Mit Schlägen ins Gesicht oder Training der Kiefermuskulatur zum maskulinen Gesicht: Unter dem Schlagwort «Looksmaxxing» verbreiten sich in den sozialen Medien Methoden, mit denen junge Männer ihr Aussehen optimieren sollen.
Nicht alle sind problematisch: Hautpflege, Sport und eine ausgewogene Ernährung können das Wohlbefinden stärken. Andere Praktiken sind riskant: Beim sogenannten Bone Smashing schlagen sich Männer etwa mit harten Gegenständen ins Gesicht, um durch kleine Knochenbrüche ihren Kiefer markanter zu formen. Wissenschaftlich ist dieser Effekt nicht belegt.
Die Motivation zum Looksmaxxing liegt oft weniger im Wunsch nach schnöder Attraktivität als vielmehr in der Idealisierung eines traditionellen Männerbilds. Ein kantiger Kiefer und ein trainierter Körper sollen Stärke, Leistungsfähigkeit und Dominanz ausstrahlen.
Die Botschaft: Nur wer sich formt, hat im Berufs- und Beziehungsleben Chancen. Wer sich nicht optimiert, verliert.
Verwurzelt in der «Manosphere»
Der Trend ist eng mit der sogenannten Manosphere verbunden. Damit sind Onlineforen und Influencer gemeint, die sich mit Männlichkeit, Partnersuche und Geschlechterrollen beschäftigen. In Teilen dieser Szene gelten männliche Dominanz in Partnerschaften, beinharte Disziplin und optische Attraktivität als Kennzeichen eines richtigen Mannes.
Laut Männerpsychologe Markus Theunert brauchten junge Männer vielfältigere Vorstellungen davon, was einen Mann ausmacht. Es müsse selbstverständlich sein, dass Jungen «verletzlich sind, traurig sind, manchmal auch hilflos oder ohnmächtig».
Denn der Gegenentwurf zum Looksmaxxing besteht keineswegs darin, jede Beschäftigung mit dem Aussehen abzulehnen – im Gegenteil, dies sei für Theunert grundsätzlich sogar zu begrüssen.
Entscheidend sei aber das Bewusstsein darüber, dass nicht nur ein einziger Lebensentwurf und ein einziges Idealbild zum persönlichen Glück führen kann. Gerade jungen Menschen fehlt oft die Erfahrung, sich diesem Trugschluss zu entziehen.