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100 Tage Biden: Das sagen die Bürger
Aus 10 vor 10 vom 29.04.2021.
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100 Tage Biden-Regierung Tiefe Risse im amerikanischen Idyll

Joe Biden hat seine Wahl auch Pennsylvania zu verdanken. Wie denken die Menschen dort über ihren Präsidenten? Eine Reportage.

Dan Laughlin ist eine Ausnahmeerscheinung. Seit sechs Jahren sitzt der Republikaner als Senator im Parlament von Pennsylvania, und er will Präsident Biden eine Chance geben: «Er hat die Wahl gewonnen – lassen wir ihn arbeiten» ist sein Credo.

Laughlin nervt sich über Spaltung im Land und über den Unwillen, über die Parteigrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Den Namen Trump erwähnt er nicht, aber es ist offensichtlich, dass ihm nicht nur dessen Twitter-Eskapaden missfallen haben.

Dan Laughlin
Legende: Senator Dan Laughlin will die politischen Gräben im Land überwinden. SRF

Wo Biden als Sozialist gilt

Laughlins Sitz-Nachbarin im Senat ist aus einem anderen Holz geschnitzt: Kristin Phillipps-Hill spricht zwar mit sanfter Stimme, aber ihre Aussagen sitzen: Für Bidens Schuldenpolitik würden noch ihre Urenkel büssen müssen. Seine Lockerung der Grenze zu Mexiko sei ein Desaster. Die Steuererhöhungen würden dem ganzen Land schaden. Hier spricht der republikanische Mainstream. Und der lässt kein gutes Haar an Biden.

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Senatorin Phillips-Hill kritisiert Bidens Migrations-Politk
Aus News-Clip vom 29.04.2021.
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Weg von der Hauptstadt Harrisburg nach Osten: Pennsylvania ist zwischen den beiden Metropolen Pittsburgh und Philadelphia ländlich geprägt. Hier ist Trump immer noch populär, während Biden vielen als Sozialist gilt.

Idylle mit Rissen

Doylestown – eine Autostunde von Philadelphia – ist amerikanisches Idyll pur. Das Städtchen ist schmuck, gespickt mit historischen Häusern. Die Obdachlosen und Drogenabhängigen Philadelphias sind hier ganz weit weg. Aber unter der idyllischen Oberfläche werden die Risse sichtbar. Viele wollen mit Journalisten nicht über Politik reden. Man will den Nachbarn oder die Arbeitskollegin nicht vor den Kopf stossen.

Eine die spricht, ist die Demokratin Larissa Hopwood. Die quirlige Polit-Aktivistin setzt sich gegen Rassismus und für Gleichberechtigung ein und will Bürgermeisterin von Doylestown werden. Natürlich ist sie froh, dass Trump weg ist. Aber: «Ich wünsche mir, dass sich Biden noch stärker gegen Rassismus ausspricht und dass er härter gegen die Waffengewalt im Land vorgeht».

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Demokratin Larissa Hopwood fordert härteres Vorgehen gegen Rassismus und Waffengewalt
Aus News-Clip vom 29.04.2021.
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Lob für Corona-Politik

Uneingeschränktes Lob erhält der Präsident für seine Covid-Politik. 100 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner sind bereits vollständig geimpft. Ein Drittel der Bevölkerung. Das beeindruckt auch Blair Elliot, der in Doylestown seit 20 Jahren Schallplatten verkauft. Ihm machen auch die Steuererhöhungen nichts aus. «Solange die grossen Firmen auch zahlen und das Geld sinnvoll verwendet wird».

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Plattenhändler Blair Elliot ist begeistert von Bidens Impfkampagne
Aus News-Clip vom 29.04.2021.
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In der Kleiderboutique direkt gegenüber tönt es ganz anders: Inhaberin Jen legt gleich mit einer Tirade gegen Biden los: Seine Wirtschaftspolitik würden die Geschäfte kaputt machen, das Land gehe unter ihm vor die Hunde und die Maskentragpflicht mache die Kinder krank. Sie will aber nicht vor der Kamera reden – offensichtlich traut sie den Medien nicht.

Und so bleibt die Erkenntnis, dass die Risse in diesem Land quer durch die Gesellschaft, durch Gemeinden, durch Familien gehen. Biden ist als «Heiler» angetreten – ob er diese Herkulesaufgabe lösen kann scheint mehr als fraglich.

10vor10, 29.4.21, 21:50 Uhr

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Flury  (Simplizissimus)
    Indem das Präsidentenamt so stark parteipolitisch geprägt ist, verliert die USA allgemein an Glaubwürdigkeit. Alle. vier Jahre ( vielleicht mal nach 8 Jahren) geht es genau 180 Grad in die entgegengesetzte Richtung. Die USA ist kein verlässlicher Partner mehr. Wenn „America first“, dann müssen die Zweitplatzierten selbst schauen wo sie bleiben!
    1. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      Das mag sein, aber er schürt kein Misstrauen, und auch keinen Hass, gegen anders denkende Amerikaner oder Politiker aus dem anderen Lager.
      Es stösst auch keine Menschen ab, die ihn nicht mögen, oder seine Politik nicht mittragen wollen.
      Er behauptet auch nicht dass andersdenkende keine Amerikaner oder keine Patrioten seien.
      Er ist es nicht, der die Spaltung anheizt
  • Kommentar von Pascal Noti  (Noti)
    Ein Politiker denkt an die nächste Wahl, ein Staatsmann an
    die nächste Generation.
    James F. Clarke

    Die amerikanische Gesellschaft spaltet sich seit rund 2 Jahrzehnten immer stärker.
    Es bräuchte eine/-n aufrichtige PräsidentIn, welche/-r diese Gesellschaft wieder näher zusammenführt.
    Trump war es nicht und ich befürchte, Biden macht es nur ein wenig besser.
    So macht Biden nur demokratische Politik und bedient die Wählerschaft, um die nächsten Wahlen zu gewinnen. Ich sehe keine Brücken.
    1. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Noti, da müsste aber die Verliererpartei dieses Mal die Republikaner den amtierenden Präsidenten auch etwas unterstützen. Bei den letzten Präsidenten ging es nur darum, dem amtierenden Präsidenten zu schaden um die nächsten Wahlen zu gewinnen. Da nützt aus meiner Sicht kein aufrichtiger PräsidentIn. Da muss sich zuerst das egoistische Verhalten aller zuerst ändern, was nicht geschehen wird.
    2. Antwort von Pascal Noti  (Noti)
      @ Krebs Alfred: Ja, da stimme ich Ihnen voll zu: die Verliererpartei muss auch auf die andere Partei zugehen.
      Es braucht beide Seiten für eine Versöhnung.

      Die Ideologien und der Fanatismus haben bei beiden Parteien stark zugenommen. Und die Anhänger folgen blindlings. Sicherlich gibt es noch viele Leute, welche sich davon nicht beeindrucken lassen oder Seitenspringer sind.

      In einem de facto Zweiparteiensystem sind fanatische Ideologien viel prekäer als in einem Vielparteiensystem.
  • Kommentar von Steven Baumgartl  (Steven B.)
    Kristin Phillipps-Hill spricht von Schulden für die nächsten Generationen, mhh mal überlegen... wieviel Schulden hat es unter Trump gegeben? Billionen Dollars Steuererleichterungen für die Wirtschaft, Grenzsicherungen und weitere sinnlose Ausgaben - ohne ein wirkliche Besserung des Umfeldes. Hätten Obamas Vorbereitungen in der Wirtschaft nicht bereits gewirkt wäre das Defizit weitaus höher. als das es jetzt schon historisch auf dem höchsten Stand ist.