Als 14-Jährige ergattert sie eine Filmhauptrolle. Mit 17 zieht sie aus und beginnt beim «Blick» als Journalistin. 19-jährig folgt mit Partner Jo Dietrich eine Firmengründung. Mit 20 kommt das erste Kind. Yaël Meier fährt schon lange auf der Überholspur. Ohne Karriereplan. Und vor allem: ohne Erstausbildung.
Meine pure Existenz polarisiert.
Heute führt Meier mit ihrem Lebens- und Geschäftspartner ein Unternehmen, das Millionen umsetzt. Sie hat ein Bestseller-Buch geschrieben und zählt zu den bekanntesten Jungunternehmerinnen des Landes. Allein auf Linkedin folgen der 26-Jährigen knapp 180'000 Menschen.
Einfach privilegiert?
Yaël Meier ist nicht zurückhaltend, wenn es darum geht, die eigenen Erfolge zu zeigen. Das kann triggern. «Ich glaube, meine pure Existenz polarisiert», sagt sie immer wieder. «Weil die Leute sich mich nicht vorstellen können. Vielleicht auch, weil es jemanden wie mich in der Wirtschaft noch nicht gegeben hat, die sehr öffentlich ist.»
Meier polarisiert – mit Beiträgen auf Social Media, in denen sie gerne wiederholt, dass sie mit Mitte 20 ein Millionenunternehmen führe, gleichzeitig Vorträge im In- und Ausland gebe und drei Kinder erziehe. Immer wieder kommen Vorwürfe vom reichen Elternhaus und einer privilegierten Situation.
Das reiche Elternhaus lässt sie nicht gelten. Eine privilegierte Situation habe sie insofern, als sie in der Schweiz geboren sei und ein sehr unterstützendes, liebendes Elternhaus habe.
Stets selbstbewusst zeigt sich Yaël Meier auf Social Media
Bei aller Kritik – der Erfolg gibt Yaël Meier recht. Selbst wenn sie eine günstige Ausgangslage hatte, sie musste sie auch nutzen. Mit Glück allein ist ihr Erfolg nicht zu erklären.
Die Beratungsagentur «ZEAM», die von Meier und Dietrich gegründet wurde, beschäftigt mittlerweile 40 Mitarbeitende. Durchschnittsalter: 23. Sie bearbeiten Aufträge unter anderem für das BAG, grosse Automarken oder Detailhändler.
Die Schweizer Traditionsfirma «SIGG», bekannt für ihre Trinkflaschen, zählt seit Neuestem ebenfalls zu den Kunden. Das Unternehmen will eine jüngere Kundschaft erreichen.
Rollenbilder aufbrechen
Meier begrüsst die Kunden, beteiligt sich am Meeting und stillt nebenbei ihren dritten Sohn. Ihre Rollen fliessen ineinander, sie selbst ist die Ruhe in Person. Vielleicht ist es auch das, was viele provoziert: Diese junge Frau scheint alles problemlos unter einen Hut zu kriegen. Und sagt einem noch, das könne man auch – ganz locker.
Sie könne nur schwer beeinflussen, was andere fühlen, wenn sie sie sehen. Auf die Frage, ob sie aber nicht doch damit kokettiere, dass man alles könne, meint sie nach kurzem Nachdenken: «Ich glaube, wir müssen gesellschaftlich etwas aufbrechen.»
Zum Beispiel, wenn es darum geht, dass Frauen und Mütter auch Karriere machen können. «Um gesellschaftlich etwas zu verändern, muss man gesellschaftlich gefestigte Rollenbilder, die wir alle kennen, aufbrechen. Das macht man nur durch starke Vorbilder.»
Glückskind und Macherin
Weniger rechtfertigen muss sich hingegen Meiers Mann, Jo Dietrich, Jahrgang 1997. Die beiden teilen sich sämtliche Aufgaben 50:50 auf – seit jeher. «Ich bin ein Mann. Ich habe studiert. Ich glaube, da eckt man weniger an und fällt weniger auf», meint dieser. Es sei völlig richtig, dass seine Partnerin mehr im Fokus stehe als er, sie habe schliesslich auch mehr kämpfen müssen.
Yaël Meier ist wohl ein Glückskind, aber auch eine Macherin. Sie ist unkonventionell laut und möchte damit Vorbild sein.