Zum Inhalt springen

International Ägyptische Luftwaffe bombardiert IS-Stellungen

Ägypten reagiert mit Luftangriffen auf die Enthauptung koptischer Christen durch die Terrormiliz IS. Libyen reagiert darauf nicht nur mit Zustimmung. Unterdessen fordern Kairo und Paris eine Sitzung des UNO-Sicherheitsrates.

Legende: Video Ägyptische und libysche Kampfflüge gegen IS abspielen. Laufzeit 01:03 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 16.02.2015.

Die ägyptische Luftwaffe hat gezielte Angriffe auf Quartiere, Treffpunkte und Waffendepots der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) geflogen, wie die Armee in einer Erklärung mitteilt. Die Ziele seien präzise getroffen worden. Laut dem Stabschef der libyschen Luftwaffe sind auch libysche Flugzeuge am Einsatz beteiligt gewesen.

Legende: Video Fruchtbarer Boden für Terror abspielen. Laufzeit 01:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.02.2015.

Der libysche Luftwaffenkommandant Saker al-Dschoruschi erklärte im ägyptischen Staatsfernsehen, es seien Waffenlager und Kommunikationszentren der Islamisten getroffen worden. «Die Zahl der Toten liegt mit Sicherheit nicht unter 40 bis 50», erklärte Al-Dschoruschi.

Lob und Kritik

Das international nicht anerkannte Parlament in der libyschen Hauptstadt Tripolis hat die Angriffe der ägyptischen Luftwaffe unterdessen verurteilt. Der Beschuss sei eine «Attacke gegen die Souveränität Libyens» sagte ein Sprecher.

Regierungschef Abdullah al-Thinni forderte dagegen den Westen zum Eingreifen auf. Die «Weltmächte» sollten «militärische Angriffe» gegen die dschihadistischen Milizen IS und Al-Kaida starten.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Pascal Weber abspielen. Laufzeit 01:29 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.02.2015.

Keine langfristige Strategie»

Mit den Angriffen reagiert Ägypten auf die Enthauptung koptischer Christen durch den IS. «Ägypten fühlt sich als ganze Nation angegriffen, egal ob jemand Muslim oder Kopte ist», sagt SRF-Korrespondent Pascal Weber. «Präsident al-Sisi hat eine siebentägige Staatstrauer angeordnet und auch die Muslimbrüder haben die abscheuliche Tat verurteilt.»

Gleichzeitig mische sich eine gewisse Angst in die Gefühle der Ägypter. «Nach wie vor befinden sich rund 300‘000 ägyptische Gastarbeiter in Libyen. Nun ist die Angst gross, dass diese zu einem weiteren Ziel werden.» Sollten weitere Ägypter entführt werden, dann führe dies zu einer weiteren Eskalation.

Keine langfristige Strategie

Die Entführung der Kopten sei schon länger bekannt gewesen, analysiert Astrid Frefel. Sie arbeitet als Journalistin in Ägyptens Hauptstadt Kairo. Präsident Abdel Fattah al-Sisi habe aber bisher nichts dagegen unternommen.

Al-Sisi habe unter Druck gestanden, nun rasch zu handeln, um Führungsstärke zu zeigen, so Frefel. Ob Ägypten mit den Luftschlägen aber wirklich etwas erreichen wird, ist offen. «Ägyptens Präsident hat keine langfristige Strategie im Umgang mit dem Machtvakuum in Libyen, wo sich der IS immer mehr ausbreiten kann», sagt die Journalistin. «Das hat niemand, auch die internationale Gemeinschaft nicht.»

Frankreichs Staatspräsident François Hollande und al-Sisi fordern nun eine Sitzung des UNO-Sicherheitsrates zum Vordringen der IS-Terrormiliz in Libyen. Die internationale Gemeinschaft müsse neue Massnahmen ergreifen, um dieser Gefahr zu begegnen, hiess nach einem Telefongespräch der beiden Staatschefs zur jüngsten Entwicklung in Libyen.

Kirche bestätigt Tötung

Die Terrormiliz veröffentlichte im Internet ein Video, das die Tötung mehrerer Geiseln an der Küste der libyschen Hauptstadt Tripolis zeigen soll. Laut IS sind es Kopten, welche die Terrormiliz in Libyen entführt hat. In dem Video ist die Enthauptung von mindestens zehn Geiseln zu sehen. Das ägyptische Staatsfernsehen sendete Ausschnitte.

