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USA verpassen Bidens Impfziel
Aus Tagesschau vom 19.07.2021.
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Ansteckungen steigen wieder Ernüchterung nach dem Impf-Blitzstart in den USA

Trotz frühem Impfstart sind rund 30 Prozent der Erwachsenen in den USA ungeimpft. Nun steigen die Ansteckungszahlen wieder.

Die USA starteten als eines der ersten Länder mit dem Impfen und zogen innert Kürze eine effiziente Kampagne hoch. Doch inzwischen ist die Zahl der täglich verabreichten Impfungen massiv gesunken. Die Impfungen stagnieren. US-Präsident Biden musste kürzlich zugeben, dass er sein Ziel von 70 Prozent einmalig geimpften Erwachsenen bis zum 4. Juli verfehlt hat. Wenn man den Anteil der voll Geimpften in der Gesamtbevölkerung der USA anschaut, also inklusive Kinder, sind es sogar nur rund 50 Prozent Geimpfte.

Jetzt steigen die Ansteckungszahlen vor allem in Bundesstaaten mit unterdurchschnittlichen Impfraten wieder markant an. Und in einigen Regionen auch die Spitaleinweisungen.

Zunehmend jüngere Menschen hospitalisiert

In Missouri etwa gibt es einige überlastete Stationen, fehlende Beatmungsgeräte, Patienten müssen verlegt werden. Auch in Louisiana steigen die Ansteckungen und die Zahl der Covid-Patienten. Es sind zunehmend auch jüngere Menschen, die im Spital behandelt werden. Unter jungen Erwachsenen ist die Impfrate deutlich tiefer als im Durchschnitt.

Sie fragen, kann ich mich jetzt impfen lassen. Aber es ist zu spät. Sie fragen, können sich meine Angehörigen impfen, doch es ist zu spät. Sie liegen im Sterben.
Autor: Greg Gardner Notfallmediziner im Mountain West Hospital

Das sorgt für Ernüchterung bei Ärzten. «Wir alle hofften, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Mit der neuen Virusvariante und der tiefen Impfrate in unserem Bundesstaat sehen wir leider einen rasanten Anstieg. Jene Patienten, die wir sehen, sind nicht geimpft», sagt Charles Muntan, Arzt im Lakeview Regional Medical Center im Bundesstaat Louisiana. Kombiniert mit der aktuellen Reise- und Feierlaune der Amerikanerinnen und Amerikaner sei es ein Rezept für ein Desaster.

Greg Gardner, Notfallmediziner im Mountain West Hospital in Tooele, Utah, hat ebenfalls wieder mehr Patienten: «Sie fragen, kann ich mich jetzt impfen lassen. Aber es ist zu spät. Sie fragen, können sich meine Angehörigen impfen, doch es ist zu spät. Sie liegen im Sterben.»

Rund 30 Prozent der Erwachsenen landesweit sind nicht geimpft. Ein nationales Impfzertifikat oder einen Impfzwang gibt es nicht. Dafür verschiedenste Anreize, um die Impfung an den Mann oder die Frau zu bringen: Man kann eine Million gewinnen, bekommt Essen geschenkt oder Gratistickets, kann sich unter einem Wal im Museum impfen lassen. Freiwillige klappern Türen ab, um über die Impfung aufzuklären.

Dabei gibt es Unterschiede: Konservative Bundesstaaten haben im Durchschnitt tiefere Impfraten als liberale. Doch dieses Bild stimmt nicht immer. Mount Vernon ist ein Vorort des liberalen New York – und hat mit rund 30 Prozent eine enorm tiefe Impfrate.

Testzentrum in Mount Vernon, NY
Legende: Testzentrum in Mount Vernon, NY Nur noch wenige Menschen kommen zum Testen oder Impfen ins Gesundheitszentrum von Mount Vernon. Doch der Leiterin Judith Watson ist es wichtig, diesen Service aufrecht zu erhalten. SRF

Das will Judith Watson, die Leiterin des Gesundheitszentrums von Mount Vernon, ändern. Immer wieder suchen sie und ihre Leute das Gespräch mit den Menschen, die hier vorbeikommen. Das klingt dann etwa so: «Sie möchten keine Impfung?» Der Sicherheitsangestellte mit jamaikanischen Wurzeln sagt: «Nein. Solange die Impfung nicht klinisch bewiesen ist.» Watson fragt nach, was er damit meint, was es brauchen würde, damit er seine Meinung ändert.

Misstrauen und Angst

In Mount Vernon wohnen viele Schwarze und Hispanics. Sie wollten keine Impfung, da diese Bevölkerungsgruppen in der Vergangenheit für Versuche missbraucht wurden, sagt Watson. Doch sie hört verschiedene Gründe. «Die Impfung sei zu schnell entwickelt worden, Misstrauen, die Leute haben schlicht Angst. Die Jungen wiederum glauben, sie seien unbesiegbar.»

Watson motiviert ihr Team, auch wenn nur noch wenige Menschen zum Impfen kommen. «Wir retten Leben. Wir brauchen Geduld, es ist wie ein langsamer Tanz. Wir überzeugen Leute von Angesicht zu Angesicht.» Der Sicherheitsangestellte allerdings bleibt dabei, er will zuwarten. Watson sagt: «Wir sind hier, falls Sie die Meinung ändern.»

