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Abgasskandal um VW US-Justiz klagt Ex-Chef Winterkorn an

Legende: Audio Die US-Justiz nimmt nun auch den ehemaligen VW-Manager Martin Winterkorn ins Visier abspielen. Laufzeit 1:35 Minuten.
1:35 min, aus HeuteMorgen vom 04.05.2018.
  • Die US-Justiz klagt den früheren VW-Konzernchef Martin Winterkorn an. Der Vorwurf: Betrug und Mittäterschaft im Abgasskandal.
  • Dies geht aus der Anklageschrift hervor. Ihm droht eine lange Haftstrafe.
  • Die US-Behörden vermuten Winterkorn in Deutschland, von wo ihm vorerst keine Auslieferung droht.
VW-Schlüssel mit Schlüsselanhänger in Form der US-Flagge
Legende: Der Volkswagenkonzern hatte nur mit einer Schummel-Software Schadstoff-Grenzwerte eingehalten. Keystone

Es ist die mit Abstand hochrangigste Anklage im «Dieselgate»-Verfahren: Das US-Justizministerium will nun auch den früheren VW-Konzernchef Martin Winterkorn strafrechtlich belangen.

«Wer versucht, die Vereinigten Staaten zu betrügen, wird einen hohen Preis bezahlen», erklärte US-Justizminister Jeff Sessions laut einer Mitteilung. Die Tatsache, dass kriminelle Straftaten des VW-Konzerns von der höchsten Ebene der Konzernführung abgesegnet gewesen sein dürften, sei erschreckend. Dies sagte der zuständige Staatsanwalt Matthew J. Schneider vom östlichen Bezirk Michigans.

Die Vorwürfe gegen den 70-jährigen Winterkorn wiegen schwer: Betrug sowie Verschwörung zum Verstoss gegen Umweltgesetze und Täuschung der Behörden. Das geht aus der Anklageschrift hervor. Diese hatte das zuständige Bezirksgericht in Detroit (US-Bundesstaat Michigan) am Donnerstag veröffentlicht. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm 25 Jahre Haft und eine Geldstrafe von maximal 275'000 Dollar.

Strafanzeige im März gestellt

Die US-Ermittler gehen davon aus, dass Winterkorn im Mai 2014 und Juli 2015 über die Abgasmanipulation informiert wurde. Er habe dann mit anderen Führungskräften entschieden, die illegale Praxis fortzusetzen.

Der Top-Manager war im September 2015 von seinem Amt zurückgetreten, kurz nachdem US-Behörden die Abgasmanipulationen von Millionen Dieselautos bei VW aufgedeckt hatten. VW hatte nur mit einer Schummel-Software Schadstoff-Grenzwerte eingehalten. Winterkorn hatte aber betont, sich keines Fehlverhaltens bewusst zu sein.

Die Strafanzeige gegen Winterkorn in den USA wurde laut der Anklageschrift bereits im März gestellt, aber erst jetzt veröffentlicht.

Volkswagen äussert sich

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Nach der Anklage der US-Justiz gegen den ehemaligen Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn hat der Autobauer seine Kooperationsbereitschaft betont. Volkswagen kooperiere weiterhin vollumfänglich mit dem US-Justizministerium, teilte das Unternehmen mit. Allerdings sei es nicht angemessen, zu individuellen Verfahren Stellung zu nehmen.

Winterkorn ist der neunte ehemalige oder aktuelle VW-Mitarbeiter, gegen den die US-Behörden Strafanzeige in der «Dieselgate»-Affäre stellen. Justizkreisen zufolge wird er aber in Deutschland vermutet, von wo ihm vorerst keine Auslieferung drohen dürfte. Laut einem Gerichtssprecher ist Winterkorn nicht in Haft.

Auch in Deutschland wird ermittelt

VW musste wegen des Skandals in den USA milliardenhohe Strafen zahlen. Durch die Affäre wurde auch das Image des Dieseltreibstoffs schwer beschädigt. Die Krise hält bis heute an. Die US-Justiz hatte zuvor bereits Strafanzeigen gegen acht amtierende und frühere Mitarbeiter des VW-Konzerns gestellt. Zwei von ihnen wurden bereits zu mehrjährigen Haftstrafen und hohen Geldbussen verurteilt.

