Shaun White mischt die Snowboardwelt mit der «Snow League» auf. Die Alternative zum FIS Weltcup freut die Szene: Bei Whites Wettkämpfen verdienen die Fahrerinnen und Fahrer mehr und können erst noch mitbestimmen. Ganz im Geist der frühen Tage des Freestyle. Das Finale läuft noch bis Samstag in Laax.
SRF News: Warum braucht die Welt eine neue Serie von Halfpipe-Wettkämpfen?
Shaun White: Ich bin seit über 20 Jahren dabei und kenne die Besonderheiten und Schwierigkeiten des Sportlerdaseins bestens. Ich habe das Gefühl, ich kann die Athletinnen und Athleten wirklich vertreten.
Snowboarderinnen und Snowboarder sagen, sie könnten bei der Gestaltung der Wettkämpfe mitbestimmen?
Ja, es ist wichtig, Feedback von den Aktiven zu bekommen. Ich möchte nicht, dass die ältere Generation der jüngeren vorschreibt, was sie zu tun hat. Ich möchte, dass wir das gemeinsam aufbauen.
Ihr habt eine Preisgeldsumme von 2.2 Millionen Dollar – das ist bei Freestyle-Wettbewerben beispiellos. Woher kommt dieses Geld?
Wir haben Sponsoren, und wir haben Investoren, sehr grosse Geldgeber, die etwa American-Football-Teams besitzen. Sie investieren in traditionelle Sportarten und jetzt auch in unseren Sport. Wir hoffen, das Preisgeld weiter zu erhöhen und zu wachsen, bis zu dem Punkt, an dem ich das Gefühl habe, unser Sport hat denselben Stellenwert wie traditionelle Sportarten.
Wie wichtig ist der finanzielle Anreiz für die Athletinnen und Athleten?
Das ist ein wichtiger Teil. Ich erinnere mich, wie ich zu Wettkämpfen nach Neuseeland gereist bin, und obwohl ich gewonnen hatte oder Zweiter wurde, konnte ich nicht einmal die Reisekosten decken. Deshalb wollen wir die Snow League so gestalten, dass das Preisgeld die Athleten so unterstützen kann, dass sie einfach Snowboarder sein können und keinen Nebenjob machen müssen. Wir versuchen wirklich, ihre Situation zu verbessern.
Es soll nicht nur ein ernster Wettkampf sein
Ich hatte grosses Glück, dass ich in meiner Sportart an Wettkämpfen teilnehmen und mich auch ausserhalb des Sports weiterentwickeln konnte. Ich bekam lukrative Werbeverträge, die meinen Lebensstil und meine Karriere finanzierten. Die Athleten aus den unteren Ligen hingegen hatten grosse Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen. Das ist immer noch so.
In den Neunzigerjahren hatte das Snowboarden einen eigenen Verband, die ISF, der eine Wettkampftour veranstaltete. Mit den Olympischen Spielen 1998 übernahm der Skiverband FIS den Snowboard Weltcup. Geht es bei der Snow League auch darum, dass Wettkämpfe wieder von Freestylern für Freestyler organisiert werden?
Es geht darum, diesen Sportarten neues Leben einzuhauchen. Aber wir wollen mit der FIS zusammenarbeiten. Wir sprechen Termine ab, damit Snowboard-Wettkämpfe nicht zusammenfallen. Bei uns geht es nicht nur um den Halfpipe-Wettbewerb, sondern auch um die Kultur des Sports, die Musik, die Begeisterung, die Stimmung. Es soll nicht nur ein ernster Wettkampf sein. Snowboarden ist ein Sport, der schon immer Spass gemacht hat, und wir wollen diese Kultur von Spass und Aufregung nicht verlieren.
Die Geschichte des Freestyle Snowboardens:
Warum findet das Finale gerade in Laax statt?
Ich wollte eine internationale Tour. Wir sind in den USA, in Asien, und ich wollte unbedingt auch nach Europa. Und in Europa fällt einem als Erstes Laax ein. Die Halfpipe gilt als eine der besten der Welt. Viele trainieren hier seit Jahren. Und auch die Fans sind toll, die Leute kommen in Scharen. Ich glaube, wir werden eine tolles Publikum haben und grossartige Leistungen sehen. Und ganz egoistisch gesagt: Ich liebe es einfach hier.