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Umfrage Über 120 Rassismusfälle in Genfer Spitalabteilung

Gemäss einer Umfrage sind über 120 Mitarbeitende einer Abteilung im Genfer Universitätsspital Opfer von Rassismus geworden. Nun will die Klinik das Meldesystem und die Nachverfolgung verbessern.

In einer internen Umfrage der Abteilung für Rehabilitation und Geriatrie des Universitätsspitals Genf (HUG) gaben 120 Mitarbeitende an, Opfer von Rassismus geworden zu sein. Das entspricht rund einem Viertel der 487 Personen, die Ende letzten Jahres an der Befragung teilgenommen haben.

«Diese Erfahrungen sind sehr real, sie sind schmerzhaft», sagte HUG-Generaldirektor Robert Mardini gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) und drückte im Namen des Spitals sein «tiefes Bedauern» aus.

Solche Vorfälle seien «niemals akzeptabel, wir tolerieren keinerlei rassistische oder diskriminierende Handlungen».

In einem Drittel der Fälle sind Patientinnen und Patienten für die rassistischen und die diskriminierenden Handlungen verantwortlichen, in 31 Prozent Kolleginnen und Kollegen und in 20 Prozent Vorgesetzte.

Körperliche Gewalt wird nur selten erwähnt, hingegen werden Vorurteile, abwertende Äusserungen oder entsprechende Verhaltensweisen angeprangert.

RTS-Beitrag zur Rassismusumfrage (mit dt. Untertiteln):

Zu den häufigsten Diskriminierungsmerkmalen zählt die Hautfarbe, vor ethnischer Herkunft und Nationalität.

Mehr als 40 Prozent der Befragten geben zudem an, Zeuginnen oder Zeugen von Rassismus geworden zu sein.

Etwas mehr als 20 Prozent der befragten Mitarbeitenden geben zudem an, sie hätten beobachtet, dass Patientinnen und Patienten Opfer von Rassismus geworden seien. Die Betreuung leide darunter, betont das Spital.

Verstärkte Prävention

Bereits nach den ersten Meldungen hatte das HUG im vergangenen Jahr zwei Strafanzeigen angekündigt.

Gegen zwei Personen wurden disziplinarische Massnahmen ergriffen, doch seien die Vorwürfe nicht ausreichend belegt gewesen, um eine Entlassung zu rechtfertigen, sagte Spitaldirektor Mardini.

Zudem wurden Schulungsworkshops für 680 Mitarbeitende durchgeführt.

«Es handelt sich um ein gesellschaftliches Phänomen, das darf man nicht vergessen», betonte Mardini. «Deshalb ist es illusorisch zu glauben, wir könnten den Rassismus am HUG vollständig ausrotten – immerhin handelt es sich um eine Institution mit 13'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.» Ein realistisches Ziel sei jedoch, «den Rassismus innerhalb unserer Institution zu verhindern, und genau darauf konzentrieren wir derzeit unsere Anstrengungen».

So führte das Spital eine Kampagne zur Sensibilisierung durch, und dem Personal wurden Beratungsgespräche angeboten. Ebenso wurden die Mechanismen zur Meldung von Vorfällen verstärkt.

Beanstandete Äusserungen können administrativ oder strafrechtlich verfolgt werden. «Wir müssen noch weiter gehen», meinte Mardini und kündigte eine Intensivierung der Präventionsmassnahmen an. In diesem Jahr sollen in jeder Abteilung Ansprechpersonen ernannt werden.

RTS Le 12h30, 19.2.26, 12:38 Uhr ; 

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