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Kolumbien: 65 ermordete Umweltschützende im Jahr 2020
Aus Rendez-vous vom 22.09.2021.
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Aktivisten in Kolumbien Corona hat die Situation für Umweltschützende verschärft

Auch illegale Geschäfte und Gewaltbereitschaft sorgen für die hohe Mordrate von Aktivisten in Kolumbien. Im Jahr 2020 waren es 65 Ermordete.

Celia Umenza hat drei Attentate überlebt. Das letzte 2014 in Cauca, im Südwesten Kolumbiens. Unbekannte schmissen einen Mörser in ihren Garten. Im kolumbianischen Fernsehsender «El Espectador» sagt sie: «In dem Moment, als der Mörser explodierte, wurden wir vom Druck weggeschleudert. Ich dachte, das ist mein Ende. Ich konnte gerade noch mit meinen beiden Neffen in einen Wassertank kriechen.» 

In dem Moment, als der Mörser explodierte, wurden wir vom Druck weggeschleudert.
Autor: Celia Umenza Umweltschützerin

Celia Umenza ist 48 Jahre alt und eine wichtige Stimme beim Kampf gegen Goldschürfer, Bergbau und Wasserverschmutzung. Dieser Einsatz – und der von hunderten anderen Umweltschützerinnen und Umweltschützern – ist lebensgefährlich.

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Aus dem Archiv: Umweltaktivisten sind weltweit in Gefahr
53:06 min, aus Kontext vom 23.06.2015.
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«Umweltschützer stehen handfesten Interessen gegenüber», sagt Stefan Peters, wissenschaftlicher Direktor des Deutsch-Kolumbianischen Friedensinstituts CAPAZ und Professor für Friedensforschung.

«Es gibt in Kolumbien und in anderen lateinamerikanischen Ländern das Entwicklungsmodell des sogenannten Extraktivismus.» Dieser basiert auf der Ausbeutung und dem Export von Rohstoffen. «Dagegen sperren sich die Umweltschützerinnen und Umweltschützer häufig. Und das sind letztlich eben auch handfeste ökonomische Interessen, denen sie gegenüberstehen», so Peters.

Kriminelle stören sich an Aktivisten

Die Umweltschützer stellen sich illegalen Geschäften in den Weg. Sie gelten als Störenfriede und sollen darum eliminiert werden. Hinter den Gewalttaten stecken meist kriminelle Banden, paramilitärische Gruppen und Rebellen.

Der Kampf gegen Raubbau an der Natur wird immer gefährlicher: Im vergangenen Jahr sind weltweit 227 Umweltschützer getötet worden, das waren mehr als vier Morde pro Woche und mehr als jemals zuvor. Das teilte die Nichtregierungsorganisation Global Witness in einer neuen Studie mit.

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Aus dem Archiv: 227 Aktivisten im Kampf für die Natur gestorben
00:26 min, aus SRF 4 News aktuell vom 13.09.2021.
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Corona habe die Situation verschärft, erklärt Stefan Peters. «Verschiedenste Institutionen, NGOs, kirchliche Organisationen, Journalistinnen und Journalisten waren einfach nicht in der Lage, in den besonders abgelegenen Gebieten weiterzuarbeiten und sie haben sich häufig zurückgezogen. Diejenigen, die sonst durchaus einen gewissen Schutz bieten können, waren nicht mehr da.»

Durch die strikten Ausgangsbeschränkungen wechselten die Aktivistinnen und Aktivisten zudem nicht mehr so oft den Ort, sie waren meistens zu Hause und so wussten die Täter genau, wo sie sind.

Kolumbien ist das gefährlichste Land der Welt für Umweltschützerinnen und Umweltschützer. Die Gewalt ist nach Abschluss des Friedensabkommens vor fünf Jahren kontinuierlich angestiegen. Nach der Entwaffnung und dem Abzug der ehemaligen Farc-Rebellen blieb eine Art Niemandsland zurück, welches von neuen Banden kontrolliert wird. Viel mehr Akteure verfolgen nun ihre Interessen.

Die Kämpfe müssen weitergehen.
Autor: Celia Umenza Umweltschützerin

Einschüchtern lässt sich die Überlebende Celia Umenza nicht. «Wir sind Menschen, natürlich macht uns die Gewalt Angst, aber wir verteidigen das Erbe so vieler Männer und Frauen. Unser Kampf darf nicht enden, wenn jemand stirbt. Die Kämpfe müssen weitergehen.»

Schutz durch Behörden

Die kolumbianischen Behörden bieten den Aktivisten kugelsichere Westen und Fahrzeuge und seit kurzem auch eine besondere App an: Die Umweltschützerinnen und Umweltschützer können auf ihrem Smartphone auf einer App einen Panikknopf einrichten. Den lösen sie bei Gefahr aus.

Nur geht es zum Teil – in diesen abgelegenen Gebieten – Stunden bis die Polizei vor Ort ist. Das ist dann meistens zu spät.

SRF 4 News, Rendez-vous, 22.09.21, 12:30 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Viele dieser schlimmen Menschenrechtsverletzungen haben mit der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen sowie Korruption in Politik und Wirtschaft zu tun. Die Akteure, die hinter den tödlichen Angriffen steckten, sind auch für den Klimawandel verantwortlich. Bergbau, Öl- und Gas-Unternehmen, sowie kriminelle Gruppen und zum Teil auch staatliche Kräfte. Die Staat sollte dafür Sorge tragen, dass Umweltaktivismus unter Schutz steht und alle Regelungen, die Umweltschützer kriminalisieren, aufheben.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Kolumbien gefährlichstes Land für Umweltschützer. Neben Kolumbien zählen auch Nicaragua, Brasilien und die Philippinen zu jenen Ländern, in denen Umweltschützer besonderer Gefahr ausgesetzt sind. Fast ein Drittel der Morde sind auf Rohstoffkonflikte, wie Bergbau-, Staudammprojekte und Abholzung von Wäldern zurückzuführen. Korruption in Strafjustizsystemen schützt zu oft Regierungen und Unternehmen, die für diese Morde verantwortlich sind. Für Geld die Lebensgrundlagen vernichten, erschütternd.