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Neue Klimarealität Kühlen statt heizen: Die nächste Herausforderung der Energiewende

Glühend heisse Sommer treiben die Nutzung von Klimaanlagen in die Höhe. Was bedeutet das für das Stromnetz?

Die Schweiz gehört zu den Ländern, in denen die Temperaturen am schnellsten steigen.

Derzeit verfügt jedoch laut Schätzungen von Installateuren und Branchenvertretern nur jeder zehnte Haushalt in der Schweiz über eine fest installierte Klimaanlage. Die Vorschriften in einigen Kantonen und die hohen Installationskosten haben zur Beliebtheit von mobilen Klimaanlagen beigetragen.

Fenster mit schwarzen Fensterläden und Klimaanlage darüber.
Legende: Immer mehr Menschen in der Schweiz kaufen sich eine Klimaanlage, um die Hitze der immer heisseren Sommer erträglicher zu machen. Keystone/Salvatore Di Nolfi

Mobile Geräte sind jedoch weniger effektiv und haben einen hohen Stromverbrauch. Ein 1000-Watt-Gerät verbraucht etwa so viel Strom wie zehn Kühlschränke. Eine zunehmend beliebte Alternative zur Klimaanlage sind reversible Wärmepumpen, die Strom nutzen, um Wärme von einem Ort zum anderen zu transportieren.

Energieverbrauch für Kühlung nimmt zu

Laut dem Bundesamt für Energie ist der Strombedarf für Kühlung – Klimaanlage, Lüftung und technische Installation – in der Schweiz ähnlich hoch wie der Energiebedarf für Heizung.

Dieser Vergleich bezieht sich jedoch nur auf Strom, der ausschliesslich für die Kühlung verwendet wird, während die Heizung auf eine breitere Energiemischung zurückgreift, einschliesslich Heizöl und Erdgas.

Wenn alle Energieträger berücksichtigt werden, bleibt die Raumheizung bei Weitem die dominierende Endnutzung von Energie in Haushalten.

Dennoch ist der Trend klar: Der Energieverbrauch für das Beheizen von Räumen in der Schweiz ist stark gesunken, während der Energieverbrauch für Kühlung gestiegen ist.

Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa haben geschätzt, dass in einem extremen Szenario mit starker Erwärmung, hohem Bevölkerungswachstum und weitverbreiteter Einführung von Klimaanlagen Schweizer Haushalte bis 2050 vergleichbare Mengen an Wärmeenergie für Kühlung und Heizung benötigen könnten.

Der weltweite Strombedarf für Raumkühlung hat sich zwischen 2000 und 2022 mehr als verdoppelt und erreicht heute etwa 2900 TWh. Dies entspricht etwa zehn Prozent des weltweiten Stromverbrauchs.

Bis 2035 wird der Stromverbrauch für die Kühlung voraussichtlich um weitere 1600 TWh steigen – das entspricht dem aktuellen jährlichen Strombedarf von Japan und Südkorea zusammen.

Gebäude neu denken

Hitze wird als Gesundheitsgefahr oft unterschätzt, warnt Reto Knutti, Klimaphysiker an der ETH Zürich. Um hitzebedingte Todesfälle zu reduzieren, «müssen wir auch Klimaanlagen strategisch einsetzen». Klimaanlagen sollten beispielsweise in Schulen und Pflegeheimen installiert werden.

Urs-Peter Menti, Professor und Co-Direktor des Instituts für Gebäudetechnik und Energie an der Hochschule Luzern, sagt, auch der Bau müsse die neue Klimarealität berücksichtigen. «Jahrzehntelang wurden Schweizer Gebäude primär darauf optimiert, den Heizbedarf zu reduzieren. Heute muss die Anpassung an den Klimawandel zu einem ebenso wichtigen Planungsziel werden.»

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Aussenliegender Sonnenschutz wie Storen und Markisen verhindert, dass Wärme durch Sonneneinstrahlung in Gebäude eindringt, während Baumaterialien mit hoher thermischer Masse – wie Lehm – die Innenraumüberhitzung verlangsamen. Beschattete Aussenbereiche, kleinere Fensterflächen und wirksame Lüftung können den Sommerkomfort ebenfalls erheblich verbessern.

Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) können Massnahmen wie ordnungsgemässe Wärmedämmung und aussenliegender Sonnenschutz den Kühlbedarf eines Gebäudes um bis zu 80 Prozent reduzieren.

Tagesschau, 24.7.7.2026, 19:30 Uhr

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