Die Zurich Fashion Week ist in vollem Gange – und sie mittendrin: Designerin Maya Seyferth. Der Traum einer eigenen Modekollektion erfüllte sich für die studierte Betriebswirten erst in ihren 40ern. Das Gespür für Stil jedoch hatte sie bereits in ihrer Kindheit entwickelt.
Maya Seyferth ist im damals noch zur Sowjetunion zugehörigen Georgien aufgewachsen. Dort erlebt sie eine liebevolle, aber materiell entbehrungsreiche Kindheit.
«Wir hatten nicht viel, im Kommunismus war das normal. Oft gab es wenig zu essen», erinnert sich Seyferth. Kleidung ist knapp, vieles wird selbst genäht, Altes wird zu Neuem gemacht.
Immer wenn ich meine Oma besucht habe, habe ich geschaut, ob ich alte Kleider finden kann, die ich dann zerlegen und etwas Neues daraus machen konnte.
«Als Kind habe ich mich ständig mit Kleidung beschäftigt, Puppen angezogen und aus Stoffresten Kleider gemacht», erinnert sich Seyferth. «Immer wenn ich meine Oma besucht habe, habe ich geschaut, ob ich alte Kleider finden kann, die ich dann zerlegen und etwas Neues daraus machen konnte.»
Bilanzen statt Boutiquen
Nach einem Wirtschaftsstudium arbeitet Maya Seyferth im Controlling bei einer Mercedes-Vertretung in ihrer Heimat. Für den Beruf werden Deutschkenntnisse gefordert.
Sie geht deshalb nach Deutschland, wo sie sich verliebt und eine Familie gründet. Sie studiert erneut, vertieft sich unter anderem in deutschem Steuerrecht. Maya Seyferth verfolgt einen klassischen, geradlinigen, in den Augen vieler wohl eher trockenen Karriereplan.
Freunde und Bekannte fragten mich immer wieder, woher meine Kleidung sei und ob ich auch etwas für sie machen könne.
Die junge Familie zieht für die Arbeit zwei Jahre nach Paris. Dort keimt auch die Idee, sich irgendwann aktiv in der Modebranche betätigen zu wollen: «In Paris habe ich gemerkt, dass es kaum bezahlbaren Luxus gibt – Designerstücke, die für eine breitere Masse bezahlbar sind. Für mich fühlte sich das wie eine Lücke an.»
2013 verschlägt es die Familie für eine neue Anstellung von Seyferths Ehemann in die Schweiz. Der berufliche Neustart der Georgierin gestaltet sich hierzulande schwierig – ihr Wissen im deutschen Steuerrecht ist nur bedingt gefragt.
Sie widmet sich den zwei gemeinsamen Kindern. Der Traum einer eigenen Modemarke – er wird immer präsenter.
Vier Jahre Anlauf
2016 beginnt sie, ihren Traum langsam Wirklichkeit werden zu lassen. Sie besucht Kurse, kauft Stoffe, versucht sich an Entwürfen und Schnitten – und trägt diese auch selbst zur Schau. «Freunde und Bekannte fragten mich immer wieder, woher meine Kleidung sei und ob ich auch etwas für sie machen könne. So begann ich, Kleidung für andere zu entwerfen.»
Seyferth sucht Produzenten und wird in ihrer Heimat Georgien fündig. 2020 – nach einer vierjährigen Vorbereitungs- und Testphase – mietet sie eine Ladenfläche in Zürich und gründet ihre eigene Marke.
Seither konnte sie ihre Mode bereits im Rahmen der Fashion Weeks in Metropolen wie Mailand, New York oder Paris präsentieren.
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Bild 1 von 6. Ein Model präsentiert ein Design von Maya Seyferth mit Schmuck von COOLOOK an der Flying Solo Show während der New York Fashion Week im September 2021 in New York. Bildquelle: Getty Images / Ilya S. Savenok.
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Bild 2 von 6. Hier präsentiert ein Model die Kleidung von Maya Seyferth im Rahmen des Global Fashion Collective an der Paris Fashion Week im September 2023. Bildquelle: Getty Images / Arun Nevader.
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Bild 3 von 6. Model an der Maya-Seyferth-Show im Februar 2025 in Mailand. Bildquelle: Getty Images / Arun Nevader.
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Bild 4 von 6. Tänzerin und Schauspielerin Miranda Derrick an den 65. Grammy Awards am 5. Februar 2023 in Los Angeles, Kalifornien. Bildquelle: Getty Images / Amy Sussman.
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Bild 5 von 6. Izabela Switon-Kulinska in einem Kleid von Maya Seyferth auf dem roten Teppich des Filmfestivals in Cannes 2025. Bildquelle: Instagram / bellazofia.official.
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Bild 6 von 6. Moderatorin Nicki Sun in einem Kleid von Maya Seyferth an den Oscars 2023. Bildquelle: Instagram / maya_seyferth_official.
Maya Seyferth hat in der Mitte ihres Lebens erfolgreich einen neuen Weg eingeschlagen. Ihr Weg war jedoch viel früher angelegt worden – in der Fantasie eines Mädchens, das aus Stoffresten Kleider formte und dabei lernte, aus wenig etwas Eigenes zu schaffen.