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International Angst vor Flüchtlingsdrama im Irak

Der Irak plant noch in diesem Jahr einen Angriff auf die Stadt Mossul, die vom Islamischen Staat kontrolliert wird. Hilfsorganisationen warnen vor einem neuen Flüchtlingsstrom: Sie rechnen damit, dass 700'000 Menschen das Land verlassen werden.

Legende: Video Offensive auf Mosul steht offenbar kurz bevor abspielen. Laufzeit 04:58 Minuten.
Aus 10vor10 vom 14.10.2016.

Hilfsorganisationen warnen vor einem neuen Flüchtlingsdrama im Zuge der geplanten Offensive auf die nordirakische IS-Hochburg Mossul. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR rechnet nach eigenen Angaben mit bis zu 700'000 Menschen, die fliehen und auf humanitäre Hilfe angewiesen sein könnten.

«In dem Moment, in dem ein solcher Strom von Menschen kommt, wird die Lage chaotisch werden», warnt Karl Schembri, der Sprecher der Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council. Hinzu kommt: Einige Notfalllager sind laut Schembri gar nicht geeignet, Flüchtlinge aufzunehmen, weil sie zu nahe an der Front liegen und deswegen für Helfer nicht zu erreichen sind.

Seit Jahren haben wir im Irak Hunderttausende Vertriebene, aber nicht genug finanzielle Mittel.
Autor: Karl SchembriSprecher Norwegian Refugee Council

Zudem sei die humanitäre Hilfe im Irak chronisch unterfinanziert. «Der Irak wird nur als Sicherheitsfrage wahrgenommen», so Schembri. Der UNHCR benötigt für die Versorgung der Mossul-Flüchtlinge nach eigenen Angaben rund 200 Millionen US-Dollar, hat davon aber bisher nur rund ein Drittel erhalten.

Gegen Hundert irakische Flüchtlinge warten in einer Halle auf einen Zug.
Legende: Irakische Flüchtlinge warten im Exil auf die Weiterfahrt. Keystone/Archiv

Streit um Kriegspartner

Mossul ist die letzte Bastion der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak. Derzeit formiert sich in der Region eine Allianz verschiedener Kräfte, welche die Stadt befreien will.

Beobachter halten einen Beginn der Offensive noch in diesem Monat für möglich. Die Türkei streitet sich mit dem Irak, wer sich an der Eroberung Mossuls beteiligen soll. Die Türkei will verhindern, dass kurdische Separatisten in der Region mehr Einfluss erlangen.

In der Metropole lebten vor der Einnahme durch den IS 2014 knapp zwei Millionen Menschen, heute sollen es bis zu 1,5 Millionen sein.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Der IS hat unbestritten den selben Ursprung wie die führenden Rebellen in Ost-Aleppo (Fateh al-Sham); während die Dschihadisten Aleppos auf die Unterstützung westlicher Medien zählen können, werden dies die Zivilisten in Mossul nicht können; dasselbe Leid, nicht dasselbe Intresse. Die menschenverachtende Ideologie des neoliberalen Kolonialismus wird von einer weltweit koordinierten Medienkampagne unterstützt, aus den immer gleichen Quellen und mit dem Motto: "Neutralität ist keine Option".
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    An der Zukunft Mossuls zerren viele Kräfte. Der Irak sperrt sich gegen fremde Einflüsse, die Kurden sehen eine Chance, dass sie mit Mossul ein Basis für mehr Souveränität bekommen, Erdogan will das mit allen Mitteln verhindern, der Iran unterstützt naturgemäss Schiiten. Die derzeitige Regierung des Iraks ist ohne Unterstützung aus den USA extrem instabil. Die meisten Parteien sind auf Hilfe von aussen angewiesen. Erdogan möchte aber mehr verhindern als neu aufbauen.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Einen Bericht mit Filmaufnahmen gesehen, unterstützen die Amerikaner u. a. auch mit Bodentruppen aktiv die derzeitige Regierung des Irak bei der Invasion auf Mossul. Heute hätten sie Flugblätter für die Zivilbevölkerung in Mossul, mit Aufforderung ihre Häuser nicht zu verlassen, abgeworfen. Aber auch in Mossul, genau wie in Aleppo, halten der IS die Menschen als lebende Schutzschilder gefangen. Es wird also auch da viele unschuldige Menschen treffen.
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