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China hat ein Nachwuchsproblem
Aus SRF 4 News aktuell vom 10.02.2021.
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«Alarmierender Tiefstand» Teurer Nachwuchs: Drastischer Geburtenrückgang in China

Trotz Aufhebung der Ein-Kind-Politik geht die Zahl der Geburten in China rapide zurück. Die Gesellschaft überaltert.

Die Zahl der Geburten in China ist im vergangenen Jahr drastisch auf einen «alarmierenden» Tiefstand gefallen. Im Vergleich zum Vorjahr seien 15 Prozent weniger Neugeborene amtlich gemeldet worden, berichtete das Ministerium für öffentliche Sicherheit in Peking.

Die Zahl sei von 11.79 auf 10.04 Millionen gefallen. Experten warnen vor einer Überalterung im bevölkerungsreichsten Land der Erde, die damit noch deutlich schneller als erwartet voranschreitet. Das werde das Wachstum der zweitgrössten Wirtschaftsnation bremsen.

Auch eine Kostenfrage

Wirklich neu sei der Trend nicht, berichtet SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi aus Schanghai. Kinder kriegen – und vor allem Kinder grossziehen – sei für viele Chinesinnen und Chinesen zu teuer geworden. «Nachhilfeunterricht und vor allem der Musikunterricht gehören oft dazu. Das wird hier sehr ernst genommen.»

Mit dem Wohlstand ist auch die Mittelschicht gewachsen. Und auch die Ansprüche sind gestiegen. So werde etwa erwartet, dass sich Familien eine Wohnung kaufen – gerade in boomenden Megametropolen ein kostspieliges Unterfangen.

Chinesisches Paar heiratet
Legende: Auch in China heiraten die Menschen immer später oder teils gar nicht. Grossfamilien haben auch nach der Aufhebung der Ein-Kind-Politik Seltenheitswert. Keystone

Aldrovandi nennt das Beispiel einer befreundeten Familie ihn Schanghai. «Sie haben einen zweijährigen Sohn und überlegen sich jetzt schon, in einen anderen Stadtteil zu ziehen, nur damit das Kind in den bevorzugten Kindergarten kommt.» Für die Erziehung werde zeitlich und finanziell sehr viel aufgewendet. «Da sagen sich viele: ein Kind genügt.»

Freiwillige Ein-Kind-Politik

Die Aufhebung der seit 1979 geltenden Ein-Kind-Politik hatte 2016 nur vorübergehend zu einem leichten Anstieg der Geburten geführt, doch ist die Zahl seither wieder stetig gefallen.

Zwei Frauen ziehen Kinder auf Schlitten in Schanghai
Legende: Die jährliche Geburtenrate hatte nach Angaben des Statistikamtes bereits 2019 den niedrigsten Stand seit Gründung der Volksrepublik 1949 erreicht. Keystone

Der Politikwechsel hatte also nicht den erwünschten Effekt auf die Geburtenrate. Auch weil in China eine ganze Generation herangewachsen ist, die oft keine Geschwister haben. «Sie sind selbst als Einzelkinder gross geworden, also ist es für sie der Normalfall, nur ein Kind zu haben», sagt Aldrovandi.

Sorgen ums Wirtschaftswachstum

Wie viele westliche Industrienationen hat nun auch China mit der Überalterung der Gesellschaft zu kämpfen. Die Arbeitskräfte werden weniger, gleichzeitig sind immer mehr Menschen im Ruhestand. Pekings erklärtes Ziel ist, die USA als Wirtschaftsmacht Nummer Eins abzulösen – der Rückgang der arbeitsfähigen Bevölkerung steht dem Wachstum aber im Weg.

