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Amnesty-Bericht Hinrichtungen auf Höchststand seit Jahrzehnten

Amnesty International berichtet, dass es im vergangenen Jahr einen Höchststand an vollstreckten Todesstrafen gab.

Mehr als 2700 Menschen wurden im vergangenen Jahr weltweit hingerichtet. Das sind ganz erheblich mehr als in den Jahren davor. Derart viele Todesstrafen wurden seit 44 Jahren nie mehr vollstreckt, wie aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International hervorgeht.

Sogar mehr als verdoppelt hat sich die Zahl der Hinrichtungen im Iran, nämlich auf gegen 2200, wie Chiara Sangiorgio gegenüber SRF betont. Sie ist am Amnesty-Hauptsitz in London zuständig für das Thema Todesstrafe.

Hohe Dunkelziffer in China

Noch mehr Hinrichtungen dürfte es einzig in China gegeben haben. Doch dessen Zahlen fehlen im jährlichen Bericht, weil China keine publiziert und die Vollstreckung der Todesstrafe als Staatsgeheimnis behandelt. Die geschätzte Dunkelziffer dort beläuft sich auf mehrere tausend pro Jahr.

Auch in Saudi-Arabien (356 Hinrichtungen), in Kuwait, Ägypten, Singapur und auch in den USA (dort waren es 47) wurden 2025 deutlich mehr Todesurteile vollstreckt als im Jahr davor.

Drogendelikte werden mit dem Tod bestraft

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Mit 1257 von den 2707 dokumentierten Fälle wurde fast die Hälfte der bekannten Hinrichtungen wegen Drogendelikten in China, Kuwait, Saudi-Arabien, Singapur und im Iran vollstreckt. Amnesty kritisiert scharf, dass auch in weiteren Ländern Gesetzesvorhaben vorangetrieben werden, um Drogendelikte mit der Todesstrafe ahnden zu können.

Die Todesstrafe dürfe aber ausschliesslich bei «schwersten Verbrechen» verhängt werden. «Die Todesstrafe verletzt die Würde des Menschen immer in ihrem Kern. Doch Menschen für Straftaten wie Drogendelikte hinzurichten, ist zusätzlich ein klarer Bruch des Völkerrechts», sagte Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty Deutschland gegnüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Diese Praxis ist nicht nur rechtswidrig, sondern zutiefst menschenverachtend.»

In manchen Staaten steht die Todesstrafe hauptsächlich im Zusammenhang mit Drogendelikten, etwa in Saudi-Arabien oder Singapur.

So zeigt der Staat seine Macht.
Autor: Chiara Sangiorgio Zuständige für das Thema Todesstrafe bei Amnesty International

In Ländern wie dem Iran handelt es sich hingegen weniger um ein Instrument der Strafjustiz als um eine Methode zur politischen Einschüchterung, zum Schüren von Angst und zum Ausschalten politischer Gegner. «So zeigt der Staat seine Macht», so Chiara Sangiorgio.

113 Länder ohne Todesstrafe

Es gibt nach wie vor kein weltweites Verbot der Todesstrafe auf UNO-Ebene, da dazu keine Einigkeit besteht. Doch im Verlauf der Jahrzehnte wurde sie immer breiter geächtet. 113 Länder haben sie mittlerweile ganz abgeschafft.

Eine Zelle aus einem US-Gefängnis, wo Menschen hingerichtet werden können.
Legende: Amnesty International verzeichnet einen Anstieg von Hinrichtungen im Vergleich zum Vorjahr um 78 Prozent. AP Photo/Eric Risberg (Archiv)

Viele weitere verhängen oder vollstrecken sie de facto nicht länger. In den beiden Amerikas sind die USA das einzige Land, das noch auf die Todesstrafe setzt, doch nur noch einzelne Bundesstaaten vollstrecken sie regelmässig, am häufigsten tut das Florida.

Todesstrafe wieder eingeführt

Hingerichtet wurde 2025 noch in siebzehn Ländern, eine historisch tiefe Zahl.

Eine Gegenbewegung angesichts des Vormarschs autoritärer Regime ist indes nicht länger auszuschliessen: So hat Burkina Faso die Todesstrafe wieder eingeführt, Tschad und Peru erwägen, es zu tun, und Israel hat sie, gegen Palästinenser gerichtet, ausgeweitet.

SRF 4 News, 18.05.2026, 3:00 Uhr

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