Zum Inhalt springen

Header

Audio
Schnellere Alzheimer-Diagnose dank Bluttests
Aus Regionaljournal Ostschweiz vom 28.09.2021.
abspielen. Laufzeit 01:46 Minuten.
Inhalt

Forschung zu Alzheimer Mit einfachem Bluttest zur zuverlässigen Alzheimer-Diagnose

Demenz im Blut ablesen: Am Kantonsspitals St. Gallen wurde dazu erfolgreich eine Pilotstudie durchgeführt.

Besteht der Verdacht auf eine Alzheimer-Demenz, beginnt für die meisten Betroffenen ein Spiessrutenlauf. Sie müssen sich teuren und aufwändigen Tests unterziehen – bis hin zu einer unangenehmen Punktion des Rückenmarkkanals. Erst dann kann mit Sicherheit gesagt werden, ob eine Demenzerkrankung vorliegt oder nicht.

Wäre es nicht viel bequemer und schneller, wenn die Diagnose mittels eines einfachen Bluttests erstellt werden könnte? Mit dieser Frage haben sich Forschende der Eidgenössischen Materialsprüfungs- und Forschungsanstalt Empa und des Kantonsspitals St. Gallen befasst. Sie haben ein Verfahren entwickelt, das dereinst zu einem marktreifen Bluttest führen könnte. Nun haben die Forscher erfolgreich eine Pilotstudie durchgeführt, die im Fachmagazin «Science Advances» publiziert wurde.

Eiweisse liefern die Diagnose

«Die Pilotstudie zeigt, dass es möglich ist, Proteine im Blut nachzuweisen, die einen Hinweis auf eine Demenz vom Alzheimertyp liefern», sagt Ansgar Felbecker, Arzt an der Klinik für Neurologie am Kantonsspital St. Gallen. Er war an der Pilotstudie beteiligt. Doch wie sieht dieses Verfahren konkret aus?

Bei Patientinnen und Patienten mit einer Demenzerkrankung seien ganz bestimmte Proteine, also Eiweissstoffe vorhanden, erklärt Felbecker. Diese finde man vor allem im Gehirn, aber auch im Blut – und zwar bereits in einem frühen Stadium der Krankheit. «Sie lagern sich auf den roten Blutkörperchen ab. Und sie unterscheiden sich, je nach dem welche Form von Demenz vorliegt». Das heisst: Man kann an den Eiweissstoffen im Blut nicht nur ablesen, ob ein Patient oder eine Patientin an einer Demenz erkrankt ist, sondern auch an welcher Form.

Die Pilotstudie zeigt, dass es möglich ist, Proteine im Blut nachzuweisen, die einen Hinweis auf eine Demenz vom Alzheimertyp liefern.
Autor: Ansgar Felbecker Neurologe am Kantonsspital St. Gallen

Dafür müssen die Eiweissstoffe aber erst sichtbar gemacht werden. Und genau darin liegt die Besonderheit der Forschungszusammenarbeit der Empa und des St. Galler Kantonsspitals. Das Verfahren, das die Forscher entwickelt haben, ermöglicht es, die Eiweissstoffe optisch sichtbar zu machen – etwa unter einem Mikroskop.

Weltweit wird fieberhaft geforscht

Für die Pilotstudie untersuchte der Empa-Forscher Peter Nirmalraj Blutproben von 50 Patientinnen und Patienten sowie 16 gesunden Versuchspersonen. Er studierte rund 1000 rote Blutkörperchen pro Person und analysierte deren Oberfläche. Dabei wusste er nichts über den Gesundheitszustand der Personen. «Nur so konnte garantiert werden, dass die Interpretation der Daten objektiv blieb», wird Nirmalraj in einer Mitteilung der Empa zitiert.

An Bluttests für eine Alzheimer-Diagnose wird derzeit weltweit fieberhaft geforscht. Bis ein einfacher Bluttest im Spital zur Verfügung stehe, sei es allerdings noch ein weiter Weg, sagt Felbecker. Zwar sei in den USA bereits ein Bluttest zugelassen, nicht aber in Europa.

Felbecker rechnet mit einem Zeithorizont von drei bis fünf Jahren, bis solche Tests flächendeckend zugelassen sind. Derweil forscht das Team der Empa und des Kantontsspitals St. Gallen weiter. An einer nächsten Studie sollen noch mehr Versuchspersonen teilnehmen, die sich zudem in verschiedenen Krankheitsstadien befinden. «So kann sichergestellt werden, dass das Verfahren einmal breit angewendet werden kann», sagt Felbecker.

Regionaljournal Ostschweiz, 28.9.2021, 06:30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Ronald Greber  (Ronald Greber (roni))
    und jetzt? was ist nun die therapie dieser art von demenz? brauchen wir nach 30-40 jahren forschung in diesselbe richtung einen somatisch-klinischen test, wenn die klinisch-phaenomenologische diagnostik meistens sonnenklare ergebnisse liefert?
    1. Antwort von Tobias Müller  (muellto)
      Die phänomenologische diagnostik kann erst bei fortgeschrittenerem verlauf erfolg, dieser bluttest soll bereits frühere diagnostik ermöglichen. Therapeutisch kann nicht besonders viel gemacht werden, aber trotzdem gilt je früher desto besser.
    2. Antwort von Dorothee Meili  (DoX.98)
      Tobias Müller: aus naher und/aber vielfältiger Erfahrung in diesem Bereich: mit Fug und Recht können wir auch sagen: nein, nicht je früher desto besser, sondern wirklich erst dann, wenn Leben-einschneidende-Phänomene auftreten. Etwas anderes ist es, wenn eine wirkliche, alltagstaugliche Therapie aufgezeigt werden kann, die nicht noch den Betroffenen, ihren Angehören und Mitverantwortlichen zusätzlichen Stress bereitet; am liebsten: wenn Medikamente vorliegen.
    3. Antwort von Andreas Morello  (Andreas Morello)
      Ich denke es ist ein Vorteil wenn man eine Erkrankung in einer frühen Phase erkennen kann.

      Ich bin weder Mediziner noch Biologe, eventuell könnte ein Bluttest neue Impulse für die weitere Erforschung der Erkrankung liefern.
  • Kommentar von annie suter  (anniesu)
    Okay toll, jetzt kann die Krankheit also frühzeitig diagnostiziert werden. Quantensprung. Und was jetzt, wenn die Diagnose bestätigt wird? Ich bin verwirrt ab dem Nutzen.. Abtun..? (Abtreiben geht ja nicht mehr.) Oder was ist moralisch vertretbar?
    1. Antwort von Tobias Müller  (muellto)
      Man kann bereits früher massnahmen/therapie einleiten, was durchaus hilft die progression zu verlangsamen.