Belgien und Norwegen, zweimal Niederlande: Innerhalb von sechs Tagen ereigneten sich vier Attentate gegen jüdische Einrichtungen in Europa, zuletzt in der Nacht auf Samstag in Amsterdam. Zudem mehrere Attentate in Nordamerika, und weltweit zahlreiche mutmasslich verhinderte Pläne. Tote sind keine zu beklagen, doch die Häufung der Fälle stellt eine beunruhigende Dynamik dar.
Die naheliegende Erklärung: Die Luftschläge der USA und Israel im Iran. Tatsächlich hatten verschiedene Behörden vor solchen Reaktionen gewarnt.
Auch der am Dienstag veröffentliche Jahresbericht antisemitischer Vorfälle in der Schweiz zeichnet für die letzten Jahre dieses Muster nach: Meldungen aus dem Nahen Osten im Zusammenhang mit Israel führen oft zu einem Anstieg judenfeindlicher Beleidigungen und Drohungen bis hin zu Angriffen.
Terror gegen Juden als Front im Krieg
Mit anderen Worten: Jüdinnen und Juden werden verantwortlich gemacht für – vermeintliche oder tatsächliche – Handlungen der israelischen Regierung und Armee. Und so zu legitimen Zielen erklärt.
Bei genauerer Betrachtung des Terrors gegen Jüdinnen und Juden ist exakt das das Ziel: Eine Front zu eröffnen, mitten durch den Westen.
Mehrere der Anschläge in Europa – gegen eine Synagoge in Liège (Belgien), gegen eine Synagoge in Rotterdam und gegen eine jüdische Schule in Amsterdam – werden von einer schiitischen Gruppe reklamiert. Diese war bislang nicht öffentlich bekannt. Ihr Logo und die Kommunikationskanäle der Bekennerbotschaften deuten aber auf eine Nähe zum Regime in Teheran hin.
Anfangs März wurden im Grossraum Toronto zwei Synagogen beschossen. Wie weit die Täter dort einer Gruppierung zuzuordnen sind, ist nicht bekannt. Am Donnerstag rammte ein Bewaffneter sein Auto in ein jüdisches Zentrum in West Bloomfield, USA. Der Tatverdächtige soll gemäss Medienberichten bei Luftangriffen der israelischen Armee im Libanon Angehörige verloren haben.
Krieg ist keine Rechtfertigung
Der Krieg ist offensichtlich ein Trigger. Doch manche wollen glauben machen, er sei auch eine Rechtfertigung. Extremisten scheinen damit so erfolgreich zu sein, wie lange nicht mehr. Die Hintermänner sind verschiedener Couleur: Manche Spuren führen zum iranischen Regime, dann gibt es die Terroraufrufe der Dschihadisten des IS, andere sind gewaltbereite Linksextreme. Relativierungen oder Verständnis aus einer breiteren Öffentlichkeit hilft ihnen.
Denn die jüngste antisemitische Gewaltserie ist nicht alleine mit emotionalen Überreaktionen zu erklären – der Boden für Judenhass ist zumindest teilweise bewusst bereitet worden.