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Angst, Traumata, Verletzungen Millionen von Kindern leiden wegen Kriegen

  • Kinder in Konfliktgebieten haben nach Angaben von Unicef im vergangenen Jahr «ein extremes Ausmass an Gewalt erleiden» müssen.
  • Millionen Kinder seien 2018 schweren Kinderrechtsverletzungen ausgesetzt gewesen, heisst es in der Jahresbilanz. Tausende seien «direkte Opfer von Kriegsgewalt» geworden.
  • Am stärksten betroffen sind diverse afrikanische Länder. Aber auch in Europa gibt es Problemregionen.

Die Weltgemeinschaft habe dabei versagt, die Kinder zu schützen, schreibt Unicef. «Schon viel zu lang begehen Konfliktparteien schreckliche Gräueltaten und werden in den meisten Fällen dafür nicht bestraft», sagte Manuel Fontaine, Leiter der weltweiten Nothilfe-Programme von Unicef. «Die Kinder können und müssen dringend besser geschützt und unterstützt werden.»

Kinder im Jemen vor einer Einrichtung für ehemalige Kindersoldaten
Legende: Kinder im Jemen vor einer Einrichtung für ehemalige Kindersoldaten. Keystone

Zu den Konfliktländern, in denen Kinder im Jahr 2018 massiver Gewalt, Armut und Hunger ausgesetzt waren, zählt Unicef vor allem Afghanistan, Irak und Jemen sowie zahlreiche afrikanische Länder: Kamerun, die Demokratische Republik Kongo, Nigeria, Somalia, die Zentralafrikanische Republik und der Südsudan werden in dem Bericht ebenso hervorgehoben wie die Tschadsee-Region und die Grenzregion zwischen Mali, Burkina Faso und Niger.

In den Palästinensergebieten und Israel litten viele Kinder unter Angst, Traumata und Verletzungen, heisst es in dem Bericht weiter. Menschenrechtsverletzungen gebe es auch weiterhin gegen die Minderheit der Rohingya im asiatischen Myanmar.

Zerstörte Schulen in der Ostukraine

In Europa sieht Unicef die Lage in der Ostukraine kritisch: Mehr als vier Jahre Konflikt hätten «schwere Auswirkungen auf das Bildungssystem» gehabt, heisst es in der Jahresbilanz. Hunderte Schulen seien zerstört oder beschädigt worden.

700'000 Kinder lernten in einem Umfeld, das wegen unregelmässiger Kämpfe, Minen oder Blindgängern nicht sicher sei. Am schlimmsten sei die Situation der rund 400'000 Kinder, die in unmittelbarer Nähe der Frontlinie lebten.

Vergewaltigungen und Zwangsverheiratungen in Nigeria

In Afrika sind laut Unicef tausende Schulen aus Sorge vor Angriffen geschlossen. Kinder seien zudem auf dem Weg zur Schule Gewalt ausgesetzt oder würden – wie in Nigeria und Kamerun geschehen – aus Schulen entführt.

In Nigeria nehme die Miliz Boko Haram gezielt Mädchen ins Visier. Diese würden mit Kämpfern zwangsverheiratet, vergewaltigt oder für Attentate missbraucht. Nach wie vor werden laut Unicef in vielen Konfliktstaaten Kindersoldaten rekrutiert.

Auch wenn Kriege weitergehen, dürfen wir Angriffe gegen Kinder niemals akzeptieren.
Autor: Manuel FontaineLeiter Nothilfe-Programme Unicef

Unicef rief alle Konfliktparteien dazu auf, Gewalttaten gegen Kinder zu beenden sowie Angriffe auf zivile Infrastrukturen zu unterlassen. Alle Staaten mit Einfluss auf Konfliktparteien müssten diesen zum Schutz der Kinder nutzen, forderte das Uno-Kinderhilfswerk.

«Es muss dringend mehr passieren, um Kriege zu vermeiden und die vielen verheerenden bewaffneten Konflikte zu beenden», sagte Fontaine. «Aber auch wenn Kriege weitergehen, dürfen wir Angriffe gegen Kinder niemals akzeptieren.»

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Sinisa Markovic (Mr. Markovic)
    Wir sollten doch einfach ehrlich sein und der Wahrheit ins Gesicht schauen. Unser grosses Vorbild die USA sind zu 90ig % an der Situation dieser Kinder verschuldet. Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien, Ukraine, u.v.m. alles von den USA kreierte Konflikte. Jeder materialistische Wunsch von uns im kapitalistischen Westen, erzeugt Not und Leiden in der dritten Welt. Diese Tatsache sollten wir uns einfach endlich ins Bewusstsein rufen und dann zusammen Lösungen erarbeiten.
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    1. Antwort von Markus Baumann (pierrotlunaire)
      @Markovic Es ist heute jedem neutralen Beobachter klar, dass Ihre einseitige Sichtweise „Die USA sind schuld“ schlicht und einfach falsch ist. Es sind immer ein ganzes Bündel von Ursachen zu finden, die zu einem Konflikt führen und diesen dann ausbrechen lassen. Einseitige Schuldzuweisungen sind darum reine Propaganda.
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  • Kommentar von Jürg Häusermann (Ebenda)
    Es ist schwierig, Kindern in Kriegsgebieten spezifische Hilfe zukommen zu lassen. Sie sind nicht Ziel eines Krieges, sondern die Unschuldigsten, deren Tod einfach in Kauf genommen werden. Es sind die Kriegsparteien die Teufel, die gar nichts unternehmen, um Kinder in Kriegsgebieten speziell zu schützen. Schon alleine dafür gehören sie vor ein Kriegstribunal.
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  • Kommentar von Markus Baumann (pierrotlunaire)
    Ryszard Kapuściński, der grosse polnische Journalist, bereiste seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wiederholt Afrika. Er beschreibt in seinen Büchern die gleichen Gräuel wie UNICEF heute. Dieselben Länder. Clans, Warlords, Stämme, die sich seit Generationen nicht vertragen. Regierungen, die sich weigern, Wahlen abzuhalten. Oppositionelle, die verhaftet werden und verschwinden. Eine unendliche Geschichte. Und Hunderttausende sind gestorben, wenn nicht Millionen. Was tun?
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