Die Schiebetüren des Superhumans Center in Lemberg öffnen und schliessen sich ununterbrochen. Die Menschen, die hier eintreten, sind vom Krieg gezeichnet. Sie wurden durch Drohnen, Minen oder Raketenangriffe verletzt. Unter ihnen sind Soldaten, Sportler, Journalisten und Zivilisten.
Das Zentrum gehört zu den grössten Einrichtungen der Ukraine für die Rehabilitation von Kriegsverletzten. «Wir haben Zivilisten, Menschen, die einfach ihr Leben gelebt haben und angegriffen wurden. Leider auch Kinder», sagt der Brite Eddy Scott, der für das Zentrum Medienarbeit macht.
«Wir versuchen, alle Leistungen an einem Ort anzubieten, für die die Patienten sonst verschiedene Einrichtungen besuchen müssten», sagt Scott.
Dazu gehören neben Physiotherapie, Operationssälen, Fitnessräumen und Schwimmbad auch ein hochmodernes 3D‑Labor.
Dort werden dreidimensionale Modelle erstellt, um Verletzungen zu analysieren und massgeschneiderte Prothesen anzufertigen. «Wir drucken praktisch alles mit unserem Drucker», sagt Laborleiter Arkadii Bohdan.
Vor der Herstellung erfolgt ein präziser 3D‑Scan. So entstehen individuelle Prothesenschäfte – jener Teil, der den Stumpf umschliesst und entscheidend für Tragekomfort und Beweglichkeit ist.
Arkadii Bohdan zeigt, wie sein Labor arbeitet:
«Der Schaft ist der einzige Teil der Prothese, der vollständig massgeschneidert angefertigt wird», erklärt Bohdan. Genau dort spiele die 3D‑Technologie ihre Stärken aus.
Die Technik hilft nicht nur bei Prothesen. Das Labor entwickelt auch Hilfsmittel für ganz individuelle Bedürfnisse. So wurde für einen Musiker, der einen Teil seiner Hand verloren hatte, eine spezielle Plektrumhalterung gedruckt.
Zudem unterstützt das Team Chirurgen bei komplexen Operationen. Auf Basis von CT‑Daten werden anatomische 3D‑Modelle erstellt, an denen Operationen vorbereitet werden können. Implantate lassen sich dadurch vor dem Eingriff exakt anpassen.
Das Zentrum arbeitet mit internationalen Partnern zusammen, darunter die Radboud‑Universität in den Niederlanden sowie die Assistance Publique–Hôpitaux de Paris. «Wir lernen voneinander», sagt Bohdan. Die grosse Zahl von Kriegsverletzten verschaffe den ukrainischen Spezialisten allerdings einen enormen Erfahrungsschatz.
Die individuelle Betreuung spielt für den Rehabilitationserfolg eine zentrale Rolle. Viele Fachleute begleiten die Patienten über Monate hinweg.
Zu ihnen gehört heute auch Eddy Scott selbst. Der Brite kam 2022 als humanitärer Helfer in die Ukraine und arbeitete zunächst an der Front bei Evakuierungen und Hilfseinsätzen.
Im Januar 2025 verlor er bei einem Drohnenangriff einen Arm und ein Bein. Sechs Wochen später kam er als Patient ins Superhumans Center. Heute arbeitet er dort als Botschafter und Kommunikationsverantwortlicher.
«Der wichtigste Teil des Prozesses besteht darin, die eigenen Verletzungen zu akzeptieren», sagt er. Prothesen seien kein Ersatz für verlorene Gliedmassen, sondern Hilfsmittel.
Entscheidend sei auch der Austausch unter den Patienten. Wer weiter fortgeschritten sei, diene den Neuankömmlingen als Vorbild. «Die neuen Patienten sehen, was möglich ist. So entsteht eine Atmosphäre der Hoffnung», sagt Scott.