Die Basler Unternehmerin und Kunstsammlerin Esther Grether ist am 27. August im Alter von 89 Jahren in ihrem Basler Zuhause für immer eingeschlafen, wie ihre Familie mitteilt.
Grether gehörte zu den ersten Frauen in der Riege der Schweizer Wirtschaftselite. Nach dem Tod ihres Mannes 1975 stand sie über 40 Jahre lang an der Spitze des Basler Familienunternehmens Doetsch Grether – unter anderem gross geworden mit Produkten wie Grether's Pastilles oder der 2016 veräusserten Körperpflegemarke Fenjal.
Von der Sekretärin zur Milliardärin
Geboren 1936 in Basel als Esther Kast, wuchs sie in einfachen Verhältnissen auf. Ihre berufliche Laufbahn begann sie als Sekretärin bei Doetsch Grether, wo sie ihren späteren Ehemann – Firmenpatron Hans Grether – kennenlernte. Nach dessen Tod 1975 trat sie in die Geschäftsleitung ein und übernahm als Delegierte des Verwaltungsrats die Führung des Unternehmens. Dies zu einer Zeit, in der Frauen in Führungspositionen in der Schweizer Wirtschaft noch eine Ausnahmeerscheinung darstellten.
Darüber hinaus wurde Grether zu einer der bedeutendsten Aktionärinnen der Swatch Group. Ihr frühes Investment in den Bieler Uhrenkonzern war für dessen späteren Aufstieg von entscheidender Bedeutung.
Bis zum Jahr 2014 sass Grether im Verwaltungsrat der Swatch Group ein. Im selben Jahr begann sie auch, sich schrittweise aus der Leitung des familieneigenen Gesundheitsunternehmens zurückzuziehen. Grether verblieb zeitlebens Eigentümerin von Doetsch Grether wie auch zweitgrösste Anteilseignerin von Swatch. Ihr Vermögen wurde zuletzt auf rund 1.8 Milliarden Schweizer Franken geschätzt.
Sammlerin von Weltrang
Neben ihrer Rolle als Unternehmerin machte sich Grether als Kunstsammlerin einen Namen. Ihr Nachlass umfasst rund 600 Kunstwerke aus dem 20. Jahrhundert.
Die Privatsammlung zählt zu den international bedeutendsten ihrer Art. Darunter finden sich Arbeiten von Picasso, Cézanne, Dalí, Francis Bacon und Louise Bourgeois. Werke aus ihrem Besitz waren wiederholt in Museen zu sehen, zuletzt 2019 im Kunstmuseum Basel.
Seltene private Einblicke
Esther Grether hielt sich in den letzten Jahren vollständig aus der Öffentlichkeit heraus. Einblicke in ihr Privatleben gab es ausschliesslich in Zusammenhang mit ihrer Kunst. Ihre privaten Gemächer in Basel dienten der Sammlerin sowohl als Wohnraum als auch als private Kunstgalerie.
-
Bild 1 von 7. Richard Hamiltons «Five Tyres» (1971) und Bacons «Study for the Human Body – Turning on the Light» (1973-74). Bildquelle: Instagram / art_collectors_at_home.
-
Bild 2 von 7. Jean-Michel Basquiats «Zwei Köpfe» (1983) und «Spaziergang» (1982). Bildquelle: Instagram / art_collectors_at_home.
-
Bild 3 von 7. Kunst in Esther Grethers Küche in ihrem Basler Wohnhaus. Bildquelle: Instagram / charlesgmagne.
-
Bild 4 von 7. Francis Bacons «Posthumes Porträt von George Dyer; Selbstporträt; Porträt von Lucian Freud» (1973) und Robert Rauschenbergs «Drawing Room 4 (Japanese Recreational Clayworks)» (1983). Bildquelle: Instagram / art_collectors_at_home.
-
Bild 5 von 7. Bacons «Studien über den menschlichen Körper» (1970). Bildquelle: Instagram / art_collectors_at_home.
-
Bild 6 von 7. Rothkos «Nr. 8» (1952) und Daniel Strubis Skulptur «Sigma 1» (2012). Bildquelle: Instagram / art_collectors_at_home.
-
Bild 7 von 7. Alberto Giacomettis «Three Men Walking» (1948) und Mark Rothkos «Untitled (Blue, Dark Blue, Yellow)» (1950). Bildquelle: Instagram / art_collectors_at_home.
Jenseits von weltlichen Gütern bleibt ihr Vermächtnis aber vor allem zweifach: als Pionierin in der Schweizer Wirtschaft und als eine der bedeutendsten Kunstmäzeninnen ihrer Zeit.