Ein Aperitif hier, ein Gläschen dort: Das Anstossen auf Erreichtes oder Überstandenes gehört für viele Menschen ganz selbstverständlich dazu. Alkohol ist tief in unserem Alltag und in gesellschaftlichen Ritualen verankert. Doch der Konsum hat eine Schattenseite: Laut «Sucht Schweiz» weisen rund 16 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz einen problematischen Alkoholkonsum auf. Schätzungsweise 250'000 Menschen sind alkoholabhängig.
Um auf die Auswirkungen von Alkoholproblemen aufmerksam zu machen und Betroffenen mit mehr Verständnis zu begegnen, findet jeweils am 21. Mai der nationale Aktionstag statt. Dieses Jahr unter dem Motto «Verstehen statt Verurteilen». Ziel ist es, Vorurteile abzubauen, auf Unterstützungsangebote hinzuweisen und den gesellschaftlichen Umgang mit Suchterkrankungen zu sensibilisieren.
Zwei Flaschen Wein und eine Flasche Wodka
Das Thema Sucht prägte auch sein Leben und seine Arbeit: Zwei Flaschen Wein und eine Flasche Wodka hat Noah Di Bettschen einst täglich getrunken. Heute ist der 23-Jährige seit mehr als drei Jahren trocken. Di Bettschens Vater war stark heroinsüchtig, missbrauchte Alkohol und Medikamente und starb, als Noah fünf Jahre alt war. Die Tragweite dieser Vergangenheit zeigt sich heute in seiner Kunst.
Seit rund fünf Jahren lebt Di Bettschen von seiner Kunst. Immer wieder arbeitet er auch mit suchtkranken Menschen im In- und Ausland zusammen. Das Motto des heutigen Aktionstages von Sucht Schweiz «Verstehen statt Verurteilen» treffe den Nagel auf den Kopf. Di Bettschens Botschaft: «Wer bei sich selbst hinschaut, versteht andere besser.»
Mit diesem Motto setzt der Tag ein klares Zeichen gegen die Stigmatisierung von Menschen mit problematischem Alkoholkonsum oder einer Alkoholabhängigkeit. Stigmatisierung stelle für viele Betroffene und Angehörige nach wie vor eine grosse Hürde dar. Deshalb fördere der Aktionstag auch 2026 den öffentlichen Dialog und stärke die Sensibilisierungsarbeit weiter, schreibt Sucht Schweiz.
Kostenlose Stadtführungen zum Thema Alkohol
Am Donnerstag fanden in der ganzen Schweiz dezentrale, öffentlich zugängliche Aktionen statt.
Die Abteilung Sucht des Gesundheitsdepartements der Stadt Basel bietet zum Beispiel kostenlos Stadtführungen an: «Verstehen statt Verurteilen – auf den Spuren der Basler Trinkkultur» mit dem bekannten Basler Stadtführer «Grabmacherjoggi» und einem Suchtberater.