Die Hitze führt zu einer Erweiterung der Blutgefässe und verstärkt das Schwitzen. Durch den Wasserverlust dehydriert der Organismus und das Blut wird etwas dickflüssiger. Das Herz muss dann unter weniger günstigen Bedingungen mehr arbeiten.
Bei einer gesunden Person stellt diese zusätzliche Anstrengung in der Regel kein Problem dar. Ein bereits geschwächter Organismus kann dadurch aber aus dem Gleichgewicht geraten, und eine bestehende Erkrankung kann sich verschlimmern, betont François Dupuis, Arzt und medizinischer Direktor der Ecole de Santé de Suisse Romande.
Gemäss den Studien gebe es drei Risikogruppen: Zum einen generell die Personen, die älter sind als 65 Jahre. Dann diejenigen, die bereits eine Vorerkrankung am Herzen oder beim Herz-Kreislauf haben, etwa einen Herzinfarkt oder Bluthochdruck.
Die dritte Risikogruppe sind allein lebende Personen. Bei ihnen kann es sein, dass sie nicht schnell genug Hilfe erhalten, wenn sich ihr Zustand verschlechtert. Während der starken Hitze empfiehlt Dupuis daher, regelmässig zu trinken, sich im Kühlen aufzuhalten und sich um ältere, kranke oder isolierte Angehörige zu kümmern.
Unwohlsein nie unterschätzen
Der Herzstillstand tritt plötzlich ein. Es kann jedoch vorher Alarmzeichen geben, besonders wenn ein Herzinfarkt die Ursache ist. Das klassischste Symptom ist ein Schmerz oder ein Gefühl der Beklemmung in der Brust. Er kann in Arme oder Kiefer ausstrahlen. Der Herzinfarkt kann sich jedoch auch weniger typisch äussern, besonders bei Frauen.
Hören Sie, was die Alarmsignale sind, auf die man achten muss:
Die Empfehlung des Arztes lautet, einen Brustschmerz oder ein ungewöhnliches Unwohlsein nie zu unterschätzen. «Wenn Ihnen eine Person sagt, dass es ihr nicht gut geht, müssen Sie ihr glauben», betont er. Im Zweifelsfall müsse der Notruf 144 angerufen werden.
Notruf auf 144 – Atmung überprüfen
Nur jede zweite Person in der Schweiz traut sich zu, im Notfall zu helfen. Das ergab eine Umfrage von 2020 im Auftrag des Schweizerischen Roten Kreuzes und von Helsana. Man muss jedoch nicht das gesamte Protokoll perfekt beherrschen, um Hilfe leisten zu können: Die Fachpersonen des Notrufs 144 geben Schritt für Schritt Anweisungen.
Das einzig Falsche ist, nichts zu tun.
Nach dem Anruf muss das Telefon auf Lautsprecher gestellt werden. Anschliessend ist zu überprüfen, ob die Person reagiert, indem man sie anspricht und sie sanft an den Schultern rüttelt. Wenn sie nicht reagiert, muss ihre Atmung beobachtet werden.
Eine normale Atmung zeigt an, dass es sich nicht um einen Herzstillstand handelt; es könnte aber aus einem anderen Grund ein Notfall sein. Eine Person mit Herzstillstand atmet hingegen nicht mehr normal: Es kann sein, dass sie überhaupt nicht mehr atmet oder unregelmässig keucht (Schnappatmung). Wenn die Atmung nicht vorhanden, anormal oder schwer zu beurteilen ist, muss mit der Herzmassage gemäss den Anweisungen des Notrufs 144 begonnen werden.
Die Angst, Schaden anzurichten, darf kein Grund sein, nicht zu handeln. Eine Herzmassage bei einer Person, die sie nicht benötigt, richte nur selten Schaden an, betont der Arzt Dupuis. Ist jedoch ein Herzstillstand eingetreten, kann die Herzmassage ein Leben retten. «Das einzig Falsche ist, nichts zu tun», lautet das Fazit des Arztes.