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Raus aus der «Baller-Ecke» Schweizer Paintball-Szene kämpft um Anerkennung als Sport

Zwischen Vorurteilen und Vereinsleben: Der Paintball-Sport kämpft in der Schweiz um Anerkennung. Ein Blick in die Szene.

Schutzmaske, Schüsse, Deckungsspiel: Wer zum ersten Mal mit Bildern aus Paintball-Arenen konfrontiert ist, denkt schnell an Militär und Krieg. Im Turniersport sieht das Spielfeld aber anders aus als bei den populären Paintball-Freizeitangeboten.

Gespielt wird nicht zwischen Panzern und Helikopter-Wracks und auch nicht in Tarnkleidung, sondern auf rechteckigen Feldern mit farbigen Stoff-Hindernissen. «Es ist eben nicht Krieg. Es ist ein Sport, ein Mannschaftssport, ein taktischer Sport, ein Teamsport», betont Spieler Severin Rüedi am Trainingstag des Paintball-Verbands Swiss in Grenchen kurz vor Saisonstart.

Was Paintball ist und wie ein Spiel abläuft

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Paintball ist ein Mannschaftssport mit Druckluft-Markierern und farbgefüllten Kugeln. Gespielt wird auf rechteckigen Feldern mit aufgeblasenen Hindernissen. Meist spielen jeweils 3er- oder 5er-Teams gegeneinander.

In der meistgespielten Variante ist das Ziel, die gegnerische Grundlinie zu erreichen und einen Buzzer zu drücken, ohne vorher durch ein Paintball-Geschoss des Gegners mit Farbe markiert zu werden.

Moderne Paintballs gelten in der Regel als biologisch abbaubar und ungiftig. Sie bestehen aus einer Gelatinehülle und einer Füllung aus Lebensmittelfarbe und Kartoffelstärke oder Pflanzenöl.

Die Szene grenzt sich vom Freizeit-Paintball ab. «Das, was man in der Schweiz kennt, ist ‹Fun und Action›», sagt Markus Oberli, Präsident des Verbands. «Und da kann man natürlich sagen, es sei einfach ‹Ballern›. Die machen ja auch Werbung damit.»

Im organisierten Sport gehe es hingegen um Schnelligkeit, Agilität und Taktik. Paintballer Manfred Kleist schätzt dabei die Inklusivität: «Ein paar von uns sind vom Körperbau her mässig sportlich und können trotzdem mitmachen und Spass haben. Das finde ich gut.»

Kleine Szene, geteilte Szene

Die Szene in der Schweiz ist klein, aber organisiert. Es gibt zwei nationale Verbände mit eigenen Ligen: die Swiss Paintball Federation und den jüngeren Paintball-Verband Swiss. Die Trennung entstand aufgrund von Unstimmigkeiten in der Entwicklung und Professionalisierung des Sports in der Schweiz.

Vereinte Kräfte würden der Szene jedoch gut tun, denn die hiesige Infrastruktur ist knapp. «Hier in der Schweiz gibt es nur zwei richtige Paintball-Felder», sagt Oberli. Bespielt werden diese von aktuell etwas über 30 Schweizer Vereinen.

Bei uns spielt niemand, der unsere Regeln nicht kennt oder nicht respektiert.
Autor: Markus Oberli Präsident Paintball Verband Swiss

Zum organisierten Sport gehören klare Sicherheitsregeln. Auf dem Feld gilt Maskenpflicht. Ausserhalb des Netzes muss die sogenannte Laufsocke am Lauf sein – also der Schutz vorne am Markierer, damit sich kein Schuss lösen kann. Wer dagegen verstösst, wird verwarnt – bei Wiederholung droht die Sperre für den Tag oder länger.

Mann in schwarzer Kleidung und Mütze wird von SRF interviewt, mit landschaftlichem Hintergrund.
Legende: «Bei uns spielt niemand, der unsere Regeln nicht kennt oder nicht respektiert», sagt Markus Oberli, Präsident Paintball Verband Swiss. Paintball-Markierer gelten in der Schweiz rechtlich als meldepflichtige Waffen. SRF

Vorstandsmitglied Livio Meyer verweist zudem auf eine Schiedsrichterausbildung mit Bescheinigung, die der Verband eingeführt hat. Laut Meyer sind ernsthafte Verletzungen selten; wenn etwas passiere, dann eher ein verdrehtes Knie oder ein verstauchtes Handgelenk nach einem Sturz.

Hier sieht man keinen, der jemanden beschimpft oder niedermacht.
Autor: Sue Walter Vorstandsmitglied Paintball Verband Swiss

Wer durch einen Vereinseintritt oder der Teilnahme an einem Paintball-Grümpelturnier mit der Szene in Berührung kommt, spricht am Trainingstag in Grenchen oft von Gemeinschaft.

Sue Walter hat durch ihre Kinder den Sport kennen und lieben gelernt: «Hier sieht man keinen, der jemanden beschimpft oder niedermacht.»

Frau bei Interview im Freien vor Gebäuden.
Legende: Sue Walter engagiert sich ehrenamtlich im Vorstand des Paintball Verband Swiss. SRF

Weiter sagt sie: «Kommt vorbei und schaut zu. Und dann merkt man: Auch wenn es mehrere Vereine sind, es ist wie eine grosse Familie und man ist füreinander da.»

Raus aus der Baller-Ecke

Gerade weil Paintball auf den ersten Blick täuscht, ringt die Szene um Anerkennung. Ihr Ziel ist mehr Bekanntheit, mehr Spielplätze und mehr Berührung mit den Menschen zu schaffen, um sie für die Sportart begeistern zu können.

Paintball im internationalen Vergleich

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In den USA ist Paintball seit Jahren als Turniersport stark ausgebaut. Mit der National Paintball League gibt es eine bekannte Liga mit grossen Wettbewerben und professionell organisierten Events.

Auch in Europa ist der Sport in einzelnen Ländern breit verankert. In Frankreich und England gibt es seit längerem eine sichtbare Turnierszene mit regelmässigen Spielserien, spezialisierten Anlagen und einer grösseren Zahl an Teams. Dazu kommen internationale Verbände und Wettbewerbe, über die sich Nationalteams und Clubs vernetzen.

«10 vor 10», 30.3.2026, 21:50 Uhr

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