproduktionen.

Als Vergleich: In Budapest kostet ein siebenköpfiges Drehteam für 30 Tage rund 59'000 Euro, in Los Angeles bezahlt man für eine einzelne Person beinahe gleich viel. In Vancouver kann man für das gleiche Budget zehn Tage mehr drehen als in Hollywood, so eine Produzentin.

Als Rettungsversuch hat der Gouverneur von Kalifornien, der Demokrat Gavin Newsom, die Steuergutschriften von 330 auf 750 Millionen US-Dollar erhöht. Dies hat bereits zu einer Erhöhung der Dreharbeiten von 10 Prozent im dritten Quartal 2025 geführt. Zudem hat Newsom um Bundesgelder in Höhe von 7 Milliarden Dollar gebeten, um Dreharbeiten im Land zu halten. Als Antwort darauf hat US-Präsident Trump vorgeschlagen, Zölle auf US-amerikanische Filme zu erheben, die im Ausland gedreht werden.

RTS, Tout un monde, 30.12.2025, 8:13 Uhr;brus

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