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Ewiger Frieden mit Frankreich «Alle haben um die Gunst der Eidgenossen geworben»

500 Jahre ist er nun alt: der «Ewige Frieden» zwischen der Schweiz und Frankreich. Historikerin Kathrin Utz Temp erklärt, wieso der französische König die Einigung unbedingt wollte und wieso die Schweizer Neutralität gerade nichts damit zu tun hat.

Legende: Video 500 Jahre «ewiger Frieden» abspielen. Laufzeit 1:49 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.11.2016.

SRF News: Wie genau kam dieser Friede zu Stande?

Kathrin Utz Tremp: Nach der blutigen Niederlage der Schweizer bei der Schlacht von Marignano 1515 gegen die Franzosen standen die Eidgenossen unter Schock und suchten deswegen den Frieden. Es gab schnell ein erstes Abkommen, das in Genf unterzeichnet wurde. Damit waren jedoch nicht alle Eidgenossen einverstanden, so dass rund ein Jahr lang weiter verhandelt werden musste – bis zum Abkommen von Freiburg.

Der französische König François drängte auf diesen Frieden. Er zahlte den Eidgenossen auch viel Geld. Aber eigentlich war er ja der Sieger von Marignano. Warum also tat er dies?

Das ist paradox, aber der König wollte die eidgenössischen Söldner auf seiner Seite haben. Diese waren immer noch schlagkräftig. Er wollte sicher sein, dass sie niemandem anderen helfen. König François war auch nicht der einzige, der auf ein Bündnis drängte. Der deutsche Kaiser, die englischen und spanischen Könige sowie der Papst, sie alle haben damals um die Gunst der Eidgenossen geworben.

Die Eidgenossen waren ein kriegerisches Volk.

Freiburg war schon damals zweisprachig und konnte so gut vermitteln
Autor: Kathrin Utz TrempHistorikerin

Das waren sie, wobei Marignano dabei eine Art Wendepunkt war. Die Eidgenossen waren Infanterie, der französische König hatte bereits Kanonen. Dem waren die Schweizer nicht mehr gewachsen.

Warum wurde dieser Vertrag ausgerechnet in Freiburg im Uechtland unterzeichnet?

Freiburg hatte damals als einziger der 13 eidgenössischen Orte eine zweisprachige Kanzlei. Sie konnte also zwischen den deutschen und den französischen Gesandten vermitteln und Dokumente rasch übersetzen. Freiburg hat hier seine Kompetenzen gut ausgespielt. Auch die Schlussurkunden, sowohl die deutsche Version wie auch die lateinische, wurden vom Freiburger Stadtschreiber geschrieben.

Die Schlacht bei Marignano und der ewige Frieden von Freiburg gelten bei einigen als Geburtsstunden der Schweizerischen Neutralität. Ist da was dran?

Nein, das ist falsch. Wenn man einen Frieden schliesst und kurz darauf ein Bündnis mit dem stärksten Nachbarn ist das noch lange keine Neutralität. Für die Eidgenossen wurde es zu jener Zeit immer schwieriger, eine Aussenpolitik zu betreiben, weil man sich auf keine gemeinsame Linie einigen konnte. Dazu kam die konfessionelle Spaltung. Die Schweiz ist dann 1815 auf dem Wiener Kongress von aussen «neutralisiert» worden, also erst viel später.

Hat man sonst etwas gelernt aus diesem ewigen Frieden?

Das ist schwer zu sagen. Er hat die Ausrichtung der Eidgenossenschaft und vor allem der westlichen Kantone auf das «Ancient Regime», auf die französische Kultur geprägt. Besonders Freiburg hatte enge Beziehungen zum französischen Thron, viele Freiburger sind in fremden Diensten gestorben.

Auch heute leben noch 200'000 Schweizer in Frankreich, eine grosse Population.

Ja, das ist durchaus ein Erbe des «Ewigen Friedens» und des späteren des Bündnisses mit Frankreich.

Das Gespräch führte Patrick Mühlhauser.

Zur Person

Kathrin Utz Tremp ist Historikerin und ehemalige wissenschaftliche Mitarbeiterin des Freiburger Staatsarchivs.

Der Ewige Frieden

Nach der Schlacht von Marignano 1515 dauerte es mehr als ein Jahr, bis in Freiburg am 29.11.1516 der Ewige Frieden geschlossen wurde zwischen den 13 Orten der Eidgenossenschaft und dem König von Frankreich. Nach dem Vertrag kam es auch bald zum Bündnis mit Frankreich (1521).

6 Kommentare

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  • Kommentar von John Johnson (Kelten)
    Dieser Vertrag mit den Franzosen „des ewigen Fiedens“ von 1516 wurde bekanntlich von den Franzosen 1798 gebrochen, als die Franzosen mordend in die Schweiz einfielen und dem Staat und Bevölkerung alles raubten, was nicht „Nagel und Nietfest“ war. Mit dieser Beute finanzierte Napoleon seinen Schlachtzug nach Ägypten. Bis heute hat sich Frankreich für mordenden und kriegerischen Räubereien gegen die Schweiz von 1798 weder entschuldigt, –noch sonst wie auf Wiedergutmachung erkenntlich gezeigt.
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  • Kommentar von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
    So und jetzt vergleiche man das hier mit den netten Märlis zu Marignano und der "Neutralität" eines Dr. jur. Wolfram Christof Blocher ...
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Die Neutralität, die der Schweiz auf dem Wiener Kongress von 1815 zugesprochen worden ist, sollen wir hüten wie einen Schatz. Die Neutralität ist ein riesengrosser Standortvorteil. Ich wünschte, Länder wie die Ukraine, Georgien oder Moldawien bekämen auch einen neutralen Status zugesprochen.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Es gab in der Geschichte schon viele neutrale Staaten, die so entäußert, überrannt wurden. Oder anders ausgedrückt, man braucht Nachbarn, welche die Neutralität achten und da sollten Sie in der Schweiz dafür dankbar sein, dass Sie ein solches Glück hatten. Ukraine, Georgien oder Moldawien sind de facto neutrale Staaten, sie gehören keinem Militärbündnis an, haben die aber Rechnung ohne Putin gemacht, besser wäre es gewesen, sie hätten sich in der Gunst der Stunde der NATO angeschlossen.
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    2. Antwort von Lutz Bernhardt (lb)
      @xyzz. Nicht übertreiben. Es lief auch schon mit Nachbarn, die ganz andere Vorsätze hatten. "Die Schweiz, das kleine Stachelschwein, die holen wir auf dem Rückweg heim." Neutralität muss immer bewaffnet sein. Und dann müssen noch irgendwelche Trümpfe im Ärmel stecken. Wie etwa die Nord-Süd-Verbindung zwischen Deutschland und Italien. Und grade da gibt es in der EU Aktivitäten für neue Verbindungen. Um die Neutralität der Schweiz killen zu können. Also das "Glück" mit den Nachbarn ist beschränkt!
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    3. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      @lutz bernhardt: ........................Sie hören das Gras wachsen
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