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Legende: Audio Migrationspolitik spaltet Deutschland und Ungarn abspielen. Laufzeit 03:18 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 19.08.2019.
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30 Jahre Grenzöffnung Ungarn Eine tief getrübte, einst wunderbare Freundschaft

Die Berliner Mauer stand zwar noch am 19. August 1989, aber sie war im Grunde nur noch ein Steinhaufen, der zufälligerweise wie eine Mauer aussah. Den entscheidenden Schubs hatte sie genau heute vor 30 Jahren erhalten. Als beim sogenannten «Paneuropäischen Picknick» bei Sopron der Grenzzaun zwischen Ungarn und Österreich geöffnet wurde und hunderte DDR-Flüchtlinge in den Westen gelangten.

DDR-Büger flüchten über die Grenze in der Nähe von Sopron.
Legende: Am 19. August 1989 gelangten hunderte DDR-Flüchtlinge in Ungarn über die Grenze in den Westen. Reuters

Es war die erste Massenflucht aus der DDR seit dem Bau der Mauer und es war das Ende des Eisernen Vorhangs. Die Unzufriedenen in der DDR konnten danach ihrer Regierung drohen: Entweder es tut sich was, oder wir hauen über Ungarn in den Westen ab. Und es tat sich was – drei Monate später fiel die Mauer.

Dublin – die neue Mauer um Deutschland

Ungarn wollte 1989 nicht mehr Gefängniswärter der DDR sein und erhöhte mit der Grenzöffnung den Druck auf Ost-Berlin. Auch 2015 wollte Ungarn erneut nicht länger Gatekeeper der EU sein. Premier Orban schickte die Flüchtlinge absichtlich Richtung österreichische Grenze.

1989 gab es einen Eisernen Vorhang zwischen Ost und West. Auch 2015 gab es eine (virtuelle) Mauer um Deutschland. Sie hiess Dublin. Nach der EU-Dublin-Verordnung konnte nur in die EU, wer nicht aus einem sicheren Drittstaat kommt. Deutschland ist aber von sicheren Drittstaaten umgeben. Nur wer vom Himmel fiel, konnte im Grunde Asyl beantragen.

Zeitgleicher Jubel und Mahnung

Deutschland hat Ungarn die Öffnung der Grenze 1989 nie vergessen. Und so war Viktor Orban einer der wenigen, die 2017 noch ans Sterbebett von Helmut Kohl durfte. Die anfängliche deutsche Begeisterung im Flüchtlingsherbst 2015 hatte sicher auch mit der Erinnerung an 1989 zu tun.

Doch 2015 bejubelte Deutschland jeden Flüchtling, der es nach Deutschland schaffte, und mahnte Ungarn gleichzeitig die Regeln von Dublin einzuhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte Grenzen für unkontrollierbar und war am Ende froh, als Ungarn und seine östlichen Nachbarn die Balkanroute schlossen.

Gleich und doch ganz anders

Die Gemeinsamkeiten zwischen 1989 und 2015, vor allem die örtliche Übereinstimmung, sind frappant. Aber auch die Unterschiede. 1989 kamen die Flüchtlinge aus Erfurt. 2015 kamen sie aus Aleppo. 1989 brachte Einheit, die deutsche Vereinigung und eine vertiefte europäische Einigung – auch zwischen Ost und West. Die Folgen von 2015 waren eine Spaltung Europas – zwischen Ost und West. Daran werden Angela Merkel und Viktor Orban heute in Sopron an der Feier zur Grenzöffnung in Ungarn denken.

Peter Voegeli

Peter Voegeli

Deutschland-Korrespondent, SRF

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Peter Voegeli ist seit Sommer 2015 SRF-Korrespondent in Deutschland. Er arbeitet seit 2005 für Radio SRF, zunächst als USA-Korrespondent, danach als Moderator beim «Echo der Zeit».

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