Seit dem Angriff vom 7. Oktober 2023 wurden Schweizer Dual-Use-Güter und spezifische Militärgüter im Wert von über 24 Millionen Franken nach Israel exportiert.
Dies geht aus Exportbewilligungen hervor, die das Rechercheteam des Westschweizer Radio und Fernsehens (RTS) einsehen konnte.
Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft, das die Exportbewilligungen erteilt, entspricht das hohe Niveau dieser Exporte sogenannter «sensibler» Güter nach Israel den geltenden gesetzlichen Bestimmungen.
Diese Auslegung des Gesetzes ist jedoch umstritten.
Zudem wirft der Kontext Fragen auf. Im November 2024 erliess der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehle gegen führende Mitglieder der israelischen Regierung. Bereits einige Monate zuvor, im April 2024, hatte der UNO-Menschenrechtsrat in einer Resolution ein Waffenembargo gegen Israel gefordert und zu erhöhter Vorsicht bei Dual-Use-Gütern aufgerufen.
Komponenten für Rüstungsunternehmen
Zu den zwischen 2024 und 2025 exportierten Schweizer Gütern zählen auch Komponenten für den Rüstungskonzern Elbit, für das israelische Verteidigungsministerium sowie für ein Unternehmen, das unter anderem weissen Phosphor für militärische Zwecke herstellt. Insgesamt sind rund 20 Unternehmen betroffen.
Die Informationen stammen aus Exportbewilligungen für den Zeitraum von 2019 bis 2025. Sie wurden auf Grundlage des Öffentlichkeitsgesetzes veröffentlicht, nachdem RTS gemeinsam mit zwei weiteren Medien – der «Wochenzeitung» und dem Recherchekollektiv WAV – Einsicht beantragt hatte.
Hohe Nachfrage nach Präzisionsmaschinen
Ein bedeutender Anteil der Exporte entfällt auf Hersteller von Präzisions-Werkzeugmaschinen. Die Bündner Firma Trumpf Schweiz AG exportierte mehrere Laserschneidmaschinen nach Israel.
Darunter waren drei Modelle im Gesamtwert von rund 1.3 Millionen Franken für das israelische Verteidigungsministerium. Die Verkäufe erfolgten über eine Niederlassung des Schweizer Unternehmens in Deutschland.
Exporte im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben
Ein weiteres Unternehmen aus der Branche ist Starrag-Tornos. Über seinen Produktionsstandort im Kanton Freiburg exportierte das Unternehmen zwei hochpräzise Bearbeitungszentren im Wert von rund 1.4 Millionen Franken an israelische Firmen aus dem Verteidigungssektor.
Auf Anfrage des Westschweizer Radio und Fernsehen erklärt Starrag-Tornos, man handle im Rahmen der geltenden Gesetze. Zum konkreten Endverwendungszweck der exportierten Güter erklärte das Unternehmen, man habe von den israelischen Importeuren alle erforderlichen Nachweise erhalten, wolle im Rahmen dieser Recherche jedoch keine weiteren Details nennen.
Rohrsysteme und Ventile
Auch der Schaffhauser Industriekonzern Georg Fischer exportierte Produkte nach Israel. Gemäss den Dokumenten exportierte Georg Fischer mehrere Ventile zur Regulierung von Flüssigkeitsströmen unter anderem an die israelische Raffinerie Ashdod.
Ein weiterer israelischer Kunde ist Israel Chemical. Verschiedene NGOs werfen dem Unternehmen vor, weissen Phosphor für militärische Zwecke, etwa für Brandwaffen, herzustellen. Laut einem Bericht von Human Rights Watch setzte die israelische Armee weissen Phosphor im Jahr 2023 sowohl im Gazastreifen als auch im Libanon ein.