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Opfer von Crans-Montana Das Leben nach dem Brand: Behandlungen, Narben und Wiedergeburt

Eine Operation nach der anderen, monatelange Rehabilitation und das tägliche Ringen um die Akzeptanz der erlittenen Verletzungen: Viele Überlebende der Brandkatastrophe von Crans-Montana befinden sich noch immer auf ihrem langen Weg zur Genesung.

«Es war schrecklich. Drinnen hörte man Schreie, Hilferufe. Der Geruch von verbranntem Fleisch. Ein Geruch, der mir in der Nase geblieben ist. Bis heute.» Marc (Name geändert) ist 18 Jahre alt und hat den Brand von Crans-Montana in der Neujahrsnacht überlebt. Eine Tragödie, die 41 Tote und 115 Verletzte forderte, mehrheitlich sehr junge Menschen.

Wie ein Brandopfer die Therapie seiner Wunden erlebt:

Der junge Walliser erinnert sich genau an diese dramatischen Momente. «Eine Person kam die Treppe hoch, die Flammen hüllten sie ein. Sie schrie: Raus hier, es brennt.» Aber die Flucht sei unmöglich gewesen, berichtet er dem Radio und Fernsehen der italienischen Schweiz (RSI): «Es waren bereits zu viele Leute im Gang. Eine Person ist vor mir gestürzt und ich auf sie. Alle sind über uns gestürzt.»

Marc konnte sich retten, weil ihn jemand herauszog und ihn an der einzigen Hand packte, die unter dem Haufen von Körpern hervorragte. «Genau das hat mich gerettet. Es ist schrecklich zu sagen, aber die Personen über mir sind an meiner Stelle verbrannt.»

Schmerzvoller Heilungsprozess

Marc erlitt Verbrennungen zweiten Grades im Gesicht, im Nacken und an den Ohren. Die rechte Hand verbrannte dritten Grades. Im Spital von Sitten wurde an ihm eine Hauttransplantation vorgenommen. Jetzt besucht er im Spital von Siders regelmässig Ergotherapie-Sitzungen.

Ein Brandopfer von Crans-Montana bei der Wundtherapie im Spital von Siders.
Legende: Ein Brandopfer von Crans-Montana bei der Wundtherapie im Spital von Siders. RSI

«In der ersten Woche war ich mehrmals im Operationssaal. Als sie mir die Hauttransplantation machten, hatte ich mehr Schmerzen als in Crans-Montana», berichtet der Jugendliche.

Viele Verletzte wurden in spezialisierte Zentren für Schwerbrandverletzte gebracht, wie das Universitätsspital (CHUV) in Lausanne. «In jener Nacht erhielten wir die Meldung eines Grossereignisses ohne genaue Anzahl der Patienten. Es kamen 22 instabile Patienten an, die sofortige Behandlung benötigten», erinnert sich Frida Rizzati, Ärztin der pädiatrischen Intensivstation des CHUV.

Das psychische Trauma

Um zu verstehen, was die schwerer verletzten Jugendlichen erwartet, traf RSI Bertrand Galley. Er wurde vor sechs Jahren Opfer schwerer Verbrennungen. Mit 75 Prozent verbrannter Körperoberfläche kam er ins CHUV, hatte nur eine 15-prozentige Überlebenschance, verbrachte fast viereinhalb Monate auf der Intensivstation, davon die Hälfte im künstlichen Koma, und musste sich 41 chirurgischen Eingriffen unterziehen.

«Der schlimmste Moment war das Aufwachen aus dem Koma, als ich mich zum ersten Mal im Spiegel wiedersah», erinnert sich Bertrand. «Ich weinte. Es ist wirklich schwer zu akzeptieren. Für jene, die Verbrennungen im Gesicht haben, wird es noch schwieriger sein.»

Das psychische Trauma wiegt schwer. Auch Marc brauchte Hilfe. «Bei mir wurde eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert. Ich rieche die ganze Zeit Brandgeruch. Ich höre Sirenen, auch wenn keine da sind.»

Nach dem Kampf ums Überleben beginnt die Rehabilitation. Schwerbrandverletzte müssen kämpfen, um die Körperfunktionen wiederzuerlangen, die verloren gegangen sind, während sie stillliegen mussten.

Der Heilungsprozess dauert 12 bis 24 Monate. Marc trägt einen Kompressionshandschuh an der Hand. «Am Anfang dachte ich: In zwei Wochen kehre ich zur Arbeit zurück. Ich war mir dessen nicht bewusst. Es ist trotzdem Wut da. Man fragt sich: Warum ausgerechnet ich?»

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RSI, Falò, 24.3.2026, 20:50 Uhr;weds

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