Innerhalb weniger Jahre hat die nordirische Filmindustrie neue Sphären erreicht. Bereits heute pilgern Scharen von Touristinnen und Touristen zu den Drehorten der Erfolgsserie «Game of Thrones». Sie fotografieren die Strände, Klippen, Baumalleen oder auch das ehemalige Drehgelände, das mittlerweile zu einem immersiven Museum umgewandelt wurde.
«Ich liebe ‹Game of Thrones›, es ist meine Lieblingsserie. Ich wollte das hier erleben und dieses Universum entdecken. Darum bin ich nach Nordirland gekommen», sagt beispielsweise ein indischer Tourist zum Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
290 Millionen Euro
Laut Ruairi Burns, der bei diesen Studiotouren eine leitende Funktion innehat, wurde das damalige Produktionsteam durch die Vielfalt der Landschaften nach Nordirland gelockt. «In weniger als 30 Minuten können Sie Küste oder Waldparks erreichen», argumentiert Burns. «Der ‹Giant’s Causeway›, der Damm der Riesen, ist nur 90 Minuten entfernt. Die gesamte Nordküste ist ebenfalls leicht zugänglich. Ich denke, dass sich neuere Filmprojekte vom Hype um ‹Game of Thrones› haben inspirieren lassen. Die Serie allein hat rund 290 Millionen Euro für die nordirische Wirtschaft generiert, das ist enorm.»
Fünfzehn Jahre nach der Erstausstrahlung (2011 bis 2019) hat sich die Filmindustrie in Nordirland enorm entwickelt, auch durch grosse Investitionen. So wurden etwa die Ulster Studios für 100 Millionen Euro gebaut mit einer Fläche von 7000 Quadratmetern. Dort stehen die Technologien zur Motion-Capture, zur 3D- und 4D-Digitalisierung zur Verfügung; auch grosse LED-Wände stehen bereit, um noch grössere, noch fantastischere Welten zu schaffen.
Der Bericht von RTS mit deutschen Untertiteln:
Für Andrew Reid, Entwicklungsleiter des Unternehmens Northern Ireland Screen, ist der britische Landesteil schlicht zum «Place to be» für Film und Fernsehen in Europa geworden. Er sieht darin eine Chance, das Image der Region aufzupolieren und die dreissig Jahre Bürgerkrieg vergessen zu machen.
Und er schwärmt: «Vor sechs Monaten haben wir (für eine BBC-Reportage) die ‹Titanic› versenkt. In Echtzeit! Es war unglaublich, das hier in Belfast zu machen, wo die echte ‹Titanic› gebaut worden war.»
Perspektive für die Jugend
Das Ulster Studio dürfte 500 Arbeitsplätze schaffen, so Reid weiter. Das wiederum bietet den Jugendlichen eine Perspektive in der Region. Nordirland wird mittlerweile als Sprungbrett für eine Karriere in der Filmindustrie gesehen.
«Die Schöpferin von ‹Derry Girls› ging auf dieselbe Schule wie ich. Zu sehen, wie weit sie es gebracht hat, das ist der Weg, den ich einschlagen will», sagt etwa Caitlyn McCaul, eine 22-jährige Filmstudentin an der Universität Ulster.
Ähnlich klingt es auch vom Studenten Jack Tarr. Er hat sich entschieden, Dublin zu verlassen, um seinen Traum zu verwirklichen: «Im Süden muss man Leute kennen, um sich zu behaupten. Im Norden stehen mir alle Türen offen. Ich muss mir keine Sorgen machen, nach meinem Abschluss einen Job zu finden.»