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Zurich Fashion Week 2026 Maya Seyferth begann mit 45 ihr Leben neu zu schneidern

In der «Mitte des Lebens» kehrt Maya Seyferth der Zahlenwelt den Rücken und schafft mit ihrer Leidenschaft für Mode den Neustart.

Die Zurich Fashion Week ist in vollem Gange – und sie mittendrin: Designerin Maya Seyferth. Der Traum einer eigenen Modekollektion erfüllte sich für die studierte Betriebswirten erst in ihren 40ern. Das Gespür für Stil jedoch hatte sie bereits in ihrer Kindheit entwickelt.

Zwei lächelnde Frauen Hand in Hand auf einem Laufsteg.
Legende: Designerin Maya Seyferth (rechts) und Model Sara Streule beim Finale der Maya-Seyferth-Show am Global Fashion Collective an der Milan Fashion Week im Februar 2025 in Mailand. Getty Images / Arun Nevader

Maya Seyferth ist im damals noch zur Sowjetunion zugehörigen Georgien aufgewachsen. Dort erlebt sie eine liebevolle, aber materiell entbehrungsreiche Kindheit.

«Wir hatten nicht viel, im Kommunismus war das normal. Oft gab es wenig zu essen», erinnert sich Seyferth. Kleidung ist knapp, vieles wird selbst genäht, Altes wird zu Neuem gemacht.

Immer wenn ich meine Oma besucht habe, habe ich geschaut, ob ich alte Kleider finden kann, die ich dann zerlegen und etwas Neues daraus machen konnte.
Autor: Maya Seyferth Modedesignerin

«Als Kind habe ich mich ständig mit Kleidung beschäftigt, Puppen angezogen und aus Stoffresten Kleider gemacht», erinnert sich Seyferth. «Immer wenn ich meine Oma besucht habe, habe ich geschaut, ob ich alte Kleider finden kann, die ich dann zerlegen und etwas Neues daraus machen konnte.»

Bilanzen statt Boutiquen

Nach einem Wirtschaftsstudium arbeitet Maya Seyferth im Controlling bei einer Mercedes-Vertretung in ihrer Heimat. Für den Beruf werden Deutschkenntnisse gefordert.

Sie geht deshalb nach Deutschland, wo sie sich verliebt und eine Familie gründet. Sie studiert erneut, vertieft sich unter anderem in deutschem Steuerrecht. Maya Seyferth verfolgt einen klassischen, geradlinigen, in den Augen vieler wohl eher trockenen Karriereplan.

Freunde und Bekannte fragten mich immer wieder, woher meine Kleidung sei und ob ich auch etwas für sie machen könne.
Autor: Maya Seyferth Modedesignerin

Die junge Familie zieht für die Arbeit zwei Jahre nach Paris. Dort keimt auch die Idee, sich irgendwann aktiv in der Modebranche betätigen zu wollen: «In Paris habe ich gemerkt, dass es kaum bezahlbaren Luxus gibt – Designerstücke, die für eine breitere Masse bezahlbar sind. Für mich fühlte sich das wie eine Lücke an.»

2013 verschlägt es die Familie für eine neue Anstellung von Seyferths Ehemann in die Schweiz. Der berufliche Neustart der Georgierin gestaltet sich hierzulande schwierig – ihr Wissen im deutschen Steuerrecht ist nur bedingt gefragt.

Sie widmet sich den zwei gemeinsamen Kindern. Der Traum einer eigenen Modemarke – er wird immer präsenter.

Vier Jahre Anlauf

2016 beginnt sie, ihren Traum langsam Wirklichkeit werden zu lassen. Sie besucht Kurse, kauft Stoffe, versucht sich an Entwürfen und Schnitten – und trägt diese auch selbst zur Schau. «Freunde und Bekannte fragten mich immer wieder, woher meine Kleidung sei und ob ich auch etwas für sie machen könne. So begann ich, Kleidung für andere zu entwerfen.»

Seyferth sucht Produzenten und wird in ihrer Heimat Georgien fündig. 2020 – nach einer vierjährigen Vorbereitungs- und Testphase – mietet sie eine Ladenfläche in Zürich und gründet ihre eigene Marke.

Immer mehr Mode wird in Georgien produziert

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Georgien ist für viele Designer ein attraktiver Produktionsstandort in der Nähe Europas. Die Lieferwege sind kurz, und Produkte können zollfrei in die EU exportiert werden. Marken können deshalb schneller auf neue Trends reagieren als bei Produktionen in Asien. Gleichzeitig sind die Kosten tiefer, und das handwerkliche Niveau gilt als hoch. Das macht das Land sowohl für Luxuslabels als auch für grössere Marken interessant.

Problematisch sind jedoch die Arbeitsbedingungen. Es gibt keinen gesetzlichen Mindestlohn und nur schwache Gewerkschaften. Die Löhne sind oft tief, die Arbeitsbelastung hoch. Wer dort produzieren lässt, muss deshalb genau prüfen, unter welchen Bedingungen gearbeitet wird – damit der Kostenvorteil nicht zulasten der Angestellten geht.

Seither konnte sie ihre Mode bereits im Rahmen der Fashion Weeks in Metropolen wie Mailand, New York oder Paris präsentieren.

Maya Seyferth hat in der Mitte ihres Lebens erfolgreich einen neuen Weg eingeschlagen. Ihr Weg war jedoch viel früher angelegt worden – in der Fantasie eines Mädchens, das aus Stoffresten Kleider formte und dabei lernte, aus wenig etwas Eigenes zu schaffen.

«Schweiz aktuell», 13.2.26, 19:00 Uhr

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