Anti-IS-Koalition beginnt mit Sturm auf Rakka

Nach Mossul folgt Rakka: Streitkräfte der kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte haben mit der Rückeroberung der IS-Hochburg Rakka begonnen. Unterstützung erhalten sie dabei mitunter von den USA, während eine regionale Kraft von der Militäroperation ausgeschlossen wurde.

kurdisch-syrische Kämpfer versuchen sich vor dem Angriff mit einem Spaziergang abzulenken. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Kurdisch-syrische Kämpfer bereiten sich im Norden Syriens auf den Angriff auf Rakka vor. Reuters

Die kurdisch dominierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben ihre lange erwartete Offensive auf die IS-Hochburg Rakka in Syrien begonnen. Das teilte die SDF nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw mit.

Man werde Schritt für Schritt vorgehen, sagte eine SDF-Kommandantin an einer Medienkonferenz in Ain Issa, rund 50 Kilometer nördlich von Rakka. Die Sicherheit von Zivilisten habe Vorrang. Vier Fünftel der teilnehmenden Kämpfer seien als Zivilisten aus Rakka geflohen.

Rakka befreien und isolieren

Unterstützt würden die Angreifer von einer US-geführten Militärkoalition und den kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), dem bewaffneten Arm der SDF. Am Einsatz, der am Samstagabend begann und «Wut des Euphrat» heisse, seien 30'000 Kämpfer beteiligt.

Ein SDF-Sprecher sagte, die Offensive sei in zwei Schritten geplant. Zunächst werde die Umgebung rund um Rakka «befreit und die Stadt isoliert», dann werde die Kontrolle über die Stadt zurückgewonnen. Der Kampf werde langwierig sein, da die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) seine Bastion erbittert verteidigen werde.

YPG und SDF sind die wichtigsten Verbündeten des Westens gegen die sunnitischen IS-Extremisten in Syrien. Den SDF gehören auch turkmenische, arabische und assyrische Gruppen an. Die Kurden beherrschen mittlerweile grosse Teile der Grenze zur Türkei, über die früher der IS-Nachschub lief.

Türkei von Operation ausgeschlossen

Mit dem Nachbarland gibt es einige Spannungen. Ankara will verhindern, dass die Kurden weitere Gebiete unter ihre Herrschaft bringen. Die türkische Armee hatte im August einen Bodeneinsatz mit Panzern in Syrien begonnen. Sie unterstützt damit Rebellen und bekämpft die YPG und den IS.

IS an verschiedenen Fronten unter Druck

1:36 min, aus Tagesschau vom 6.11.2016

Die kurdisch-arabische Militärallianz einigte sich aber nach eigenen Angaben mit den USA darauf, die Türkei von der Offensive auf Rakka auszuschliessen. Die türkische Führung hatte vor kurzem angekündigt, dass das in Nordsyrien stationierte Militär seine Einsätze auf Rakka ausdehnen könne.

US-Generalstabschef Joseph Dunford reiste nach Bekanntgabe der Offensive auf Rakka in die Türkei. In Ankara werde er sich mit Generalstabschef Hulusi Akar beraten, hiess es.

USA loben die Milizen

Ein US-Militärvertreter sagte, die SDF-Miliz sei der «kompetenteste Verbündete» für die Offensive auf Rakka. Ein wichtiger Vorteil sei etwa die Beteiligung ortsansässiger Kämpfer. Der Einsatz zur «eigentlichen Befreiung» werde im Laufe der Offensive aber mit den Verbündeten und Partnern geplant. Geklärt werden müsse etwa, wer die Stadt am besten kontrollieren solle, um die Rückkehr des IS zu verhindern.

Bereits Mitte Oktober hatten irakische Streitkräfte einen Grossangriff auf die vom IS gehaltene Millionenstadt Mossul im Nordirak begonnen. Die Dschihadisten sind in ihrem Herrschaftsgebiet massiv unter Druck. Rakka ist seit 2014 unter Kontrolle des IS und wurde zur Hauptstadt des von der Terrormiliz ausgerufenen «Kalifats» ernannt.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Interview mit Baschar al-Assad

    Aus Rundschau vom 19.10.2016

    „Rundschau“-Moderator Sandro Brotz hat den syrischen Präsidenten in Damaskus getroffen. Er befinde sich im Kampf gegen Terroristen, sagt Assad. Im Studio analysiert Susanne Wille das Interview mit SRF-Nahostkorrespondent Pascal Weber und Syrien-Kenner Kurt Pelda.