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76 Kommentare

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  • Kommentar von Maciek Luczynski  (Steine)
    "«Nein. Solange die Impfung nicht klinisch bewiesen ist.» Watson fragt nach, was er damit meint, was es brauchen würde, damit er seine Meinung ändert."

    Manche Leute kann man schlichtweg nicht mit wissenschaftlichen Methoden/Beweisen überzeugen.

    Was da helfen würde, währen anerkannte Vorbilder, die sich impfen lassen, und für die Impfung einsetzen.
    1. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Da steht nicht, wie es der Sicherheitsmann erklärt. Er könnte etwas ganz Bestimmtes meinen, aber ihm fehlt das Vokabular. Vielleicht erklärte er sich auch, er meine Interventionsstudien? Oder man habe die Kohorten schlecht gewählt, z. B. kaum Vorerkrankte? Was hätten Sie ihm denn erklärt? Man sei zwar aus verschiedenen Gründen auf Beobachtungen angewiesen und habe auch noch nicht genügend Metastudien, aber er solle sich trotzdem impfen lassen, weil einiges dafür spreche?
    2. Antwort von Maciek Luczynski  (Steine)
      @Tobias Flückiger (Töbu)
      Was hätten Sie ihm denn erklärt?
      Man kann bei Misstrauen und Angst nicht mit Fakten überzeugen.
      Vor allem nicht bei fremden Menschen.

      Ich hätte in der Gemeinde/Gemeinschaft die Schlüsselpersonen gesucht, denen dann Skeptiker grundsätzlich vertrauen.
      Diese müssen dann überzeugt werden und wenn möglich in ihren Kreisen Werbung dafür machen.
      Das bringt mehr.
    3. Antwort von Tobias Flückiger  (Töbu)
      Die Fakten hätten mich trotzdem wunder genommen.Sie werden diesen Sicherheitsmann niemals überzeugen, weil er soviel Charakter hat, sich nicht einfach nach dem lokalen Wind zu richten. Vielmehr ist er die Schlüsselperson, zu Ihrem Pech. So sehe ich ihn jedenfalls und will auch nicht zu meinen Zwecken davon ab.
  • Kommentar von Tobias Flückiger  (Töbu)
    Auch wenn ich an sich all den vielen, die es offenbar extrem beruhigen würde, eine noch viel höhere Durchimpfungsrate wünschte, bin ich angesichts der Stimmung hier eigentlich froh, als sozusagen freiwillig Ungeimpfter in diesem Land doch keiner allzukleinen Minderheit anzugehören. Allerdings hoffe ich, wären wir weniger, wäre der Umgang freundlicher. Dann wäre wiederum die Aufregung wahrscheinlich nicht so gross, aber mal angenommen, Epidemiologen forderten, die Booster eingerechnet, 220 %...
  • Kommentar von Bernhard Meyer  (Bernhard Meyer)
    An Nic Grund und Georg Fischer. Auch geimpfte können das Virus übertragen, also sich schützen ist nicht verboten Abstand Maske nicht zu lange in Gebäuden. Klar?
    1. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      Meyer: Auf welchen meiner Kommentare beziehen Sie sich? Im Kommentar zu Nic Grund habe ich mich lediglich auf die Situation in den USA bezogen und die ist richtig denn ich habe zu lange in den USA gelebt um das unterschreiben zu können.Bildungswesen ist eines der grössten Probleme in den US(nebst der Infrastruktur!).Das sich schützen verboten sein soll habe ich nicht behauptet.Also bitte keine falschen Unterstellungen,klar?
    2. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @Meyer:Habe ich übersehen,Sie meinen meinen Kommentar von 08.59h.Klarstellung: Geimpft heisst nicht 100% geschützt,Chance jedoch auf einen milderen Verlauf im Falle einer Ansteckung.Bei Ungeimpften sieht das aber anders aus,höheres Risiko schwerer Verläufe was im übrigen schon nachgewiesen wurde.Abstand/Maske/ in Innenräumen und Hygiene nach wie vor hilfreich.Ich hatte auch noch nie Grippe,bin selten bis gar nie krank und liess mich trotzdem impfen.Grippe ist nicht Covid,das ist erwiesen.
    3. Antwort von Marc Blaser  (PrCh)
      @Fischer, Meyer hat aber klar von der Übertragung gesprochen und da spielt Verlauf keine Rolle. Bezüglich milder oder weniger milder Verlauf kann doch jeder für sich bestimmen ohne unsolidarisch zu sein, nicht?
      Also wenn Geimpfte Covid auch weiter übertragen wie Ungeimpfte, dann kann man doch langsam mit dem Impfdruck aufhören nicht? Und nicht so wie Sie und Grund unten gegen Meyer schiessen, welcher doch für sich selber entshheiden darf, vorallem mit 78!
    4. Antwort von Nic Grund  (Gruendeli)
      Die Impfung verkleinert doch die Wahrscheinlichkeit dass ich andere anstecke? (Wenn ich zusätzliche Massnahmen treffe verkleinert sich die Wahrscheinlichkeit noch mehr). Richtig? Oder gibt es hierzu alternative Fakten?