Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

30 Jahre nach Klonschaf Dolly Klonen ist längst Alltag – nur anders als befürchtet

Nach Dolly blieb der Menschenklon aus. Doch die Technik ist längst in Forschung und Wirtschaft angekommen.

Mit Dolly gelang Forschenden am 5. Juli 1996 in Schottland, was lange kaum möglich schien: Aus der Körperzelle eines erwachsenen Schafs entstand ein genetisch identisches Tier – ein Klon.

Parlamente auf allen Kontinenten und sogar der Vatikan befassten sich daraufhin mit dem wissenschaftlichen Durchbruch. Eine Angst dominierte: Wenn ein Schaf kopiert werden kann, kommt dann bald der geklonte Mensch?

Drei Jahrzehnte später bleibt der Menschenklon Science-Fiction. Viele Länder – auch die Schweiz – verbieten das Klonen von Menschen ausdrücklich. Zudem bleibt das Verfahren riskant.

Entwicklungsbiologe Rolf Zeller sagt: «Der Mensch hat natürlich noch eine zusätzliche Komplexität gegenüber gewissen Tieren. Es ist eben auch so, dass viele dieser klonierten Tiere Missbildungen haben oder früher sterben. Dolly ist viel früher gestorben, weil sie Tumore und auch Arthritis entwickelt hat. Das will man natürlich nicht mit Menschen machen.»

So entsteht ein Klon

Box aufklappen Box zuklappen

Beim Klonen braucht es zuerst eine Eizelle eines Tiers – zum Beispiel des «Leihmutter»-Tiers, das den Klon austragen soll. Aus dieser Eizelle entfernen Forschende den Zellkern. Dieser enthält jeweils den genetischen Bauplan eines Tiers.

Danach setzen sie den Zellkern des Tiers ein, das geklont werden soll – dieser kann zum Beispiel aus einer Hautzelle stammen.

Nun muss die Eizelle diesen Zellkern «zurückprogrammieren». Denn eine Hautzelle enthält zwar auch den gesamten genetischen Bauplan des Tiers, viele Gene sind jedoch inaktiv, weil sich die Zelle ausschliesslich darauf spezialisiert hat, Haut zu bilden.

Damit der Zellkern nun als Bauplan für die Entwicklung eines Embryos verwendet werden kann, muss er sozusagen vergessen, dass er aus einer Hautzelle stammt. Diese «Zurückprogrammierung» wird von der Eizelle autonom gemacht.

Oft klappt dieser Schritt aber nicht. Viele Embryonen entwickeln sich nicht weiter und sterben früh.

In der Medizin wirkt Dolly bis heute nach. Forschende können Tierzellen im Labor gezielt verändern und daraus geklonte Tiere entwickeln – etwa Schweine mit Genveränderungen, die beim Menschen Krankheiten auslösen. So lassen sich diese Krankheiten besser erforschen.

Geschäft mit der Trauer

Auch kommerziell wird heute geklont. In Ländern wie den USA können Menschen ihre Haustiere klonen lassen – für 20'000 bis 50'000 US-Dollar. Das Versprechen: Das geliebte Tier soll zurückkommen.

Für Nicole Disler vom Schweizer Tierschutz STS ist das grotesk. Ein Klon sei trotz identischer Genetik nicht dasselbe Tier: «Dadurch, dass man nachher von so einem Tier eine genetische Kopie machen lässt, spricht man ihm indirekt gerade genau das ab, was man an diesem Tier gerne gehabt hat. Nämlich seine Individualität, seine Persönlichkeit, seine Würde.»

Wir haben eine sehr hohe Rate an Gebrechen, die auftreten – mehr als bei einer normalen Zucht.
Autor: Nicole Disler Leiterin Kompetenzzentrum Tierschutz, STS

Weniger emotional, aber wirtschaftlich interessant ist das Klonen von Nutztieren. Geklont werden etwa besonders wertvolle Zuchtbullen, deren Kälber zum Beispiel viel Milch geben. Ihre Genetik gilt als besonders leistungsstark. In Argentinien ist zudem das Klonen von Spitzenpferden für den Polosport ein Millionengeschäft.

Hinter solchen Erfolgen steht jedoch weiterhin viel Tierleid. Für jeden Klon sterben zahlreiche Embryonen oder nicht lebensfähige Jungtiere. Disler sagt: «Wir haben eine sehr hohe Rate an Gebrechen, die auftreten – mehr als bei einer normalen Zucht. Wenn man das alles zusammenrechnet, geht [die Abwägung zwischen Nutzen und Leid] unter dem Strich nicht mehr auf.»

Klonen in der Schweiz: Was ist erlaubt?

Box aufklappen Box zuklappen

Das Klonen von Menschen ist in der Schweiz verboten. Tierklonen ist nicht ausdrücklich untersagt, ein konkretes Projekt müsste aber als Tierversuch geprüft und bewilligt werden. Zuständig wären die kantonalen Tierversuchsbehörden.

Die Einfuhr geklonter Nutztiere für die Landwirtschaft ist nicht ausdrücklich verboten. Die Branche hat sich jedoch selbst strengere Regeln auferlegt. Qualitätsprogramme wie «QM Schweizer Fleisch» schliessen die Haltung von Klontieren aus, bei Verstössen droht der Ausschluss.

Ein Anwendungsfall könnte der Tierwelt sogar helfen: der Schutz bedrohter Arten. Wenn nur noch wenige Tiere einer Art leben, sind sie oft eng verwandt. Die genetische Vielfalt – die Variabilität – ist gering, Inzucht erhöht das Risiko für Krankheiten und Erbschäden.

«Beim stark bedrohten asiatischen Wildpferd im Zoo von San Diego hat man Zellen aus gefrorenem Gewebe [eines lange gestorbenen Tiers] genommen. Daraus hat man einen Klon gemacht. Dadurch kann man die Variabilität wieder vergrössern», weiss Rolf Zeller.

Mann betrachtet ein ausgestelltes Pferdeskelett in einem Museum.
Legende: Rolf Zeller im Naturhistorischen Museum Basel vor einem Ur-Wildpferd. Beim Artenschutz kann Klonen helfen, verlorene genetische Linien zurückzubringen – wie bei einem Wildpferd im Zoo von San Diego, das aus eingefrorenem Gewebe geklont wurde. Screenshot SRF

Mehr genetische Vielfalt macht eine Art widerstandsfähiger – etwa gegenüber veränderten Umweltbedingungen oder Fortpflanzungsproblemen. Das kann ihre Überlebenschancen erhöhen.

30 Jahre nach Dolly ist Klonen in Forschung und Wirtschaft angekommen. Die schwierige Frage bleibt: Wann ist der Nutzen gross genug, um den Preis dafür zu rechtfertigen?

SRF 1, «10 vor 10», 6.7.2026, 21:50 Uhr

Meistgelesene Artikel