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Eringer-Kuhkämpfe Kuhkämpfe im Wallis: Tradition oder unmoralisches Spektakel?

Im Wallis locken sie tausende Zuschauer an: die Eringer-Kuhkämpfe. Seit knapp 100 Jahren sind sie ein Festspiel im Kanton. Doch es gibt auch kritische Stimmen, die diese Kämpfe verurteilen.

Es ist ein kleines Volksfest: rund 3000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgen in Grächen das Spektakel, wie sich die über 600 Kilogramm schweren Kühe die Stirn bieten. Die Kämpfe schwanken zwischen langen Drohgebärden und wilden Attacken. Bei solchen Angriffen stossen sich die Kühe mit Getöse durch die Arena, während die Besitzer am Seitenrand mitfiebern. 

Einer dieser Besitzer ist Carlo Jäger. Zwei Kühe und ein Rind führt er zum Kampf. Jäger sagt, die Kampfeslust gehöre zum normalen Verhalten der Tiere. «Sie treten natürlich auf und dienen dazu, die Rangordnung innerhalb der Herde auszumachen.» Wenn eine Kuh nicht kämpfen wolle, dann kämpfe sie auch nicht, erklärt der 28-Jährige. Man könne die Kühe zu nichts zwingen.

Carlo mit seiner Kuh
Legende: Die Besitzer führen die Kühe in den Ring – danach suchen sich die Tiere selbst ihre Gegnerinnen aus. SRF

Kritik an den Kämpfen kann er nicht nachvollziehen, denn die Tiere würden dabei nur ihrem Instinkt folgen. Zudem hätten die Eringer auch ihre Existenz den Kämpfen zu verdanken: «Die Eringer Rasse ist wirtschaftlich nicht sehr interessant – da gäbe es fraglos bessere Alternativen. Die Tiere gibt es wahrscheinlich nur dank dieser traditionellen Kämpfe.»

Mitten im Geschehen

Im Kampf-Ring zwischen den Tieren springt Angelo Seematter umher. Als sogenannter «Rabatteur» achtet er auf Recht und Ordnung in der Arena. «Ich schaue, dass nicht mehrere Kühe aufeinander losgehen oder sich die Kühe nicht ineinander verkeilen», erklärt Seematter.

Kampf-Regeln

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Die Kühe werden gleichzeitig in den Ring geführt und können sich ihre Gegnerin selbst aussuchen. In der Regel scheiden Tiere aus, welche drei Kämpfe verloren haben. Verweigert ein Tier den Kampf, gilt dieser auch als verloren. Die sich im Ring befindlichen Rabatteure haben die Aufgabe, die Eringerkühe gemäss Anordnung der Jury zusammenzuführen. Sie verhindern aber auch, dass kämpfende Tiere durch Artgenossinnen gestört werden. Diejenige Eringerkuh, die in ihrer Kategorie alle Konkurrentinnen besiegt, geht als Siegerin hervor.


Quelle: Eringerrasse Tour

Auch wenn es spektakulär aussähe, habe er sich dabei noch nie verletzt – auch bei den Tieren gäbe es nur selten ernsthafte Zwischenfälle. «Im Unterschied zu anderen bekannten Tierkämpfen geht es hier nicht um Leben und Tod, jede Kuh kann dem Kampf auch ausweichen.»

Wird die Tierwürde verletzt?

Sara Furrer ist auf dem Gelände für das Tierwohl zuständig. Die Veterinärin checkt vor den Kämpfen die Gesundheit aller Tiere und macht dabei Stichproben zur Herkunft. Ihrer Meinung nach ist es ein gesunder Stress für die Kühe, diese hätten am folgenden Tag allenfalls leichte Kopfschmerzen, aber ansonsten nichts. Grössere Verletzungen seien sehr selten, am häufigsten gäbe es noch Schnitt-Verletzungen von Hörnern.  

Zwei Kühe stehen sich gegenüber.
Legende: Scharren und Imponieren: Vor dem eigentlichen Kampf stehen sich die Kühe oft lange unberührt gegenüber. SRF

Diametral anders sieht dies Andreas Rüttimann. Der Tierschützer der Organisation «Tier im Recht» kritisiert, dass das natürliche Verhalten der Kühe für das Spektakel der Menschen ausgenutzt würde. Das Vergnügen der Menschen stehe im Vordergrund, anstelle dessen, was dem Tier guttäte. Denn die Kühe würden diese Kämpfe nicht zum Spass austragen, weshalb dieses künstliche Setting einen unnötigen Stress für sie bedeute.

Der Tierschützer ist jedoch auch der Meinung, dass dies nicht das drängendste Tierschutz-Problem ist – dennoch sollten sich seiner Meinung nach die Besitzer die wilden Kämpfe hinterfragen. «Bei der Tierwürde geht es auch darum, althergebrachte Tradition kritisch zu würdigen.»

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