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60 Jahre nach dem Mauerbau in Berlin
Aus Tagesschau vom 13.08.2021.
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60 Jahre Mauerbau in Berlin Gedenken an ein «unübersehbares Zeichen eines Unrechtsstaates»

  • Der deutsche Staatspräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Bau der Berliner Mauer vor 60 Jahren als «Zeugnis eines hoffnungslosen Scheiterns» bezeichnet und an die Opfer der jahrzehntelangen Teilung erinnert.
  • An einer zentralen Gedenkfeier an der Bernauer Strasse in Berlin erinnerten deutsche Politikerinnen und Politiker und mehrere Zeitzeuginnen und Zeitzeugen an den Bau der Berliner Mauer vor 60 Jahren.
  • Am 13. August 1961 hatte die sozialistische DDR mit dem Bau begonnen und damit die deutsche Teilung bis zum Fall der Mauer 1989 besiegelt.

«Die Mauer war das unübersehbare Zeichen eines Unrechtsstaates, der in den Augen seiner eigenen Bürgerinnen und Bürger weder souverän noch legitim war. Im Grunde der Anfang vom Ende – das allerdings noch allzu lange auf sich warten liess», sagte Steinmeier beim zentralen Gedenken in Berlin. «Der 13. August 1961 war ein Schicksalstag für uns Deutsche und für die Welt – und ein Tag, der Träume und Hoffnungen zerstörte, der Kinder von Eltern, Enkel von Grosseltern trennte, der schmerzlich und leidvoll in das Leben ungezählter einzelner Menschen eingriff.»

«Antifaschistischer Schutzwall»

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Die Mauer bildete ein rund 155 Kilometer langes Bollwerk und umschloss den Westteil Berlins. Die DDR-Führung nannte die Mauer «Antifaschistischer Schutzwall». 45 Kilometer lang verlief sie quer durch die Stadt. Erst nach mehr als 28 Jahren ging die Teilung mit dem Mauerfall am 9. November 1989 zu Ende. Allein in Berlin starben nach dem Mauerbau nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime. An der stark gesicherten und von DDR-Seite aus bewachten innerdeutschen Grenze waren laut Bundesregierung mindestens 260 Todesopfer zu beklagen.

Nach Angaben des deutschen Bundesarchivs stand die sozialistische DDR Anfang der 60er Jahre vor dem Ruin, da abertausende Menschen flüchteten. Die SED-Führung habe sich angesichts der desolaten Lage nicht anders zu helfen gewusst, als das eigene Volk einzusperren. Eine unüberwindbare Mauer sollte die Fluchten stoppen und der SED die Macht sichern, wie es hiess. Der immer weiter perfektionierte «antifaschistische Schutzwall» um West-Berlin wuchs auf rund 155 Kilometer. An der innerdeutschen Grenze um die nun abgeschottete DDR entstanden etwa 1400 Kilometer Grenzbefestigungen.

An mehr als 300 Orten in Berlin erinnern seit Freitag Plakate an den Mauerbau. Sie zeigten bekannte und weniger bekannte historische Motive, auf denen die Bedeutung des Mauerbaus in ihrer ganzen Tragik deutlich werde, teilte die Kulturprojekte GmbH mit. Es gehe um Stacheldraht, zerrissene Familien, Flucht, Protest, Militär und die Opfer des DDR-Grenzregimes.

Steinmeier erinnerte an den Satz «Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten» des damaligen DDR-Staats- und SED-Parteichefs Walter Ulbricht im Juni 1961. Dieser sei «als eine der dreistesten Lügen in die deutsche Geschichte eingegangen». Der Bundespräsident rief auch dazu auf, es nicht beim Rückblick zu belassen. «Freiheit und Demokratie sind nie naturgegeben und nie ein für alle Mal erreicht. Freiheit und Demokratie müssen erkämpft, dann aber auch geschützt, verteidigt und erhalten werden», mahnte er.

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Der Bau des antifaschistischen Schutzwalls
Aus Tagesschau vom 13.08.2021.
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Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller sagte während der Gedenkstunde, «nirgendwo sonst hat sich der menschenverachtende Charakter der SED-Diktatur so offensichtlich gezeigt wie bei der Mauer.» Bis in die 80er Jahre hinein habe die DDR-Führung die Innerberliner Grenze zu einem Bauwerk von schier unüberwindlicher Monstrosität perfektioniert.

Trotzdem hätten viele Menschen versucht, die Mauer zu überwinden, viele hätten das mit ihrem Leben bezahlt. «Dass die Wiedervereinigung Berlins an der Nahtstelle von Ost und West so wunderbar gelang, ist ein grosser Triumph über Jahrzehnte der Teilung», betonte er. Dies sei aber auch ein grosser Triumph für jene Ostdeutschen, die 1989 mutig auf der Strasse für ihre Freiheit demonstriert und die Mauer zu Fall gebracht hätten.

Zwei Zeitzeuginnen, Brigitta Heinrich und Renate Werwigk-Schneider teilten mit den geladenen Gästen ihre Erfahrungen nach dem Mauerbau. Im Anschluss wurden an der Gedenkstätte an der Bernauer Strasse Kränze niedergelegt.

Tagesschau, 13.08.2021, 12:45 Uhr;

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Eva Leimgruber  (Healingworld)
    Ich war 11 Jahre alt, als meine Mutter mich u. meine Schwester am S-Bahnhof Friedrichstr. als Pfand den Vopos übergab, weil sie meinen Bruder bei den Grosseltern in Ostberlin heim in den Westen holen wollte. Danke den Vopos für ihre grosszügige warmherzige Aktion. Unsere Familie wurde über Nacht getrennt. Die Erinnerungen sind frisch, wie heute.
  • Kommentar von Rochus Schmid  (Tell me yoõng)
    Heute gibt es sie wieder, die Checkpoints. Sie bauen individuelle Mauern auf. Wenn ich die Bedingungen nicht erfülle, werde ich abgewiesen.
    Wie werden wir wohl in 20 Jahren über diese Mauer urteilen?
    1. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      Naja. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Zumal Sie heute einfach und problemlos die von Ihneb kritisierten Hürden einfach erfüllen können. Das war damals Anders.
    2. Antwort von Tobias Heilmann  (To He)
      Ich glaube nicht, dass Sie die Unfreiheit, das jahrzehntelange Eingesperrtsein und die komplette Fremdbestimmung in einer Diktatur mit irgendeiner heutigen Begebenheit in der freien und wohlhabenden Schweiz vergleichen können. Ihre Mauer-Allegorie scheint mir gänzlich verfehlt.
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Wenn eine Mauer ein unübersehbares Zeichen eines Unrechtstaates ist, nun dann würde ich mich freuen wenn entweder die Leser oder die SRF Redaktion mal eine Liste der Mauern, Zäune und Grenssperranlagen mitteilen würden.
    Nur um mal so eine Idee zu bekommen wo und welche Länder so als Unrechtsstaat einzustufen sind. Da sind bestimmt Überraschungen dabei.