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Legende: Audio Sind die Behörden bei einer Evakuierung genügend vorbereitet? abspielen. Laufzeit 07:58 Minuten.
07:58 min, aus SRF 4 News aktuell vom 03.04.2019.
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Aktiver Vulkan in Mexiko Gelassenheit in der Gefahrenzone

Der Ausbruch des Popocatépetl ist so stark wie seit 2000 nicht mehr. Doch das Leben nimmt seinen normalen Gang.

In Mexiko ist der Vulkan Popocatépetl seit einigen Tagen wieder aktiv. Das ist er immer wieder. Dieses Mal ist der Ausbruch aber so stark wie seit knapp 20 Jahren nicht mehr. Der Popocatépetl – «der rauchende Berg» – stösst zurzeit nicht nur Asche, sondern auch immer wieder Lava aus. Die Behörden haben deshalb die zweithöchste Gefahrenstufe ausgerufen.

Karte mit Mexiko Stadt und Popocatepetl
Legende: Im Einzugsgebiet des Vulkans «El Popo» leben rund 25 Millionen Menschen. SRF

Die Journalistin Sandra Weiss lebt in Puebla – und sitze damit quasi unter dem Vulkan, erzählt sie. Die Stadt liegt 35 Kilometer vom Krater entfernt. Doch: «Niemand ist sonderlich beunruhigt. Der Vulkan spuckt ja immer wieder mal.» Die Menschen würden nun halt etwas öfter nach oben schauen, so Weiss.

Sandra Weiss

Sandra Weiss

Journalistin in Mexiko

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Die gebürtige Deutsche lebt und arbeitet seit 1999 als Journalistin in Lateinamerika. Sie berichtet von dort aus für diverse deutschsprachige Medien.

Nach Puebla folgt das Dorf Atlixco, das noch 20 Kilometer vom Vulkan trennt. Die Menschen dort leben von der Landwirtschaft: «Die Asche, die der Vulkan regelmässig ausstösst, macht den Boden extrem fruchtbar», erzählt Weiss. Sie hat Atlixco vor kurzem besucht. «Die Dorfbewohner sind dem Vulkan insofern auch sehr dankbar. Jedes Jahr im März geht ein Schamane hoch und bringt Opfergaben.»

Wenn Panik ausbricht, kollabiert alles.

Die Bewohner in der Vulkanregion vertrauen den Behörden. Diese versuchten auch, die Situation auf kleiner Flamme zu köcheln, so die Journalistin. Eine Pressekonferenz in Puebla, die sie vor kurzem besuchte, «hörte sich ein wenig wie eine psychiatrische Sitzung an». Die Behörden riefen die Medien dazu auf, keine Angst zu schüren. Aber: «Man kann es sich vorstellen: Wenn Panik ausbricht, kollabiert alles.»

Popocatepetl spuckt Lava aus bei Nacht
Legende: Der letzte grosse Ausbruch war im Jahr 2000. Damals fand auch die letzte Evakuierung der nahe liegenden Dörfer statt. Getty Images

Eine Probe-Evakuierung ist nicht vorgesehen – entsprechenden Fragen aus dem Publikum wurde ausgewichen. «Ich bin ein bisschen beunruhigt. Seit der letzten Evakuierung im Jahr 2000 ist Puebla enorm gewachsen», erzählt Weiss. So sicher sei sie sich nicht, dass die Evakuierung bei einem Ernstfall reibungslos und schnell vonstattenginge. «Ich habe nicht den Eindruck, dass die Menschen letztlich wissen, wo sie hin müssen, wenn der Vulkan ausbricht.»

Angst vor Plünderungen

Die Menschen in Atlixco, mit denen Weiss gesprochen hat, wollen ihr Dorf nicht verlassen. Wie im Jahr 2000 haben die Leute Angst vor Plünderungen. Hier sieht die Journalistin ein Problem. Sie befürchtet, dass die Behörden nicht gut vorbereitet sind.

Die Stadt Puebla, im Hintergrund der Popocatepetl
Legende: Die Stadt Puebla ist auch Erdbebengebiet. Sandra Weiss hat einen Notrucksack: «Den habe ich immer gepackt.» Keystone

Fehlende Information kann den Behörden aber trotzdem nicht vorgeworfen werden. «El Popo» ist einer der gefährlichsten und aktivsten Vulkane Mexikos, und er werde engmaschig überwacht – «praktisch konstant» wird vermessen und es gibt einen Live-Stream, Link öffnet in einem neuen Fenster. «Das gibt allen eine gewisse Sicherheit, dass eine Vorwarnzeit da ist», so Weiss. Auch das eingerichtete Warnlampen-System trägt dazu bei, dass sich die Menschen darauf verlassen, rechtzeitig fliehen zu können.

Menschen mit Mundschutz laufen auf der Strasse
Legende: Ascheregen ist häufig, Beunruhigung nur noch selten. Keystone

Gelassenheit in der Gefahrenzone – obwohl die letzte Evakuierung knapp zwanzig Jahre her ist. «Das ist der mexikanische Fatalismus», sagt Weiss. «Die Menschen haben ähnliches schon oft erlebt und hoffen, dass auch dieses Mal der Kelch an ihnen vorübergeht.» Sie erlebt das auch bei sich selbst: «Wir haben öfters Ascheregen, weshalb dann der Unterricht ausfällt oder Fussballspiele abgesagt werden. Man wird gelassener.»

Legende: Video Der Popocatépetl spuckte bereits im Dezember Feuer und Asche abspielen. Laufzeit 00:34 Minuten.
Aus SRF News vom 18.12.2018.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller (P.Müller)
    Was bleibt den Bewohnern denn anderes übrig als ihrem Tagesgeschäft nachzugehen. In der CH haben wir auch noch nie die Evakuation Basel's bei einem Erdbeben und seinen Folgen geprobt. Oder die des Unterwallis bei einem Dammbruch.
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Die Menschen werden vom Vulkan positiv darauf konditioniert, dass Ascheregen, Aktivitäten keine Gefahr bedeuten, denn bisher ist danach nichts passiert. Hoffentlich überleben sie es.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Wie eine Sektflasche unter Druck. Man kann den Korken rasch herausziehen, und das ganze Gas und die Flüssigkeit schiessen heraus, oder man kann es langsam machen. Vorhersagen, wie eine Eruption verlaufen wird, sind nicht möglich. Allerdings weiss man, dass dieser Lavadom früher oder später seinem inneren Druck nicht mehr standhalten wird können. In den letzten Tagen ereigneten sich auch mehrere kleine Erdbeben mit einer Stärke von bis zu 3.4 auf der Richterskala rund um den Berg. Evakuierung?
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