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Sexuelle Onlinegewalt Betroffene von Deepfakes: «Ich habe mir das nie ausgesucht»

Ein Sonntagabend, der Frannys Leben veränderte: Via Mail erfährt die Schweizer Content-Creatorin, dass sie Opfer sexueller Onlinegewalt geworden ist. Auf Trauer und Hilflosigkeit folgten viel Wut und das Bedürfnis, laut zu werden. Im Gespräch spricht Franny über den Vorfall, die Auswirkungen auf ihr Leben und ihre Mission, für eine gesetzliche Veränderung zu kämpfen.

Franny

Content Creatorin

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Franny, 21, ist eine Schweizer Influencerin. Sie hat 2.6 Millionen Follower auf Tiktok und 1 Million Follower auf Instagram.

SRF News: Wie haben Sie erfahren, was passiert ist?

Franny: An einem Sonntagabend erhielt ich ein E-Mail vom «Tages-Anzeiger». Zuerst dachte ich, es sei Spam. Dann las ich, dass ich zu den 14 betroffenen Schweizer Influencerinnen gehöre, die Opfer von Deepfakes wurden.

Was ging in Ihnen vor?

Zuerst war ich einfach traurig. Dann wurde ich wütend, vor allem, weil ich nichts daran ändern kann. Es ist extrem unfair. Ich habe mir das nie ausgesucht und wollte mich nie mit so etwas auseinandersetzen müssen. Und plötzlich hatte ich keine Wahl mehr.

Wir Betroffenen haben uns gegenseitig bestärkt, gemeinsam an die Öffentlichkeit zu gehen.

Warum haben Sie sich entschieden, damit an die Öffentlichkeit zu gehen?

Wir Betroffenen haben uns gegenseitig bestärkt, gemeinsam an die Öffentlichkeit zu gehen. Ein wichtiger Grund war aber auch, dass die Chance, die Täter zu finden, sehr klein ist. Gleichzeitig haben wir über die sozialen Medien eine grosse Reichweite und können so auch für Menschen sprechen, die keine eigene Plattform haben. So können wir auch Veränderung vorantreiben. Es fühlte sich fast so an, als müsste ich.

Was erhoffen Sie sich davon?

Dass man darüber redet und aufhört, wegzuschauen. Der Fall von Collien Fernandes, der auch dazu beigetragen hat, dass unsere Fälle überhaupt entdeckt wurden, hat gezeigt, wie gross die Lücken im aktuellen Recht sind.

Die rechtliche Lage ist unklar. Müssten KI-generierte Pornos ein eigener Straftatbestand sein?

Ja, unbedingt. Es gibt kein Gesetz, das Deepfake-Pornos eindeutig erfasst und bestraft. Für Betroffene bedeutet das, dass sie sich kaum wehren können. Gleichzeitig haben viele Täter keine Konsequenzen zu befürchten. Deshalb braucht es dringend klare gesetzliche Regeln.

Person mit langem blondem Haar sitzt vor einer Pflanze in einer Wohnung.
Legende: Vor einem Monat erfuhr Franny, dass sie Opfer von digitaler Gewalt geworden ist. SRF

Zudem fehlt es an Aufmerksamkeit und Bewusstsein für diese Art von Missbrauch. Vor allem bei meiner Generation. Viele der Täter sind offenbar sehr junge Männer gewesen.

Wie hat Ihr Umfeld darauf reagiert?

In der Woche, in der ich das E-Mail bekam, habe ich von vielen ähnlichen Fällen gehört, auch aus meinem Umfeld. Und das sind keine Influencerinnen. Die Täter, die solche Inhalte erstellen, sind teilweise sogar aus dem eigenen Umfeld. Da frage ich mich: Warum spricht niemand darüber?

Es gibt Dinge, die ich mich nicht mehr traue.

Sie sind weiterhin auf Social Media präsent. Hat sich Ihr Umgang damit verändert?

Ich habe mir zwar vorgenommen, dass ich mich in meiner Arbeit nicht einschränken lasse. Aber das ist schwierig. Beim Filmen, beim Schneiden – eigentlich bei allem, was ich mache, denke ich daran. Es gibt Dinge, die ich mich nicht mehr traue. Zum Beispiel bei Sportprojekten achte ich darauf, mich nicht mehr von hinten zu zeigen.

Auch bei Kommentaren von Männern denke ich oft: Könnte das einer von ihnen sein? Da entsteht ein gewisses Misstrauen. Hinzu kommt, dass ich diesen Männern auch im Alltag begegnen könnte – es sind Schweizer und ich lebe hier. Das macht Angst.

Das Interview führte Lorena Wahrenberger.

SRF Regionaljournal, 21.4.2026, 12:03 Uhr ; 

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