Mit Dolly gelang Forschenden am 5. Juli 1996 in Schottland, was lange kaum möglich schien: Aus der Körperzelle eines erwachsenen Schafs entstand ein genetisch identisches Tier – ein Klon.
Parlamente auf allen Kontinenten und sogar der Vatikan befassten sich daraufhin mit dem wissenschaftlichen Durchbruch. Eine Angst dominierte: Wenn ein Schaf kopiert werden kann, kommt dann bald der geklonte Mensch?
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Bild 1 von 3. Dolly war das erste Säugetier, das aus einer Körperzelle eines erwachsenen Tiers geklont wurde. Benannt wurde es nach …. Bildquelle: Getty Images / Najlah Feanny.
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Bild 2 von 3. … US-Sängerin Dolly Parton, die damals auch für ihre grosse Oberweite bekannt war. Der Name war eine Anspielung darauf, dass die zum Klonen verwendete Zelle aus dem Euter eines Schafs stammte. Bildquelle: Getty Images / Terry Wyatt.
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Bild 3 von 3. Nach der Geburt von Dolly wurde Klonen rasch zur Projektionsfläche für Ängste. Besonders stark war die Sorge vor politischem Missbrauch der Technik. Bildquelle: Screenshot SRF.
Drei Jahrzehnte später bleibt der Menschenklon Science-Fiction. Viele Länder – auch die Schweiz – verbieten das Klonen von Menschen ausdrücklich. Zudem bleibt das Verfahren riskant.
Entwicklungsbiologe Rolf Zeller sagt: «Der Mensch hat natürlich noch eine zusätzliche Komplexität gegenüber gewissen Tieren. Es ist eben auch so, dass viele dieser klonierten Tiere Missbildungen haben oder früher sterben. Dolly ist viel früher gestorben, weil sie Tumore und auch Arthritis entwickelt hat. Das will man natürlich nicht mit Menschen machen.»
In der Medizin wirkt Dolly bis heute nach. Forschende können Tierzellen im Labor gezielt verändern und daraus geklonte Tiere entwickeln – etwa Schweine mit Genveränderungen, die beim Menschen Krankheiten auslösen. So lassen sich diese Krankheiten besser erforschen.
Geschäft mit der Trauer
Auch kommerziell wird heute geklont. In Ländern wie den USA können Menschen ihre Haustiere klonen lassen – für 20'000 bis 50'000 US-Dollar. Das Versprechen: Das geliebte Tier soll zurückkommen.
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Bild 1 von 2. Prominentes Beispiel ist der Fall von American-Football-Star Tom Brady. Hier ist er noch mit seiner Hündin Lua zu sehen, die 2023 starb …. Bildquelle: Getty Images / Stickman / Bauer-Griffin.
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Bild 2 von 2. … heute führt Brady einen Klon von Lua Gassi. Hündin Junie wurde durch ein privates US-Unternehmen zur Welt gebracht. Bildquelle: Instagram / deuxmoi.
Für Nicole Disler vom Schweizer Tierschutz STS ist das grotesk. Ein Klon sei trotz identischer Genetik nicht dasselbe Tier: «Dadurch, dass man nachher von so einem Tier eine genetische Kopie machen lässt, spricht man ihm indirekt gerade genau das ab, was man an diesem Tier gerne gehabt hat. Nämlich seine Individualität, seine Persönlichkeit, seine Würde.»
Wir haben eine sehr hohe Rate an Gebrechen, die auftreten – mehr als bei einer normalen Zucht.
Weniger emotional, aber wirtschaftlich interessant ist das Klonen von Nutztieren. Geklont werden etwa besonders wertvolle Zuchtbullen, deren Kälber zum Beispiel viel Milch geben. Ihre Genetik gilt als besonders leistungsstark. In Argentinien ist zudem das Klonen von Spitzenpferden für den Polosport ein Millionengeschäft.
Hinter solchen Erfolgen steht jedoch weiterhin viel Tierleid. Für jeden Klon sterben zahlreiche Embryonen oder nicht lebensfähige Jungtiere. Disler sagt: «Wir haben eine sehr hohe Rate an Gebrechen, die auftreten – mehr als bei einer normalen Zucht. Wenn man das alles zusammenrechnet, geht [die Abwägung zwischen Nutzen und Leid] unter dem Strich nicht mehr auf.»
Ein Anwendungsfall könnte der Tierwelt sogar helfen: der Schutz bedrohter Arten. Wenn nur noch wenige Tiere einer Art leben, sind sie oft eng verwandt. Die genetische Vielfalt – die Variabilität – ist gering, Inzucht erhöht das Risiko für Krankheiten und Erbschäden.
«Beim stark bedrohten asiatischen Wildpferd im Zoo von San Diego hat man Zellen aus gefrorenem Gewebe [eines lange gestorbenen Tiers] genommen. Daraus hat man einen Klon gemacht. Dadurch kann man die Variabilität wieder vergrössern», weiss Rolf Zeller.
Mehr genetische Vielfalt macht eine Art widerstandsfähiger – etwa gegenüber veränderten Umweltbedingungen oder Fortpflanzungsproblemen. Das kann ihre Überlebenschancen erhöhen.
30 Jahre nach Dolly ist Klonen in Forschung und Wirtschaft angekommen. Die schwierige Frage bleibt: Wann ist der Nutzen gross genug, um den Preis dafür zu rechtfertigen?