«Es gibt unendlich viele Welten, die unserer ähneln, und unendlich viele, die völlig anders sind.» Bereits vor über zweitausend Jahren stellte der griechische Philosoph Epikur diese These auf.
Interview mit Didier Queloz (mit dt. Untertiteln):
Die moderne Astronomie bestätigt sie teilweise: Mehr als 6000 Exoplaneten sind inzwischen bekannt. Eine Frage bleibt jedoch offen: Gibt es eine echte Schwester der Erde?
Die Suche nach einer zweiten Erde
Genau dieser Frage widmet sich das Projekt Terra Hunting Experiment (THE) auf La Palma. Geleitet wird es von Didier Queloz, Schweizer Astronom und Professor an der ETH Zürich und an der Universität Cambridge.
Bereits 1995 entdeckte er gemeinsam mit dem Schweizer Astronomen Michel Mayor den allerersten Exoplaneten. Diese Arbeit wurde 2019 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
Trotz der Vielzahl bekannter Exoplaneten erfüllt bisher keiner alle Bedingungen, die die Erde auszeichnen:
- eine felsige Oberfläche,
- gemässigte Temperaturen,
- eine Atmosphäre und
- eine Umlaufbahn in der sogenannten bewohnbaren Zone um einen sonnenähnlichen Stern.
Queloz spricht im Gespräch mit dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) von einer «leichten wissenschaftlichen Frustration». Zugleich betont er die Schwierigkeit: «Wir haben sehr viele Planeten gefunden. Jetzt müssen wir die schwierigsten entdecken – eine Erde, die einen Stern umrundet wie unsere Sonne.»
Schwache Signale, grosse Herausforderung
Die heutigen Suchmethoden bevorzugen grosse Planeten, die nahe an ihrem Stern kreisen. Erdähnliche Planeten hingegen senden extrem schwache Signale aus. Genau hier setzt das Projekt THE an.
Der Ansatz ist einfach, aber anspruchsvoll: Rund fünfzig sonnenähnliche Sterne werden jede Nacht über zehn Jahre hinweg beobachtet. «Wir messen sehr lange, sehr systematisch und bei sorgfältig ausgewählten Sternen», erklärt Queloz vor Ort.
Dafür braucht es zwei Dinge: ein leistungsfähiges Teleskop und ein Instrument, das die Sternenstrahlung extrem präzise analysieren kann. Zum Einsatz kommt das Isaac Newton Telescope (INT) am Observatorium Roque de los Muchachos – einem der Standorte mit den weltweit klarsten Nachthimmeln.
Das Herzstück des Projekts
Nachts wird das eingefangene Sternenlicht über Glasfasern in einen abgeschirmten Raum unterhalb der Kuppel geleitet. Dort steht HARPS3, ein Spektrograf der neuesten Generation. Das Gerät kostete rund zehn Millionen Franken und misst mit einer Präzision von etwa fünf Atomdurchmessern. Es arbeitet in nahezu perfektem Vakuum und ist hermetisch verschlossen.
HARPS3 ist der jüngste Ableger einer Instrumentenfamilie, die an der Universität Genf entwickelt wurde. Zwei Vorgängermodelle sind bereits in Chile und an einem benachbarten Teleskop im Einsatz.
Auch negatives Ergebnis bedeutend
Berechnungen zufolge könnte THE mindestens zwei erdähnliche Planeten entdecken. Doch auch ein negatives Ergebnis wäre bedeutend. Es würde darauf hindeuten, dass unser Sonnensystem aussergewöhnlich ist – und Leben in der Galaxie selten.
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«Das wäre sehr frustrierend», sagt Queloz. Gleichzeitig würde es unser Bild vom Universum grundlegend verändern. Das Resultat tangiere die Frage, ob unser Planet eine Ausnahme sei – oder Teil einer kosmischen Regel.