Gegen Winterkorn und andere Manager wird auch in Deutschland ermittelt. Zum einen wegen des Anfangsverdachts des Betruges, zum anderen wegen Marktmanipulation. Anleger klagen deswegen auf Schadenersatz in Milliardenhöhe, weil die VW-Aktie nach Bekanntwerden des Skandals auf Talfahrt ging.

Glänzende Karriere

Die Manager sollen die Finanzmärkte im Herbst 2015 zu spät über den Abgasskandal informiert haben. Der Konzern wies diesen Vorwurf stets zurück.

Der Winterkorn hatte bis zu seinem Rücktritt im Herbst 2015 eine glänzende Karriere hingelegt. Zusammen mit dem früheren VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch stand er unangefochten an der Spitze des Autokonzerns – bis zum Ausbruch des Dieselskandals. Der frühere Audi-Chef Winterkorn war zuvor seit 2007 Konzernchef von Europas grösstem Autokonzern Volkswagen gewesen.

Grundlegender Wandel

Nachfolger Winterkorns war im Herbst 2015 der damalige Porsche-Chef Matthias Müller geworden. Müller wiederum war erst vor kurzem von VW-Markenchef Herbert Diess an der Konzernspitze abgelöst worden. Damit verbunden war ein massiver Konzernumbau.

Diess hat angekündigt, VW schlagkräftiger zu machen. Das Tempo für Innovationen solle erhöht, neue Akzente gesetzt werden. Die Autobranche ist mitten in einem grundlegenden Wandel hin zu alternativen Antrieben, immer mehr Internet im Auto und autonomen Fahrzeugen.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Es geht hier nicht um Umweltschutz -sonder um eine Straftat mit Betrug von Millionen Kunden - er ist ein ebenso skrupelloser Betrüger wie tausende Andere Manager-die über Leichen gehen -bis man sie einmal durch Zufall entlarvt .
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    1. Antwort von Michael Räumelt (Monte Verita)
      Wenn Betrug ein Beruf wäre , hätte er den Meisterbrief, sein Jahresgehalt von € 15 Mio.(fünfzehnmillionen) bestätigt dies ja.
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  • Kommentar von Udo Gerschler (UG)
    Ein Land was sich durch die Welt mit mit Bomben und Fracking kämpft hat keinen Anspruch auf Rechtssprüchen dieser Art.Ganz zu schweigen was dort in der Landwirtschaft los ist.Die Autoindustrie der USA hat nichts zu bieten was überzeugt.
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    1. Antwort von Edi Steinlin (Chäsli)
      In einem Land in dem bei einigen riesigen Firmen Lug und Betrug an der Tagesordnung ist, wissentlich Abgasresultate gefälscht werden, Millionen von Kunden betrogen werden, sollte der Gesetzgeber knallhart zuschlagen. Es gibt nur ein Land, auf das sich die Europäer immer verlassen konnten, das ist Amerika.
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    2. Antwort von Michael Räumelt (Monte Verita)
      Richtig Herr Steinlin...und in Deutschland gibt es nach 31 Monaten noch nicht mal eine Anklage.. ein Armutszeugnis für die deutsche Justiz...und ein widerlicher Beleg dafür, das immer die Genossen die Bossen schützen.
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  • Kommentar von Peter Wespi (PeterWespi)
    Interessant, dass die Amis hier vordergründig einen auf Umweltschutz machen, jedoch selber offensichtlich und mutwillig selber kräftig daran arbeiten, die Natur nachhaltig zu zerstören. Aber der Satz «Wer versucht, die Vereinigten Staaten zu betrügen, wird einen hohen Preis bezahlen» relativiert diese Soap und bringt es auf den Punkt: Es geht - einmal mehr - um Geld... In diesem Zusammenhang: "Wenn der letzte Baum zerstört ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann..."
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer (Koni)
      Auch hier gilt, wie in der Politik: Hütet euch vor den USA !!!!!
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    2. Antwort von Walter Freiburghaus (sophisticated)
      @Wespi Sie lenken ab. Es geht um Betrug am Konsumenten. Bei uns sind die Medien und Sendegefässe wie Espresso, Kassensturz, Saldo, etc. voll von Berichten über Betrügereien am Konsumenten. Das war's dann meist auch schon, nach dem Motto: "Gut haben wir darüber geredet." weh tut's den Betrügern nicht. Die Amerikaner sind hier anders und sie haben recht damit.
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