Altersheim in Schanghai
Legende: China muss sich auch Punkto Infrastruktur auf die gesellschaftlichen Veränderungen einstellen. Denn es mangelt an Alters- und Pflegeheimen im Land. Getty Images

Die Gefahr, dass der Wirtschaftsriese China ins Taumeln gerät, besteht für den Korrespondenten durchaus. Die Regierung versucht, den Konsum zu fördern, um Gegensteuer zu geben. «Und es gibt Kampagnen und auch Prämien, um die Geburtenrate anzukurbeln.» Den gewünschten Effekt hat all das bislang nicht gebracht.

Jahrzehntelang hat sich der Staat brutal in die Familienplanung eingemischt. Auch mit Zwangsabtreibungen und Sterilisationen. Helfen könnte aber ein einfaches Mittel, resümiert Aldrovandi: «Die Leute einfach mal machen lassen. Man kann ihnen offenbar nicht vorschreiben, wie sie ihr Leben gestalten sollen.»

Video
Aus dem Archiv: China gibt Ein-Kind-Politik auf
Aus 10 vor 10 vom 29.10.2015.
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SRF 4 News, 10.02.2021, 8:45 Uhr;

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45 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Die Zahl der Geburten in China ist im vergangenen Jahr drastisch auf einen «alarmierenden» Tiefstand gefallen." Endlich einmal ein gute Nachricht fürs Klima und Umwelt. Es spielt keine Rolle, wo auf der Welt, jeder Geburtenrückgang ist Balsam auf die Wunden unseres Planeten.
    1. Antwort von Ruedi Möckli  (rm)
      Doch, es kommt darauf an wo. Der durchschnittliche Schweizer hat einen viel grösseren ökologischen Fussabdruck als der durchschnittliche Chinese.
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Ruedi Möckli: Aber nicht mehr lange!
  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Verzicht auf Kinder: Welches sind die Gründe?
    Warum haben auch die Schweizerinnen immer weniger Kinder? Ist es die Priorität der eigenen Lebensziele, die Überbelastung durch Beruf und Familie gleichzeitig, Finanzprobleme, Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Umwelt oder sogar Angst vor den späteren Vorwürfen der Kinder?
  • Kommentar von Semat Özen  (Semat)
    St. Hawking
    Hatte sein fast ganzes Leben mit den schwarze Löchern und Aatrophysik beschäftigt. Seinen letzten Jahren widmette er sich um „Ende der Menschheit!“
    Seine Prognose 2013 war, dass die Menschheit in 1000 Jahren, durch überbevölkerung, genetisch veränderte Virus und Klimawandel zu Ende gehen werde.
    Kurz vor seinem Ableben, korrigierte er das Ende der Menschheit auf 100 Jahren und die einzige Rettung sei, einen Planet ausserhalb unser Sonnensystem zu kollonialisieren. Nichts gelernt
    1. Antwort von Mark Stalden  (Mark)
      In 100 Jahren, sie beliben zu Scherzen, wir kommen nicht mal weiter als bis zu Mars bisher. Hawkins war ein Schlauer Kopf und er mag Recht haben, aber in 100 Jahren sollten wir besser den Klimawandel anpacken, doch bei Alten Wählerschaft der Schweiz ist dies noch nicht angekommen. Unsere beste Chance ist die Erde zu Retten dazu müssen aber erst einige Köpfe verstehen das nicht Parteipolitik die Lösung ist sondern ein Kollektiv, leider habe ich das wenig Hoffnung.
    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Mark "... doch bei Alten Wählerschaft der CH ist dies noch nicht angekommen" Danke für Ihre Pauschalbeurteilung meiner Generation! Bin auch so eine Alte, sage Ihnen aber, dass meine Generation nach einem Leben in Bescheidenheit idR nie so naturinkompatibel u.verschwenderisch lebte wie die heutige Fungesellschaft. Zudem: Natur-/Umweltschutz ist nur sinnvoll bei gleichzeitiger Bev'reduktion! Wachsen wir exponent.über 1.2%/J weiter wie seit 20J, wird sich die Menschheit in ca 55J verdoppelt haben.