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Alkoholverbot in Paris Schwitzen wie Gott in Frankreich – und das ohne ein kühles Bier …

Bis zu 40 Grad in der Metropole. Nun greift die Polizei durch (zumindest ein bisschen). Denn die Gluthitze gefährdet die Gesundheit.

L'alcool tue lentement. On s'en fout. On n'est pas pressés.
Autor: Georges Courteline (1858 bis 1929) Französischer Schriftsteller

«Der Alkohol tötet langsam. Das ist uns egal. Wir haben es nicht eilig», wusste schon der französische Romancier Georges Courteline. Was er damals wohl noch nicht wusste: Bei Temperaturen um die 40 Grad kann Alkohol auch kurzfristig böse Folgen haben.

Alarmstufe blau

Eine weniger (dunkel-)romantische Lebenseinstellung pflegt man in der Pariser Polizeipräfektur: Sie hat ein vorübergehendes Alkoholverbot im öffentlichen Raum erlassen. Denn Paris erlebt derzeit eine brutale Hitzewelle.

Am Donnerstag kletterte das Thermometer auf über 41 Grad. Erst am Sonntag ist Linderung zu erwarten: Dann könnte es wieder unter 30 Grad werden. Durchatmen. Und weiterschwitzen.

Météo France rief Alarmstufe rot aus. Die Pariser Polizeipräfektur reagierte ihrerseits: Von heute Freitag bis Sonntagmorgen ist der Verkauf und Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum untersagt. Ein historisches Novum.

Die Hand des Polizeichefs «zittert nicht»

«Meine Hand wird nicht zittern, wenn es an der Zeit ist, zu entscheiden», erklärte Polizeichef Patrice Faure zu Beginn der Hitzewelle. Gestern griff er mit harter Hand durch – und versuchte gleich wieder zu besänftigen: «Ärzte raten derzeit ohnehin von Alkoholkonsum ab.»

Person in Uniform mit verziertem Hut und Brille.
Legende: «Alkohol in direktem Sonnenlicht hat verheerende Auswirkungen», findet Patrice Faure. Mit dem Pariser Polizeichef möchte definitiv niemand an den Ballermann fliegen ... Keystone/EPA/AFP/Ludovic Marin

Die Massnahme hat jedoch einen ernsten Hintergrund: Die Spitäler im Grossraum Paris seien wegen der Hitzewelle voll ausgelastet, sagte Faure dem TV-Sender TF1. «Und unsere Feuerwehrleute und Sanitäter müssen ausrücken, obwohl andere Bevölkerungsgruppen ihre Hilfe benötigen.»

«Selbstverständlich» werde aber niemand in Gewahrsam genommen. Beim Wildtrinken droht eine Geldbusse – und kalter Entzug. Es sei denn, man setzt sich ins Bistro nebenan. Von dem Verbot ausgenommen sind nämlich Restaurants und Bars. Alles andere hätte (womöglich) die nächste Französische Revolution eingeläutet.

Unsere Korrespondentin berichtet – von der Hitze

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Person mit langen Haaren in weissem Hemd vor unscharfem Hintergrund.
Legende: Zoe Geissler SRF

Zoe Geissler, SRF-Korrespondentin in Paris: «Paris ist extrem dicht bebaut und während Hitzewellen fühlt sich die Stadt deshalb schnell wie eine kostenlose Sauna an. Doch leider hilft auch Humor nicht gegen die Hitze. Mit ihr einher geht die Frage, wie und wo man sich am besten abkühlt. Tipps gibt es von den Behörden, in unzähligen Artikeln oder auf einer interaktiven Karte der Stadt Paris mit kühlen Orten.

Die Pariserinnen und Pariser werden angesichts der Hitze kreativ: Farbige Fächer, kleine Wassersprühflaschen und brummende Mini-Ventilatoren gehören mittlerweile fast schon zum Stadtbild. In der Metro – längst nicht alle sind klimatisiert – helfen sie nicht gegen den Schweissgeruch des Sitznachbarn, machen aber eine halbstündige Fahrt etwas erträglicher. In den Wohnungen bleiben die Fensterläden unten, die Fenster werden nur noch in der Nacht geöffnet. Und trotzdem, auch nachts bleibt es mittlerweile in den eigenen vier Wänden einfach: heiss! Wer für zu Hause darum noch einen Ventilator kaufen möchte, kommt in vielen Läden bereits zu spät.

