Was als Werbung gedacht war, entwickelte sich zum Internet-Hit: Die kurzen Promo-Videos zu «Mensch Läppli» gingen auf Social Media viral, einzelne Clips wurden über 200’000 Mal aufgerufen, kommentiert und geteilt.
Der HD-Soldat Läppli scheint auch im digitalen Zeitalter einen Nerv zu treffen. Darum geht es auch im Theaterstück «Mensch Läppli», das die Kultfigur dieses Jahr zurück auf die Bühne holt.
Läppli – die Stimme des kleinen Mannes
Der Hilfsdienstsoldat Theophil Läppli ist eine der bekanntesten Figuren der Schweizer Theater- und Filmgeschichte. Erfunden wurde er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von Alfred Rasser, inspiriert vom Roman «Der brave Soldat Schwejk».
In einer Zeit, in der Militär, Autoritäten und Hierarchien kaum hinterfragt wurden, stellte Läppli genau das infrage – mit Naivität und entwaffnender Ehrlichkeit. Er machte sich über Bürokratie, militärischen Starrsinn und Machtgehabe lustig, ohne dabei je zu bösartig zu sein. Damit wurde Läppli zur Stimme des kleinen Mannes und zu einem Stück nationalem Kulturgut.
Sein erstes Comeback
74 Jahre nach der Uraufführung kehrte HD Läppli 2019 auf die Bühne zurück. Im Basler Kleintheater Fauteuil spielte Gilles Tschudi die Kultfigur, begleitet von Caroline Rasser, der Enkelin von Alfred Rasser.
Ziel war es, das Werk bewusst in seiner Zeit zu belassen als lebendiges Stück Schweizer Kabarettgeschichte. Der Erfolg zeigte: Läpplis Humor funktioniert auch in diesem Jahrhundert.
Sein zweites Comeback
2024 folgte eine zweite Premiere desselben Stücks, fünf Jahre nach der ersten und nach der Pandemie. Wieder mit Gilles Tschudi in der Hauptrolle, wieder im Fauteuil und wieder mit grossem Publikumsinteresse.
HD Läppli bleibt ein nostalgischer Publikumsliebling, der Generationen verbindet und Erinnerungen wachruft. Sogar politische Prominenz liess sich die Premiere nicht entgehen: Mitte-Bundesrätin Viola Amherd outete sich als Läppli-Fan.
Kritik an der Modernisierung
Davon unabhängig zeigte bereits letztes Jahr ein neues Ensemble «Mensch Läppli» eine Woche lang probehalber dem Basler Publikum. Viele Kritiker waren vom Stück damals nicht begeistert. Zu wenig Inhalt, zu viele Klischees und unbeantwortete Fragen, lautete das Fazit.
Caroline Rasser, die für die vergangenen Bühnenproduktionen mit HD-Läppli in Basel verantwortlich war, hat ihrer Tante Sabina Rasser zwar eine Lizenz für das neue Stück erteilt, sagte aber letztes Jahr gegenüber der Basler Zeitung: «Wir sind von Sabina Rasser über das Projekt informiert, möchten kein Teil davon sein, legen diesem aber auch keine Steine in den Weg.»
Kultfigur mit Zukunft?
Das Stück sei mittlerweile nochmals überarbeitet worden, sagen die Verantwortlichen. Unbestritten bleibt: Läppli ist und bleibt Kult. Der aktuelle Versuch zeigt, wie anspruchsvoll es ist, ikonische Figuren weiterzuentwickeln, ohne ihren Kern zu verlieren.
Am 17. Februar 2026 feiert das Stück Schweizer Premiere im Casinotheater Winterthur, danach folgt eine Tournee durch rund 25 Orte in der Deutschschweiz.