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Krise am Golf «Al Dschasira ist ein Stachel im Fleisch der Saudis»

Legende: Audio Katar gerät weiter unter Druck abspielen.
4:14 min, aus Rendez-vous vom 23.06.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vor knapp drei Wochen brachen Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre diplomatischen Beziehungen mit Katar ab. Seither ist das Land isoliert.
  • Nun haben die vier arabischen Staaten dem Emirat einen Katalog mit Forderungen vorgelegt. Katar soll unter anderem die Beziehungen zum Iran einschränken, die türkische Militärbasis auflösen und den Fernsehsender «Al Jazeera» schliessen.
  • Das Emirat hat noch nicht auf die Forderungen reagiert. Vergangenen Montag aber erklärte Katars Aussenminister, sein Land werde nicht verhandeln, bevor die Isolation aufgelöst sei.
  • Der angegriffene Sender «Al Jazeera» hat erst letztes Jahr sein 20-Jahr-Jubiläum gefeiert. In dieser Zeit revolutionierte er die Medien-Berichterstattung im arabischen Raum.
  • SRF-Korrespondent Fredy Gsteiger erklärt im Interview, wie wahrscheinlich die Schliessung des Senders ist und welche Bedeutung er in der Region hat.

SRF News: Weshalb fordern Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrein und die Vereinigten Arabischen Emirate die Schliessung von «Al Jazeera»?

Fredy Gsteiger: Der Sender hat einen Journalismus in die Region gebracht, der stark westlich inspiriert ist. Dies kannte man vorher nicht. Es gab nur staatlich kontrollierte Medien – Sprachrohre der Regierungen. «Al Jazeera» brach dies auf, deshalb wurde der Sender in kürzester Zeit zum am höchsten respektierten in der ganzen arabischen Welt. In letzter Zeit berichtete «Al Jazeera» auch immer kritischer gegenüber den anderen Golfstaaten – zu kritisch nach saudischem Geschmack. Er ist ein Stachel im Fleisch der Saudis.

Der Sender ist kritisch gegenüber anderen arabischen Ländern, doch wie unabhängig ist er von Katar selbst?

Wirklich unabhängigen Journalismus macht «Al Dschasira» nicht. Man kann es so sagen: Der Sender macht unabhängigeren Journalismus, als es ihn davor in der arabischen Welt gab. «Al Dschasira» wird jedoch mit hunderten Millionen von der katarischen Regierung unterstützt – einer Regierung, die nicht demokratisch ist. Wenn es um innenpolitische Themen geht, ist der Sender keine ernstzunehmende Quelle.

Welche Bedeutung hat der Sender in der Region?

«Al Dschasira» hat eine sehr grosse Bedeutung. Es gibt kaum ein arabisches Land, in welchem der Sender kein breites Publikum hat. Weit über 100 Millionen Menschen in der Region schauen «Al Dschasira». Trotz aller Kritik hebt sich der Sender journalistisch positiv ab gegenüber dem, was in der Gegend üblich ist.

Die Schliessung von ‹Al Dschasira› wäre ein ein erheblicher Prestige-Verlust für Katar.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Katar auf die Forderungen eingeht und den Sender schliesst?

Das hängt vor allem davon ab, wie stark sich Katar von anderen Ländern gestützt fühlt. Da sind einerseits die Verbündeten Iran und die Türkei, ganz entscheidend ist jedoch die Rolle der USA. Donald Trump schlug sich am Anfang klar auf die saudische Seite. Zwischenzeitlich hat er aber gemerkt, dass es nicht in ihrem Interesse ist, wenn die Golfstaaten unter sich zerstritten sind. Amerika betreibt eine grosse Luftwaffenbasis in Katar. Mittlerweile machen die USA deshalb auch Druck auf die Saudis, die diplomatische Krise möglichst schnell zu lösen. Je mehr Interesse die saudische Seite an einer friedlichen Einigung hat, desto unwahrscheinlicher ist die Schliessung «Al Jazeeras».

Wie fest hängt die katarische Regierung am Sender?

Sehr fest. Die Schliessung von «Al Dschasira» wäre ein erheblicher Prestige-Verlust. Der Sender hat das winzige Land Katar in der Welt berühmt gemacht. Ausserdem investierte die Regierung derart viel Geld, dass die Schliessung auch ökonomisch schmerzhaft wäre.

Das Gespräch führte Lars Gotsch.

Fredy Gsteiger

Portrait von Fredy Gsteiger

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St.Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» und Chefredaktor der «Weltwoche».

6 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Mueller (Elbrus)
    Welche Blockade ? Katar erhält von Iran 1000 Tonnen Lebensmittel täglich. Qatar Airlines fliegt jetzt halt ein paar Umwege. Wenn sie zu viele Flieger haben - können Sie dem Iran immer noch 20 ausleihen. Null Problem. Wenn es Zuviel Stress gibt einfach die USA aus dem Land weisen. Dann ist dieser Stützpunkt dann auch weg. Option für Chinesen und Russen.
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  • Kommentar von Jeanôt Cohen (Jeanot)
    Und genau diese Länder, vor allem voran, Saudi-Arabien, sitzen im Menschenrechtsrat der UNO. Die sich gegenseitig erpressen, Meinungsfreiheit gleich 0. Und nebenbei wird die Bevölkerung von Jemen ermordet. So seht man wie lächerlich alle diese Welt Politik ist.
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  • Kommentar von Ilse König (königin)
    Der wirkliche Grund, für die Anti Qatar Stimmung im arabischen Raum ist deren technischer Vorsprung, Erdgas zu verflüssigen. Dadurch wurden sie wirtschaftlich und eben auch politisch unabhängig von den ganzen Anrainer. Einmal mehr geht es hier halt um Rohstoffe und Geld.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Dies ist ausgesprochen zweifelhaft. Erdgasverflüssigung ist doch eine breit gestreute Technologie. Ich sehe da keinen nenneswerten Vorsprung von Katar.
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