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International 65 Millionen Menschen auf der Flucht – die Hälfte davon Kinder

Anstieg der Flüchtlingszahlen: Zum ersten Mal seit Bestehen des UNHCR ist bis Ende 2015 die «60-Millionen-Marke» überschritten worden. Insgesamt ist die globale Zahl der Menschen auf der Flucht etwa so gross wie die Einwohnerschaft von Grossbritannien.

Legende: Video Trauriger Rekord: 65 Millionen Menschen auf der Flucht abspielen. Laufzeit 1:14 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.06.2016.

Mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht: Blutige Konflikte und brutale Verfolgung in etlichen Ländern haben mehr Kinder, Frauen und Männer als je zuvor aus ihren Heimatorten vertrieben. Jeder 113. Erdenbewohner ist davon inzwischen direkt betroffen. Dies steht im Weltbericht 2015 des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR).

Legende: Video Martin Schulz beklagt die Entsolidarisierung Europas abspielen. Laufzeit 22:00 Minuten.
Aus Rundschau vom 03.02.2016.

«Während im Jahr 2005 durchschnittlich sechs Menschen pro Minute entwurzelt wurden, sind es heute 24 pro Minute – das sind zwei Menschen pro Atemzug», heisst es in dem UNO-Bericht. Zugleich haben sich die Gefahren auf den Fluchtrouten vervielfacht. «Auf dem Meer verlieren erschreckend viele Menschen ihr Leben, der Landweg ist durch geschlossene Grenzen zunehmend blockiert, und in manchen Ländern wird gegen Asyl politisch Stimmung gemacht», sagte der UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi.

Zudem sinke die Bereitschaft von Staaten, sich der Flüchtlingskrise zu stellen und «im gemeinsamen Interesse der Menschlichkeit» für deren Bewältigung zusammenzuarbeiten, bedauerte Grandi.

Ein Mann wartet in Griechenland im Aufnahmezentrum mit seinem Baby.
Legende: «Es ist dieser einende Geist der Staaten, der so dringend gebraucht wird», sagt der UNO-Hochkommissar für Flüchtlinge. Keystone

Die meisten bleiben in Heimatstaaten

Von den 65,3 Millionen Menschen auf der Flucht halten sich 21,3 Millionen Flüchtlinge in fremden Ländern auf. 40,8 Millionen wurden innerhalb ihrer Heimatstaaten vertrieben. Weitere 3,2 Millionen warten im Ausland auf Entscheidungen über ihre Asylanträge – der höchste bisher von UNHCR verzeichnete Stand.

Die Hälfte der Flüchtlinge ist jünger als 18 Jahre. Besonders beunruhigend ist die hohe Zahl an Kindern, die alleine reisen oder von ihren Eltern getrennt sind. 98'400 Asylanträge sind von unbegleiteten Kindern gestellt worden. Aufgrund der hohen Flüchtlingszahl verzögert sich die Bearbeitung der Asylanträge stark.

Türkei nimmt die meisten Flüchtlinge auf

In Deutschland wurden 441'900 Asylanträge gestellt, mehr als in jedem anderen Land der Welt. Die USA haben die zweithöchste Zahl verzeichnet, 172'700 Asylanträgen. Auch in Schweden (156'000) und Russland (152'500) sind viele Asylanträge registriert worden.

Das weltweit grösste Aufnahmeland ist die Türkei mit 2,5 Millionen Flüchtlingen. Die weitaus meisten Flüchtlinge halten sich in Ländern ausserhalb Europas auf: 86 Prozent der Menschen haben in Staaten mit niedrigem bis mittlerem Einkommen Schutz gesucht. Der Libanon hat mit 183 Flüchtlingen auf 1000 Einwohner pro Kopf mehr Flüchtlinge aufgenommen als jeder andere Staat.

Seit Mitte der 1990er Jahre haben Flucht und Vertreibung stetig zugenommen. Die Zahlen sind jedoch in den vergangenen fünf Jahren rasant nach oben geschnellt. Zu den Hauptgründen gehört der Syrien-Krieg. Doch auch etliche andere Konflikte treiben Hunderttausende in die Flucht, unter anderem im Südsudan, im Jemen, in Burundi, der Ukraine und der Zentralafrikanischen Republik.

71 Kommentare

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  • Kommentar von Ida Fischer (Ida Fiischer)
    Mit dem Sturz und Abschlachtung Gaddafis endete eine ordnende Praxis die Europa lange eine sichere Südgrenze garantierte weil er sich verpflichtete Flüchtlinge in Auffanglagern aufzunehmen und später in ihre Heimatländer zurückzuschicken. Er hat im Sinne der EU Regeln organisiert. Was wir heute erleben ist die Folge der Militäreinsätze die das Regime weggefegt hat aber nichts an seine Stelle gesetzt haben. Die NATO Chaosgruppe hat ganze Arbeit geleistet und ist immer noch hungrig nach Kriegen
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ja, es gab wirklich noch nie so viele "Flüchtlinge" auf dieser Welt. Aber es ist kein natürliches Phänomen sonder ein von Menschen gemachtes. Es gab noch nie so viele reiche Staaten und Industrien, die der hälfte der Menschheit das Land, das Wasser und die Freiheit wegnahmen. Wir! das heisst EU, USA, Russland, China usw. müssen die Kehrtwende zum "Wirtschaftsrückgang" einläuten. Wir müssen weniger, das heisst nicht schlechteres anstreben. Anfangen bei den Kindern, Erwachsenen, Manage, Politiker!
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
    Was ich hier an Kommentaren und Haltungen lese ist gelinde gesagt nur noch traurig, bitter & voller Ignoranz. Oft frage ich mich,ob hier all diejenigen, welche so abschätzig & herzlos über dieses traurige und bedrückende Thema ihre «literarischen Ergüsse» ablassen, dies auch in aller Öffentlichkeit so formulieren würden. Ich bin enttäuscht über diese Unmenschlichkeit einer trägen & selbstgefälligen Gesellschaft. Viele hier sollten sich schämen ob ihrer polemischen Einstellung.
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    1. Antwort von Reto Camenisch (Horatio)
      Herr Bächler, geben sie es auf! Nutzen sie ihre wertvolle Zeit für Besseres als diesen Kommentaren was entgegen zu setzen. Es grenzt sowieso ans Sektiererische was hier produziert wird. Andere Ausdrücke wie Missionarisch oder Inzucht in Gedankengängen könntern dieses traurige, perverse Schauspiel auch bezeichnen. Sammeln sie ihre Kraft für Wertvolleres als hier zu kämpfen. Auf jeden Fall, Danke dass doch noch ein Fünkchen Menschlichkeit hin und wieder aufblitzt.
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