Die Tötung von 21 Christen durch den IS wurde von der koptisch-orthodoxen Kirche bestätigt. Die koptischen Christen seien als Gastarbeiter in Libyen gewesen. Auf dem Heimweg nach Ägypten hätten die Terroristen ihren Bus aufgehalten und sie entführt.

Der IS habe die Kopten «ganz bewusst als Ziel ausgesucht», sagt Journalistin Frefel. Einerseits kämpfe der IS in allen Gebieten, in denen er aktiv ist, gegen Christen. Andererseits sei die Tötung der Kopten aber auch klar als gezielter Angriff gegen den Präsidenten al-Sisi und sein Land zu verstehen.

Nach der Veröffentlichung des IS-Videos verurteilten die USA die mutmassliche Enthauptung der Kopten scharf. Ein Sprecher des Weissen Hauses sagte, die «Barbarei» des IS kenne keine Grenzen. Die «verachtenswerten und feigen» Morde bestärkten die internationale Gemeinschaft aber nur in ihrer Entschlossenheit, sich gegen den IS zu stellen.

Angriffs-Ziel in Libyen

Astrid Frefel

Portrait von Astrid Frefel

Die Journalistin lebt und arbeitet seit Ende der Neunzigerjahre in Kairo. Davor war die Ökonomin aus Basel Wirtschaftsjournalistin für verschiedene Zeitungen und berichtete als Korrespondentin für den «Tages-Anzeiger» aus Wien und Istanbul.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von N.Belg, Luzern
    Mir ist auch hier faul. Die IS töten die Menschen ausgerechnet aus dem Land, die ihre eigene Partnerschaftswege suchen und haben. Und was haben sie davon, wenn sie a la Hollywood drehen und nach dem bekommen die Bomben auf sich. Sehr faul alles, wer da hinten steckt...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Bis anhin interessierte es die Ägypter nicht was aus den Kopten wird und wieviele ermordet werden. Und nun plötzlich solch eine Reaktion? Irgend etwas ist da meines Erachtens faul.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Charles Halbeisen, Bronschhofen
      Es ist nun halt nicht mehr der Islamist Mursi Präsident sondern General Sisi. Das ägyptische Militär und Israel arbeiten zB schon seit Jahren zusammen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von christian strahm, aarau
      Herr Mursi verkörpert eine Seite des Islamismus, die Nur-Partei, angeblich eine salafistische Strömung und damit nicht minder islamistisch, eine andere, nämlich diejenige, so hab ich den Eindruck, welche eine ausgewogene Verfassung zu Fall gebracht hat. Die Nur-Partei war auch mit an Bord, als sich mit der Rettungsfront die Entscheidung zugunsten von Herrn Sisi wendete. Man kann sich dann wiederum wundern, wenn plötzlich von salafistischen Dschihadisten im lybischen Derna die Rede ist.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    Die Menschheit wird erst in einer vollständig sozialisierten Welt , das Morden und Bekriegen unterlassen . Das wird noch ca. 100 Jahre dauern - früher haben sich Dörfer gegenseitig bekämpft , heute sind es nur noch Regionen und seltener Länder . Wir müssen beharrlich den sozialen Weg für den Einzelnen und die Gemeinschaft weitergehen mit bedacht auf Geburtenkontrolle .Eine andere Lösung gibt es nicht , bzw. wir werden gezwungen diesen Weg zu gehen - das macht mir Hoffnung .
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von peter plan, sevelen
      @ Kaiser. Entschuldigen Sie Herr Kaiser, mit sozial Weg können Sie die Weltprobleme nicht lösen vielleicht einige Fakten. Westliche Welt ca. 1.1 Milliarde Menschen. Das hat Afrika alleine, China 1.4 Mill., Indien 1 Mill, und wir sollen diese alle Füttern. Da nützt Ihnen die Geburtenkontrolle nichts... Sie haben einer Afrikanischen Frau auch nicht zu sagen wie viele Kinder das diese haben darf. Das ist nicht Sozial sondern Kolonial - in die Welt hinaus gehen um die Welt zu verstehen. Reisen Sie!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Walter Starnberger, Therwil
      Richtig, Herr Plan, wir haben den Leuten nicht vorzuschreiben wieviel Kinder sie haben dürfen. Wir müssen aber auch nicht für ihre Ernährung sorgen. Das können die nämlich selber.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen