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Kontaminierte Flächen Schiessen: Eine Tradition hat ihre Spuren im Boden hinterlassen

Das Schiessen ist Teil der Schweizer Identität. Doch viele ehemalige Schiessstände haben kontaminierte Flächen hinterlassen.

«Das Schiessen ist tief in der Geschichte der Schweiz verwurzelt», sagt Historiker Cedric Zbinden gegenüber SWI swissinfo.ch. Diese Schweizer Tradition ist in Europa fast einzigartig. «Schützenvereine gibt es auch in Deutschland, den Niederlanden und in Österreich, aber in keinem dieser Länder haben sie die gleiche soziale Verankerung.»

Der Bürgersoldat auf dem Schiessstand

1848, mit der Gründung des Bundesstaats und der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, erlangt das Schiessen grosse Bedeutung in der Schweizer Gesellschaft. «Drei der ersten sieben Bundesräte waren Präsidenten des damaligen Schweizerischen Schützenvereins, der 1824 gegründet wurde», sagt der Historiker. «Lange Zeit war dieses Amt eines der prestigeträchtigsten des Landes.»

Gruppe von Menschen spaziert mit Fahnen auf einem Weg durch neblige Landschaft.
Legende: Mitglieder der Vereine Seengen, Wiliberg, Staffelbach und Schlossrued beim Eidgenössischen Feldschiessen 2007. Thomas Kern

Die Schiesspflicht ausserhalb des Militärdienstes geht hingegen auf das Jahr 1874 zurück. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts legt das Eidgenössische Militärdepartement fest, dass jeder Soldat aktives Mitglied einer Schützengesellschaft sein muss. «Von da an wurde das Schiessen auch integraler Bestandteil der militärischen Vorbereitung. Dies verstärkte das Gefühl der Bedrohung, das die Schweizer Bevölkerung während der beiden Weltkriege begleitete», so Zbinden.

Es wird noch geschossen, aber immer weniger

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1986 erreicht die Zahl der Mitglieder in den Schützengesellschaften mit fast 590’000 ihren Höhepunkt, was etwas weniger als einem von zehn Schweizern entspricht. Ab den 1970er- und 1980er-Jahren bekommt das Bild des Bürgersoldaten erste Risse.

«Mit dem Ende des Kalten Krieges sehen viele das Schiessen nicht mehr als integralen Bestandteil der Landesverteidigung», sagt Zbinden. Der gesellschaftliche Wandel spiegelt sich auch in der Mitgliederzahl in den Schützengesellschaften wider.

Nach der Entscheidung des Bundesrats im Jahr 1996, die Pflichtmitgliedschaft in einer Schützengesellschaft aufzuheben, verzeichnet die Zahl der aktiven Mitglieder einen konstanten Rückgang. 1997 waren es knapp unter 230’000, letztes Jahr zählte man rund 130’000, aufgeteilt auf etwa 2500 Vereine, die dem Schweizer Schiesssportverband angeschlossen sind.

Laut Zbinden widerspiegelt diese Entwicklung auch die veränderten Freizeitgewohnheiten, vor allem bei den jüngeren Generationen, und allgemein den Bedeutungsverlust von Vereinsaktivitäten im Alltag.

Unerwünschtes und kostspieliges Erbe

Im Laufe der Zeit wurden überall in der Schweiz Schiessstände errichtet. Mit den gesellschaftlichen Veränderungen und den neuen gesetzlichen Vorschriften in den Bereichen Sicherheit, Lärmemissionen und Umweltschutz wurden viele Anlagen stillgelegt.

So auch im bündnerischen Puschlav, wo bis Mitte der 1990er-Jahre vier davon für das Schiessen auf 300 Meter Distanz gezählt wurden. Wie für viele Schweizer Gemeinden haben sich auch für Poschiavo die Schiessstände in ein kostspieliges und unerwünschtes Erbe verwandelt.

Rotes Banner mit weissem Kreuz und Gewehr, Person geht im Hintergrund.
Legende: Das Schiessen ist eine tief verwurzelte Tradition in der Schweiz. Über Generationen hinweg waren Schiessstände Teil der Schweizer Gemeinden. Keystone/Philipp Schmidli

Das Hauptproblem sind die Kugelfänge und die umliegenden Flächen. Jahrzehnte der Schiesstätigkeit haben im Boden Schwermetalle hinterlassen, vor allem Blei und in geringerem Mass Antimon.

«Das Schadstoffpotenzial kann mehrere Tonnen pro Standort erreichen», sagt Lars Schudel, Geograf und Projektverantwortlicher im Bereich Altlasten des Unternehmens Ecosens. «Die Sanierung dieser Flächen ist ein komplexer und wirtschaftlich aufwendiger Vorgang: Für einen einzelnen Schiessstand können die Kosten mehrere Hunderttausend Franken erreichen.»

Warnschild auf einer Wiese gegen unberechtigtes Betreten.
Legende: Ein Schild am ehemaligen Schiessplatz in Zürich-Manegg warnt vor Bleibelastung. Keystone/Gaetan Bally

Was bedeutet das konkret? Die Sanierung eines Schiessstands in der Gemeinde Poschiavo kostete rund 430’000 Franken, wovon 290’000 von Kanton und Bund übernommen wurden. Die restlichen 140’000 Franken gingen zulasten der Gemeindekasse.

«Die Sanierung besteht zunächst in der Entfernung des kontaminierten Bodens», sagt Schudel. «Die Erde wird schichtweise abgetragen, bis die Konzentrationen von Blei und Antimon die vorgeschriebenen Werte einhalten. Das Ziel der Sanierung variiert je nach Bodenschutz, der Nähe zu Grundwasserleitern, Gewässern oder anderen sensiblen Elementen sowie der geplanten Nutzung des Gebiets nach der Sanierung.»

Eine alte Tradition neu beleben

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Um Nachwuchs zu gewinnen, versucht der Schweizer Schiesssportverband (SSV), den Schiesssport wiederzubeleben. Er setzt dabei auf dynamischere Formate wie den Target Sprint: eine Kombination aus einem Mittelstreckenlauf – in der Regel über 400 Meter – und Schnellschiessen mit dem Luftgewehr. Nach Ansicht des Verbands kann diese Disziplin den Schiesssport für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene attraktiver machen.

Zudem hat der FST die «Swiss Shooting Roadshow» ins Leben gerufen: einen Anhänger mit vier Laseranlagen, der 2024 und 2025 zehn Schweizer Städte besuchte. An stark frequentierten Orten konnten Jugendliche und Erwachsene unter fachkundiger Anleitung in einer sicheren Umgebung und ohne echte Munition das Sportschiessen ausprobieren.

Gemäss den kantonalen Katastern der belasteten Standorte sind rund 4000 Flächen, auf denen früher geschossen wurde, kontaminiert. Bis 2025 wurden 1200 Standorte saniert; bis Ende 2045 müssen die Massnahmen abgeschlossen sein, auch weil die Bundesbeiträge für die Sanierungen auslaufen.

Radio SRF Musikwelle, 30.6.2026, 13:20 Uhr

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