Zum Inhalt springen

Header

Audio
Gleichstellung: WEF-Report sieht keine Fortschritte
Aus Echo der Zeit vom 13.07.2022.
abspielen. Laufzeit 4 Minuten 11 Sekunden.
Inhalt

Weltweite Untersuchung Pandemie hat Gleichstellung um Jahrzehnte zurückgeworfen

Der Gender-Gap-Report des WEF kommt zu einer ernüchternden Erkenntnis: Corona drehte das Rad der Zeit zurück.

Die Coronakrise hat Frauen weltweit härter getroffen als Männer. Frauen haben häufiger den Job verloren, ihr Einkommen ging stärker zurück und sie mussten eher einen Karriereknick verkraften als Männer. Und nun machen sie nur langsam Fortschritte – trotz der wirtschaftlichen Erholung.

Die Co-Autorin des Berichts, Silja Baller, beschreibt es so: «Der diesjährige Bericht zeigt, dass sich der Arbeitsmarkt sehr ungleich erholt.» Die Frauen hätten den verlorenen Boden nicht wieder gutmachen können. Das habe die Gleichstellung um eine ganze Generation zurückgeworfen. Der kleine Fortschritt im letzten Jahr sei im Vergleich zum Rückschritt in der Pandemie marginal.

Gemessen wird die Gleichstellung der Geschlechter in vier Themenbereichen: Gesundheit, Bildung, Politik und wirtschaftliche Chancen. Die Krise hat die Frauen vor allem bei den wirtschaftlichen Chancen zurückgeworfen. Das hat zwei Gründe: Erstens arbeiten Frauen weltweit öfter im Dienstleistungssektor und dieser war in der Pandemie besonders stark von Einschränkungen betroffen. Zweitens sind vor allem Frauen eingesprungen, als die Kinder wegen Schul- und Kita-Schliessungen nach Hause geschickt wurden. Das gilt auch für die Schweiz.

Solange die Idee vorherrscht, dass sich die Frau um Kinder, Eltern und Grosseltern kümmern muss, kommen wir nicht weiter. Es braucht ein radikales Umdenken.
Autor: Janine Dahinden Schweizerische Gesellschaft für Geschlechterfragen

Insgesamt schneidet die Schweiz zwar nicht schlecht ab, sie liegt auf Rang 13 von 146 untersuchten Ländern. Vor allem bei der wirtschaftlichen Gleichstellung harzt es aber. Da liegt die Schweiz auf Rang 47. Bei der Arbeitsmarktbeteiligung haben Schweizer Frauen noch viel Potenzial. Und während die Frauen in vielen anderen Ländern im letzten Jahr wieder aufgeholt haben, gab es in der Schweiz in diesem Bereich sogar einen kleinen Rückschritt.

Das erstaunt Janine Dahinden, die Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Geschlechterfragen, nicht. Je gleichstellungsfreundlicher die Strukturen vor der Pandemie waren, umso rascher holen die Frauen jetzt wieder auf. Dazu gehörten zum Beispiel die Infrastruktur für Kinderbetreuung und jene für die Betreuung älterer Menschen – und da gehört die Schweiz nicht zu den Spitzenreitern.

Frau in Büro
Legende: Laut dem WEF hat die Covid-Pandemie die Gleichstellung der Geschlechter weltweit um Jahrzehnte zurückgeworfen. Wenn es im aktuellen Tempo weitergehe, werde es noch 132 Jahre dauern bis die Frauen den Männern gleichgestellt sind. Keystone

Die Professorin der Universität Neuenburg weist darauf hin, dass die Schweiz, was Betreuungsarbeit betrifft, schon sehr ungleich gestartet sei. Während Mütter ihren Kleinkindern rund 60 Prozent ihrer gesamten Arbeitszeit widmen, sind es bei den Vätern nur 20 Prozent. Diese Asymmetrie habe sich in der Pandemie verschärft.

Das wirke sich natürlich darauf aus, wie stark sich Frauen im Job engagieren könnten. Es müsse sich ganz grundsätzlich etwas ändern, findet Dahinden. «Solange die Idee vorherrscht, dass sich die Frau um Kinder, Eltern und Grosseltern kümmern muss, kommen wir nicht weiter. Es braucht ein radikales Umdenken.»

Ein langer Weg

Das gilt sowohl für die Hochqualifizierte im Homeoffice wie auch für die Migrantin, die in einem Privathaushalt arbeitet und ihren Job verloren hat. Beide haben wegen der Pandemie massive finanzielle Einbussen zu verkraften. Auch langfristig. Die eine leidet unter einem Karriereknick, die andere muss sich ihre Selbständigkeit wieder neu aufbauen.

Wie sich die Gleichstellung langfristig entwickle, sei schwierig zu sagen, findet Silja Baller vom WEF. «Was man aber sagen kann, ist, dass mit der Vielzahl an Krisen das Risiko für Rückschritte grösser wird.» Klar ist: Es wird noch Jahre dauern, bis die Gleichstellung von Frau und Mann erreicht ist.

Echo der Zeit, 13.07.2022, 18 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

16 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Tag liebe Community. Wir bedanken uns für die Diskussion, schliessen bei diesem Beitrag nun die Kommentarspalte und wünschen Ihnen einen schönen Tag. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Dieter Strub  (STR)
    Lebenserwartung Schweiz 2020:
    Frauen 85.1
    Männer 81

    Beitragsjahre für max. Rente AHV:
    Fauen 43
    Männer 44

    Reguläres Pensionsalter:
    Frauen 64
    Männer 65

    Ich frage mich schon, wer nun schlechter dasteht, Mann oder Frau?

    Dafür, dass Frau ein Jahr weniger arbeiten muss und in die Altervorsorge einbezahlt erhält sie 5.1 Jahre länger die Rente ....komisch nicht?
  • Kommentar von Korina Graf  (Kory)
    Was fehlt der Schweiz zur Gleichberechtigung? Sorry aber liegt das nicht auch an den Frauen? Und das sage ich als gefühlt gleichberechtigte Frau . Man darf nicht immer nur abwarten und fordern sondern einfach machen. Wer hat das bestimmt das die Frauen in der Corona-Krise zuhause bleiben müssen. Mein Mann hat Home Office gemacht und die Kinderbetreuung übernommen, geht also. Jetzt warte ich auf den Shitstorm.