Neue Zahlen zeigen: Richtig gefährlich wird es mit dem Velo im Strassenverkehr, wenn der Faktor Auto dazukommt.
In der Schweiz zeigt sich über alle Velounfälle mit Verletzten hinweg, dass zwar meist die Radfahrerinnen selbst verantwortlich sind. Oft sind das Stürze wegen Unaufmerksamkeit oder einer unangepassten Geschwindigkeit.
Auch wenn es vorkommt, dass Radfahrerinnen rote Ampeln missachten, führt solches Verhalten laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) nur selten zu schweren Unfällen.
Autofahrende verursachen drei Viertel der Kollisionen
Ist jedoch ein Auto in einen Unfall mit einem Velo verwickelt, kehrt sich die Situation um: In drei Viertel dieser Fälle tragen die Autofahrenden die Schuld.
Für den Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) hat die Vermeidung solcher Unfälle höchste Priorität.
Radfahrende jedoch könnten auch einen Beitrag dazu leisten, solche Unfälle zu verhindern. Etwa durch reflektierende Kleidung oder indem sie in Kreisverkehren in der Fahrbahnmitte fahren.
Der RTS-Beitrag dazu, wie die Velokurse funktionieren:
Noch wirksamer seien jedoch andere Massnahmen, wie BFU-Sprecher Lucien Combaz gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS) sagt: «Zunächst braucht es sichere und gut verständliche Infrastrukturen, etwa durch die Trennung der Verkehrsströme dort, wo viel Verkehr herrscht oder grosse Geschwindigkeitsunterschiede bestehen, also durch eigene Velowege.»
Und: «Ein weiterer sehr wichtiger, noch zu wenig genutzter Hebel ist die Reduktion der Geschwindigkeit innerorts, insbesondere die Einführung von Tempo 30 dort, wo es die Sicherheit erfordert.»
Massnahmen nicht immer leicht umzusetzen
Diese Massnahmen sind nicht immer einfach umzusetzen. Das gilt besonders für Tempo 30 – die kostengünstigste Massnahme, die jedoch politisch häufig bekämpft wird.
«Ich glaube, die Priorität ist wirklich, die Verkehrsströme klar zu trennen», sagt Grünen-Politikerin Marjorie de Chastonay, die das Genfer Verkehrsdepartement leitet. «Wir können Situationen verbessern, die für Radfahrende extrem gefährlich sind – oft wegen Tramgleisen, aber auch wegen des dichten Verkehrs in der Stadt Genf».
Wie Genf haben auch andere Gemeinden einen Gang hochgeschaltet, um besonders gefährliche Stellen sicherer zu machen.
Dennoch bleibt noch viel zu tun. Vor bald acht Jahren nahm das Schweizer Stimmvolk den Bundesbeschluss über die Velowege deutlich an, wodurch der Veloverkehr in der Bundesverfassung verankert wurde.
Der Bund plant, die mit dem Velo zurückgelegten Kilometer bis 2035 zu verdoppeln.
Laut Gesetz haben die Kantone bis Ende 2027 Zeit, sichere Velowegnetze zu planen. Und bis 2042 die Zeit, um diese umzusetzen.