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Kleinere Klubs in Notlage Amateurfussball: Wenn der Grössenwahn die Leidenschaft erstickt

Die Kultur des Geldes aus dem Profibetrieb hat auch im Schweizer Amateurfussball Fuss gefasst. Mehrere Klubs stehen am Rande des Abgrunds.

Gleich vier Amateurfussballklubs der Westschweiz befinden sich in einer Situation, die das Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) als «eine zerstörerische Spirale» bezeichnet:

  • Bei Olympique Genf waren es masslose Ambitionen und eine katastrophale Geschäftsführung, die den Klub in die Überschuldung und zu Straftaten trieben.
  • Beim FC Azzurri Lausanne nutzte ein extravaganter Präsident seinen Status, um seinen eigenen Spielern dubiose Finanzanlagen anzubieten, bevor er in Untersuchungshaft landete.
  • Der Klub Stade Lausanne Ouchy, der kürzlich das Finale des Schweizer Cups erreichte, stand 2019 ebenfalls am Rande der Katastrophe und wurde erst in letzter Minute vor dem Untergang gerettet. Zuvor war ein Funktionär abgesetzt und wegen Geldwäscherei und Veruntreuung von Covid-Geldern zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden.
  • Der FC Fribourg schliesslich hat wegen inkompetenter Geschäftsführung und exorbitanter Gehälter eine halbe Million Schulden und verfügt nicht einmal mehr über genügend finanzielle Mittel, um sich Trikots und Bälle zu kaufen.

Der Manager von Olympique Genf erklärt die Logik der Investoren

Die Moral dieser Auswüchse ist unerbittlich: Sobald der Amateurfussball versucht, die Methoden der Profiklubs nachzuahmen, ohne über die entsprechenden Strukturen und Mittel zu verfügen, bricht das System zusammen. Das obsessive Streben nach dem Aufstieg verleitet ehrenamtliche Vorstände dazu, ihre eigentliche Aufgabe dem kurzfristigen Erfolg zu opfern.

Sich Respekt erkaufen

Angesichts solcher Auswüchse hat Marie Barbey-Chappuis, Mitglied der Genfer Stadtregierung und dort zuständig für Sport, eine in der Schweiz einzigartige Entscheidung getroffen: Sie hat Olympique Genf die Subventionen gestrichen und den Zugang zu den Sportplätzen gesperrt.

«Ich glaube, dass es wie im Fussball ist: Manchmal muss man im Strafraum grätschen können», sagt die Mitte-Politikerin ohne Umschweife. Sie steht dem «Transfermarkt der Fussballäcker» skeptisch gegenüber, bei dem im Ausland Spieler rekrutiert werden, um sie in der fünften Liga spielen zu lassen. Und sie betont: «Wir müssen den Amateurfussball vor den Auswüchsen des Fussballbusiness schützen.»

Der niederländische Kriminologe Toine Spapens teilt diese Meinung. Er warnt vor der systematischen Infiltration des Amateurfussballs durch Kriminelle. Diese würden angezogen vom sozialen Status der Klubs. Sie nutzten die finanzielle Verwundbarkeit der Vereinsvorstände aus und erkauften sich Respekt. Die Verantwortlichen schlössen allzu oft die Augen und stellten keine Fragen. «Das Problem ist, dass sie ihren Klub damit in Gefahr bringen», betont Spapens.

Robert Breiter, der Generalsekretär des Schweizerischen Fussballverbands (SFV), bedauert die Vorfälle, die den Amateurfussball belasten. Er warnt aber davor, die grosse Mehrheit der ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen in Misskredit zu bringen, die sich jedes Wochenende für diesen Sport engagierten. Aber er gesteht auch die Ohnmacht des Verbands ein: «Uns sind die Hände gebunden. Wir haben nicht die Befugnisse der öffentlichen Behörden. Wir können nicht einfach in einen Klub gehen und dessen Buchhaltung beschlagnahmen.»

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Rundschau, 24.6.2026, 20:10 Uhr

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