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Hightech in der Ukraine Wie ein 3D-Drucker Kriegsverletzten hilft

In der Ukraine werden Kriegsverletzte mit moderner Technologie behandelt. 3D‑Druck spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Die Schiebetüren des Superhumans Center in Lemberg öffnen und schliessen sich ununterbrochen. Die Menschen, die hier eintreten, sind vom Krieg gezeichnet. Sie wurden durch Drohnen, Minen oder Raketenangriffe verletzt. Unter ihnen sind Soldaten, Sportler, Journalisten und Zivilisten.

Eine Person mit einer prothetischen Hand spielt Schach auf einem Holzbrett.
Legende: Hilfsmittel für ganz individuelle Bedürfnisse: Ein Patient mit Handprothese im Lwiwer Zentrum. RSI/Vincenzo Leone

Das Zentrum gehört zu den grössten Einrichtungen der Ukraine für die Rehabilitation von Kriegsverletzten. «Wir haben Zivilisten, Menschen, die einfach ihr Leben gelebt haben und angegriffen wurden. Leider auch Kinder», sagt der Brite Eddy Scott, der für das Zentrum Medienarbeit macht.

«Wir versuchen, alle Leistungen an einem Ort anzubieten, für die die Patienten sonst verschiedene Einrichtungen besuchen müssten», sagt Scott.

Menschen in einem Raum mit Rollstuhlrampe und Rehabilitationsausrüstung.
Legende: Blick in die Reha-Abteilung. RSI/Vincenzo Leone

Dazu gehören neben Physiotherapie, Operationssälen, Fitnessräumen und Schwimmbad auch ein hochmodernes 3D‑Labor.

Dort werden dreidimensionale Modelle erstellt, um Verletzungen zu analysieren und massgeschneiderte Prothesen anzufertigen. «Wir drucken praktisch alles mit unserem Drucker», sagt Laborleiter Arkadii Bohdan.

Person mit schwarzem T-Shirt neben einem offenen Drucker in einem Labor.
Legende: Laborleiter Bohdan mit seinem 3D-Drucker. RSI/Vincenzo Leone

Vor der Herstellung erfolgt ein präziser 3D‑Scan. So entstehen individuelle Prothesenschäfte – jener Teil, der den Stumpf umschliesst und entscheidend für Tragekomfort und Beweglichkeit ist.

Arkadii Bohdan zeigt, wie sein Labor arbeitet:

«Der Schaft ist der einzige Teil der Prothese, der vollständig massgeschneidert angefertigt wird», erklärt Bohdan. Genau dort spiele die 3D‑Technologie ihre Stärken aus.

Die Technik hilft nicht nur bei Prothesen. Das Labor entwickelt auch Hilfsmittel für ganz individuelle Bedürfnisse. So wurde für einen Musiker, der einen Teil seiner Hand verloren hatte, eine spezielle Plektrumhalterung gedruckt.

Menschen gehen an grosser bunter Katzenfigur auf gepflastertem Platz vorbei.
Legende: Die vielen Kriegsverletzten verschaffen den ukrainischen Spezialisten einen Erfahrungsschatz, der auch ihren internationalen Partnern nützt: Das Zentrum in Lwiw. RSI/Vincenzo Leone

Zudem unterstützt das Team Chirurgen bei komplexen Operationen. Auf Basis von CT‑Daten werden anatomische 3D‑Modelle erstellt, an denen Operationen vorbereitet werden können. Implantate lassen sich dadurch vor dem Eingriff exakt anpassen.

Das Zentrum arbeitet mit internationalen Partnern zusammen, darunter die Radboud‑Universität in den Niederlanden sowie die Assistance Publique–Hôpitaux de Paris. «Wir lernen voneinander», sagt Bohdan. Die grosse Zahl von Kriegsverletzten verschaffe den ukrainischen Spezialisten allerdings einen enormen Erfahrungsschatz.

Das Zentrum in Zahlen

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Das Zentrum in Lemberg wurde im April 2023 auf private Initiative hin eröffnet. Unterstützt wird es von internationalen Spendern sowie verschiedenen Regierungen und Partnerinstitutionen.

Bislang wurden mehr als 105 Millionen Franken an Spenden gesammelt, über 2600 Operationen durchgeführt und mehr als 3100 Prothesen in den eigenen Labors hergestellt.

Die Behandlungen sind für die Patientinnen und Patienten kostenlos. Für besonders teure elektronische Prothesen werden gezielt Spendenkampagnen lanciert. Das in Lwiw entwickelte Modell wird inzwischen auf weitere Städte ausgeweitet: Neben einem Zentrum in Dnipro wurde Anfang Juli auch in Odessa eine neue Einrichtung eröffnet.

Die individuelle Betreuung spielt für den Rehabilitationserfolg eine zentrale Rolle. Viele Fachleute begleiten die Patienten über Monate hinweg.

Zu ihnen gehört heute auch Eddy Scott selbst. Der Brite kam 2022 als humanitärer Helfer in die Ukraine und arbeitete zunächst an der Front bei Evakuierungen und Hilfseinsätzen.

Im Januar 2025 verlor er bei einem Drohnenangriff einen Arm und ein Bein. Sechs Wochen später kam er als Patient ins Superhumans Center. Heute arbeitet er dort als Botschafter und Kommunikationsverantwortlicher.

«Der wichtigste Teil des Prozesses besteht darin, die eigenen Verletzungen zu akzeptieren», sagt er. Prothesen seien kein Ersatz für verlorene Gliedmassen, sondern Hilfsmittel.

Entscheidend sei auch der Austausch unter den Patienten. Wer weiter fortgeschritten sei, diene den Neuankömmlingen als Vorbild. «Die neuen Patienten sehen, was möglich ist. So entsteht eine Atmosphäre der Hoffnung», sagt Scott.

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Heute Morgen, 14.7.2026, 6 Uhr;weds

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