Schon die ersten Schritte auf dem Eis seien für ihn besonders. «Dieses Geräusch, wenn die Kufe über das Eis geht – das ist jedes Mal einzigartig», sagt Lukas Britschgi. Genauso wie das Gefühl, wenn die Kufe über die Oberfläche gleitet und durch die Reibung ein feiner Film entsteht. Dann fühle es sich an, als würde man über das Eis fliegen.
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Bild 1 von 6. Ein Sprung im Training: Im heutigen Eiskunstlaufen entscheiden Sprünge über den sportlichen Erfolg. Lukas Britschgi arbeitete mehrere Jahre daran, diese Elemente zu stabilisieren – ohne frühen Durchbruch, aber mit Ausdauer. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 6. Europameisterschaften 2025 in Tallinn: Lukas Britschgi auf dem Podest nach dem Gewinn der Goldmedaille. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 6. Pirouetten verlangen Kontrolle, Kraft und Präzision. Für Britschgi ist Eiskunstlaufen nicht nur Technik, sondern auch Konzentrationsarbeit – vieles entscheidet sich im Kopf. Bildquelle: SRF.
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Bild 4 von 6. Die Anfänge in Frauenfeld: Lukas Britschgi als Kind mit seinem ersten Trainer Alexei Pospelov. Schon früh stand weniger der Erfolg als die Freude am Eiskunstlaufen im Vordergrund. Bildquelle: SRF.
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Bild 5 von 6. Lukas Britschgi als prominenter Gast bei der SRF-Sendung «Samschtig-Jass» mit Moderator Sven Epiney. Der Europameister stellte sich der Jassrunde und zeigte sich auch ausserhalb des Eises in Unterhaltungskontexten. Bildquelle: SRF.
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Bild 6 von 6. Ausdruck und Athletik: Eine charakteristische Pose aus Britschgis Repertoire. Für ihn verbindet Eiskunstlaufen sportliche Anforderungen mit künstlerischem Ausdruck. Bildquelle: SRF.
Von Beginn an stand für ihn nicht das Gewinnen im Zentrum. «Für mich ging es immer darum, weiter zu trainieren und weiter zu üben», sagt Britschgi. Eiskunstlauf beschreibt er als Zusammenspiel von Bewegung, Musik und Ausdruck – als einen Ort, an dem sich Gefühle über den Körper auf dem Eis verarbeiten lassen.
Ein später Durchbruch
Der Weg nach oben verlief nicht über frühe Erfolge. Beim Eiskunstlaufen spielt das Springen eine zentrale Rolle, doch Britschgi schaffte seine ersten dreifachen Sprünge erst mit 15 Jahren. Für den Doppel-Axel arbeitete er mehrere Jahre. Immer wieder gab es Phasen, in denen ihm das Training schwerfiel. Trotzdem blieb er dran – als persönliche Herausforderung, sich selbst etwas zu beweisen.
Er kam nicht über Vorschusslorbeeren, sondern über kontinuierliche Arbeit voran. Konzentration, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit, Dinge auf den Punkt zu bringen, zeichnen ihn aus. Sein Ziel war stets, weiter zu trainieren und weiter zu üben – nicht, Titel zu sammeln.
Der Gewinn des Europameistertitels 2025 markierte einen Höhepunkt dieser Entwicklung. Nach dem Gewinn des Europameistertitels 2025 folgte ein Rückschlag: Beim Training im Rahmen von «Art on Ice» stürzte Britschgi. Beim letzten Versuch, wie er selbst sagt, habe er sich «wortwörtlich die Kufe in den Arsch gebohrt». Der Unfall verhinderte einen geplanten Auftritt vor Heimpublikum – und fiel in eine Phase, in der der Fokus bereits auf die Weltmeisterschaften in Boston gerichtet war, wo die Olympia-Qualifikation auf dem Spiel stand.
Es ist ein Sport, der sich zu 80 Prozent im Kopf abspielt.
Eiskunstlaufen ist für ihn nicht nur Technik, sondern auch mentale Arbeit. «Es ist ein Sport, der sich zu 80 Prozent im Kopf abspielt», sagt Lukas Britschgi. Schon kleine Unsicherheiten könnten den Unterschied ausmachen. Hinzu kommt die körperliche Belastung: Leistungssport sei nie gesund. Britschgi spricht von Phasen mit anhaltenden Knieschmerzen, die ihn auch im Alltag begleiteten.
Olympia im Blick
Nach dem Gewinn des Europameistertitels 2025 folgten eine durchzogene Saison und die Europameisterschaften 2026 im Januar, bei denen Lukas Britschgi den Titel nicht verteidigen konnte. Entscheidend wurde jedoch die Weltmeisterschaft in Boston: Dort gelang ihm nach einer Operation und kurzer Aufbauzeit die Qualifikation für Olympia 2026.
Der Weg zu Olympia in Mailand/Cortina knüpft für Lukas Britschgi genau dort an, wo sein Werdegang seinen Ursprung hatte: Geduld, konsequente Arbeit und die Fähigkeit, im entscheidenden Moment bei sich zu bleiben – auf dem Eis wie im Kopf.