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Gedenktag zum Ende der «Leningrader Blockade»
Aus Tagesschau vom 27.01.2019.
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900 Tage «ausgehungert» Russland erinnert an Leningrader Blockade

  • Mit einer Militärparade hat St. Petersburg an das Ende der deutschen Belagerung im Zweiten Weltkrieg vor 75 Jahren erinnert.
  • Die russische Stadt wurde jahrelang von der deutschen Wehrmacht abgeriegelt, um die Menschen dort «aushungern» zu lassen.
  • Über eine Million Menschen starb – fast die Hälfte der damaligen Bevölkerung im heutigen St. Petersburg.
  • Mehr als 2500 Soldaten der russischen Armee marschierten bei Schneefall vor dem ehemaligen Zarenpalast auf.
Belagerung Leningrads
Legende: Die Belagerung Leningrads vor 75 Jahren. SRF

Die Parade begann nach Berichten russischer Medien mit einer Schweigeminute für die Opfer der Blockade im früheren Leningrad. Zu sehen waren historische und moderne Militärfahrzeuge wie Panzer.

Militärische Machtdemonstration zum Gedenken

Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew erinnerte an die Opfer der Belagerung durch die deutsche Wehrmacht. «Ihre Heldentaten werden für immer in unseren Herzen sein», schrieb er auf Twitter.

Hunderte Zuschauer verfolgten die Militärparade im Schneetreiben und bei Temperaturen von minus elf Grad. Es sei wichtig, «die Erinnerung wach zu halten», sagte Iwan Kolokolzew. Natalja Geraschtschenko schaute sich den Aufmarsch zusammen mit ihrem zwölfjährigen Sohn an. Das Ende der Leningrad-Blockade sei ein wichtiges historisches Ereignis, sagte die 35-Jährige.

Die militärische Machtdemonstration in St. Petersburg war im Vorfeld auf Kritik gestossen. Fast 5000 Menschen forderten in einer Petition eine Absage des «empörenden Karnevals». Stattdessen solle der Opfer mit einer Schweigeminute und Konzerten gedacht werden.

Soldaten an Parade.
Legende: Über eine Million Menschen starben – ein Drittel der damaligen Bevölkerung des heutigen St. Petersburg. Keystone

Ein Drittel der Bevölkerung verstorben

Am 27. Januar 1944 beendeten sowjetische Truppen die Blockade. Mehr als eine Million Menschen starb während der 900 Tage andauernden deutschen Einkesselung – an den Folgen von Hunger, Kälte und Krankheiten sowie durch Granatenbeschuss. Das war ein Drittel der damaligen Bevölkerung. Auf Befehl Adolf Hitlers sollte Leningrad ab September 1941 durch systematisches Aushungern der Bewohnerinnen und Bewohner ausgelöscht werden.

Deutschland fördert mit zwölf Millionen Euro mehrere Projekte in St. Petersburg. Diese Geste sei «ein Symbol dafür, dass wir uns unserer Verantwortung bewusst sind, aber auch ein Signal, dass so etwas niemals wieder geschehen darf», sagte der deutsche Aussenminister Heiko Maas in einer gemeinsamen Erklärung mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow.

Nach Angaben des Aussenministeriums soll mit dem Geld das Spital für Kriegsveteranen modernisiert werden. In der Klinik würden viele noch lebende Opfer behandelt. Darüber hinaus fördere die deutsche Regierung die Einrichtung eines deutsch-russischen Begegnungszentrums in St. Petersburg.

Putin legt am Petersburger Friedhof Blumen nieder.
Legende: Symbolisch: Putin legt am Petersburger Friedhof Blumen nieder. Keystone
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29 Kommentare

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  • Kommentar von Marina Zingg  (openyourmind)
    Folgende Radio Sendung befasste sich mit der Belagerung von Leningrad:
    Radio SFR 2, Passage von 11.1.2019, 20.00 Uhr. Im Internet ist eine Kurzfassung aufgeschaltet. War eine ausgezeichnete Sendung.
    Literatur dazu: Ales Adamowitsch/ Daniil Granin „Blockadebuch Leningrad 1941 - 1944“ Aufbau Verlag 2018. Die beiden Autoren haben ausschliesslich Zeitzeugen befragt.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
    Schaut man sich allein das Deutsche Benehmen gegenüber der Schweiz an (staatlich geförderter Datendiebstahl, Bespitzelung von Deutschen Investoren in der Schweiz, Erpressung und Nötigung in Sachen EU-Rahmenabkommen, etc..) so kommen da berechtigte Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Worte von Heiko Maas auf.... von wegen "Nie-Wieder"...
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  • Kommentar von Sandra Stettler  (S. Stettler)
    Die Sowjetunion hat im zweiten Weltkrieg 30 Millionen Menschen verloren. Selbstverständlich auch dadurch, dass Stalin die eigenen Leute nicht geschont und gnadenlos in den Tod geschickt hat. Die Blockade von Leningrad hingegen war ein brutales Kriegsverbrechen der Deutschen. Darüber darf und muss auch heute noch gesprochen werden.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey  (Jean-Philippe Ducrey)
      Stalin hat bei den internen Säuberungen viele Offiziere hinrichten lassen und diese Führungskräfte fehlten dann nicht nur beim Deutschen Angriff deutlich, sondern auch vorgängig bei der Ausbildung. Hinzukam der Umstand, dass die Deutschen, anders als die Sowjets, beim Beginn des Russlandfeldzugs bereits über entsprechend trainierte und erfahrene Truppen verfügten. "Von Stalin gnadenlos in den Tod geschickt" trifft nicht zu, wenn man von Churchill & Eisenhower/Truman nicht dasselbe sagen will.
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    2. Antwort von Sandra Stettler  (S. Stettler)
      Herr Ducrey, Krieg ist immer unschön. Den Massenmörder Stalin kann man aber trotzdem nicht auf eine Stufe stellen mit Churchill und Truman, das ist eine völlig verzerrte Darstellung und ziemlich daneben.
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