Manche geniessen einen Film im klimatisierten Kinosaal oder suchen ein kühles öffentliches Gebäude auf. Andere springen bis spätabends in den frühzeitig eröffneten Canal Saint-Martin, wieder andere gehen in die Parks, die wegen der Hitzewelle die ganze Nacht geöffnet bleiben. Diejenigen, die unter einem typischen Pariser Zinkdach wohnen, dürften sich sogar überlegen, auf einer Parkbank die Nacht zu verbringen. Auf diesen Dächern könne man Spiegeleier braten, wird bereits in den sozialen Medien gewitzelt.»

Die freiheitsliebenden (und trinkfesten) Franzosen sollen also auf ihren Apéro am Ufer der Seine oder das Glas Weisswein beim Picknick verzichten.

Dass die Behörden durchgreifen, wenn es um die Gesundheit geht, ist nicht neu: So galt in Paris zu Beginn der Pandemie einer der härtesten Lockdowns Europas.

Eine Person überquert eine leere Strasse zwischen historischen Gebäuden.
Legende: Monatelang durften die Pariserinnen und Pariser ihre Wohnung nur mit Passierschein verlassen. Der Grund für den «Freigang» musste triftig sein: Arbeit, Arztbesuch oder der Einkauf des Allernötigsten. Keystone/EPA/Christophe Petit Tesson

Mit den Einschränkungen von damals ist das «Alkoholverbot light» kaum vergleichbar. Und doch stellt sich die Frage der Verhältnismässigkeit. «Darf ein Polizeipräfekt im Alleingang so eine tief verwurzelte Freiheit ausser Kraft setzen?», schreibt etwa das Online-Magazin Politique Matin.

Diese Massnahmen ergreift Paris gegen die Hitze

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Menschen stehen in einem Nebelkreis unter der Metallstruktur eines grossen Turms.
Legende: Sprühdusche vor dem Eiffelturm: In Paris wird einiges getan, um die Hitze erträglicher zu machen. Und das ist bitternötig. Keystone/AP/Michel Euler

Dass viele Parks rund um die Uhr geöffnet sind, gehört zu den kurzfristigen Massnahmen der Stadt. Auch blieben Schulen geschlossen und wurden mit Ventilatoren beliefert, Veranstaltungen abgesagt oder eben ein vorübergehendes Alkoholverbot im öffentlichen Raum verhängt.

Gleichzeitig versucht Paris, sich langfristig an die häufiger auftretenden Hitzewellen anzupassen. Seit Jahren verfolgt die Stadt eine umfassende Strategie. Stichwort: ökologische Stadtplanung. Zu den Massnahmen gehören etwa mehr Grünflächen und Bäume, mehr Velowege, weniger Parkplätze und Autoverkehr oder eine bessere Isolation von Gebäuden. Trotzdem: Der Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire sagte der Zeitung «Le Monde», dass noch nicht genug getan wurde, um solche Hitzewellen zu bewältigen. Viele Gebäude müssten saniert werden – etwa Schulen.

Das alles ist kosten- und zeitintensiv. Bleibt zu hoffen, dass es bald kühler wird. Das scheint schon nächste Woche der Fall zu sein. (Zoe Geissler)

Während Rechtsphilosophen brüten, gab die Partymeute schon am Fête de la Musique vom Samstag ihre Antwort. Denn schon da waren Alkoholkonsum und -verkauf im öffentlichen Raum verboten. Manche betrachteten es eher als Empfehlung.

Oder, wie es Georges Courteline ausdrücken würde: «Sei Ratschlägen gegenüber misstrauisch, aber folge den guten Beispielen.» Na dann, santé! Auch wenn man es bei diesen Temperaturen vielleicht eher beim Wasser belassen sollte.

SRF 4 News, 26.6.2026, 6:40 Uhr; herb

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