Schutzmaske, Schüsse, Deckungsspiel: Wer zum ersten Mal mit Bildern aus Paintball-Arenen konfrontiert ist, denkt schnell an Militär und Krieg. Im Turniersport sieht das Spielfeld aber anders aus als bei den populären Paintball-Freizeitangeboten.
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Bild 1 von 3. Solche Kriegssimulationen aus Paintball-Arenen prägen das Bild von Paintball in der Bevölkerung. Bildquelle: Getty Images/Scott Peterson.
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Bild 2 von 3. Das Spielfeld im Paintball-Sport – hier in Grenchen SO – mutet dagegen wenig militärisch an. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Das «Markierer» genannte Sportgerät fällt dennoch unter das Schweizer Waffengesetz.. Bildquelle: SRF.
Gespielt wird nicht zwischen Panzern und Helikopter-Wracks und auch nicht in Tarnkleidung, sondern auf rechteckigen Feldern mit farbigen Stoff-Hindernissen. «Es ist eben nicht Krieg. Es ist ein Sport, ein Mannschaftssport, ein taktischer Sport, ein Teamsport», betont Spieler Severin Rüedi am Trainingstag des Paintball-Verbands Swiss in Grenchen kurz vor Saisonstart.
Die Szene grenzt sich vom Freizeit-Paintball ab. «Das, was man in der Schweiz kennt, ist ‹Fun und Action›», sagt Markus Oberli, Präsident des Verbands. «Und da kann man natürlich sagen, es sei einfach ‹Ballern›. Die machen ja auch Werbung damit.»
Im organisierten Sport gehe es hingegen um Schnelligkeit, Agilität und Taktik. Paintballer Manfred Kleist schätzt dabei die Inklusivität: «Ein paar von uns sind vom Körperbau her mässig sportlich und können trotzdem mitmachen und Spass haben. Das finde ich gut.»
Kleine Szene, geteilte Szene
Die Szene in der Schweiz ist klein, aber organisiert. Es gibt zwei nationale Verbände mit eigenen Ligen: die Swiss Paintball Federation und den jüngeren Paintball-Verband Swiss. Die Trennung entstand aufgrund von Unstimmigkeiten in der Entwicklung und Professionalisierung des Sports in der Schweiz.
Vereinte Kräfte würden der Szene jedoch gut tun, denn die hiesige Infrastruktur ist knapp. «Hier in der Schweiz gibt es nur zwei richtige Paintball-Felder», sagt Oberli. Bespielt werden diese von aktuell etwas über 30 Schweizer Vereinen.
Bei uns spielt niemand, der unsere Regeln nicht kennt oder nicht respektiert.
Zum organisierten Sport gehören klare Sicherheitsregeln. Auf dem Feld gilt Maskenpflicht. Ausserhalb des Netzes muss die sogenannte Laufsocke am Lauf sein – also der Schutz vorne am Markierer, damit sich kein Schuss lösen kann. Wer dagegen verstösst, wird verwarnt – bei Wiederholung droht die Sperre für den Tag oder länger.
Vorstandsmitglied Livio Meyer verweist zudem auf eine Schiedsrichterausbildung mit Bescheinigung, die der Verband eingeführt hat. Laut Meyer sind ernsthafte Verletzungen selten; wenn etwas passiere, dann eher ein verdrehtes Knie oder ein verstauchtes Handgelenk nach einem Sturz.
Hier sieht man keinen, der jemanden beschimpft oder niedermacht.
Wer durch einen Vereinseintritt oder der Teilnahme an einem Paintball-Grümpelturnier mit der Szene in Berührung kommt, spricht am Trainingstag in Grenchen oft von Gemeinschaft.
Sue Walter hat durch ihre Kinder den Sport kennen und lieben gelernt: «Hier sieht man keinen, der jemanden beschimpft oder niedermacht.»
Weiter sagt sie: «Kommt vorbei und schaut zu. Und dann merkt man: Auch wenn es mehrere Vereine sind, es ist wie eine grosse Familie und man ist füreinander da.»
Raus aus der Baller-Ecke
Gerade weil Paintball auf den ersten Blick täuscht, ringt die Szene um Anerkennung. Ihr Ziel ist mehr Bekanntheit, mehr Spielplätze und mehr Berührung mit den Menschen zu schaffen, um sie für die Sportart begeistern zu können.