L'alcool tue lentement. On s'en fout. On n'est pas pressés.
«Der Alkohol tötet langsam. Das ist uns egal. Wir haben es nicht eilig», wusste schon der französische Romancier Georges Courteline. Was er damals wohl noch nicht wusste: Bei Temperaturen um die 40 Grad kann Alkohol auch kurzfristig böse Folgen haben.
Alarmstufe blau
Eine weniger (dunkel-)romantische Lebenseinstellung pflegt man in der Pariser Polizeipräfektur: Sie hat ein vorübergehendes Alkoholverbot im öffentlichen Raum erlassen. Denn Paris erlebt derzeit eine brutale Hitzewelle.
Am Donnerstag kletterte das Thermometer auf über 41 Grad. Erst am Sonntag ist Linderung zu erwarten: Dann könnte es wieder unter 30 Grad werden. Durchatmen. Und weiterschwitzen.
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Bild 1 von 2. Aua … auf Frankreich könnte man derzeit ein Spiegelei braten (schmecken würde es natürlich «absolument délicieux»). Gerade in Paris ist es glutheiss – in den Wohnungen kühlt es nachts kaum noch ab. Bildquelle: www.meteofrance.fr (Screenshot).
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Bild 2 von 2. Paris-Reisende dürfen beruhigt sein: Bei extremer Sommerhitze kann sich der Eiffelturm zwar um bis zu 15 Zentimeter ausdehnen. Schmelzen würde er aber erst bei Temperaturen über 1500 Grad. Bildquelle: Reuters/Sarah Meyssonnier.
Météo France rief Alarmstufe rot aus. Die Pariser Polizeipräfektur reagierte ihrerseits: Von heute Freitag bis Sonntagmorgen ist der Verkauf und Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum untersagt. Ein historisches Novum.
Die Hand des Polizeichefs «zittert nicht»
«Meine Hand wird nicht zittern, wenn es an der Zeit ist, zu entscheiden», erklärte Polizeichef Patrice Faure zu Beginn der Hitzewelle. Gestern griff er mit harter Hand durch – und versuchte gleich wieder zu besänftigen: «Ärzte raten derzeit ohnehin von Alkoholkonsum ab.»
Die Massnahme hat jedoch einen ernsten Hintergrund: Die Spitäler im Grossraum Paris seien wegen der Hitzewelle voll ausgelastet, sagte Faure dem TV-Sender TF1. «Und unsere Feuerwehrleute und Sanitäter müssen ausrücken, obwohl andere Bevölkerungsgruppen ihre Hilfe benötigen.»
«Selbstverständlich» werde aber niemand in Gewahrsam genommen. Beim Wildtrinken droht eine Geldbusse – und kalter Entzug. Es sei denn, man setzt sich ins Bistro nebenan. Von dem Verbot ausgenommen sind nämlich Restaurants und Bars. Alles andere hätte (womöglich) die nächste Französische Revolution eingeläutet.
Die freiheitsliebenden (und trinkfesten) Franzosen sollen also auf ihren Apéro am Ufer der Seine oder das Glas Weisswein beim Picknick verzichten.
Dass die Behörden durchgreifen, wenn es um die Gesundheit geht, ist nicht neu: So galt in Paris zu Beginn der Pandemie einer der härtesten Lockdowns Europas.
Mit den Einschränkungen von damals ist das «Alkoholverbot light» kaum vergleichbar. Und doch stellt sich die Frage der Verhältnismässigkeit. «Darf ein Polizeipräfekt im Alleingang so eine tief verwurzelte Freiheit ausser Kraft setzen?», schreibt etwa das Online-Magazin Politique Matin.
Während Rechtsphilosophen brüten, gab die Partymeute schon am Fête de la Musique vom Samstag ihre Antwort. Denn schon da waren Alkoholkonsum und -verkauf im öffentlichen Raum verboten. Manche betrachteten es eher als Empfehlung.
Oder, wie es Georges Courteline ausdrücken würde: «Sei Ratschlägen gegenüber misstrauisch, aber folge den guten Beispielen.» Na dann, santé! Auch wenn man es bei diesen Temperaturen vielleicht eher beim Wasser belassen sollte.