Neuer UNO-Generalsekretär António Guterres grenzt sich von Ban Ki Moon ab

Der neue Generalsekretär der UNO ist vereidigt worden. Er will die Weltorganisation verändern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erstens will der jetzige UNO-Generalsekretär António Guterres das Engagement zur Verhinderung von Konflikten verstärken.
  • Zweitens schreibt Guterres die Entwicklungspolitik gross auf die Agenda.
  • Drittens möchte er die UNO schlanker, schneller, flexibler, weniger zentralistisch und weiblicher machen.

António Guterres ist ein Mann aus dem UNO-Apparat. Zehn Jahre lang leitete er das Flüchtlingshilfswerk. Das kann ein Nachteil sein, aber zugleich ein Vorteil. Jedenfalls schützt es den neuen Mann an der UNO-Spitze vor Illusionen.

So räumt er gleich unverblümt ein, die Vereinten Nationen seien oft ausserstande, Kriege und Konflikte zu verhindern oder zu beenden. Im Zusammenhang mit dem Syrien-Krieg verspricht er rein gar nichts – wohlwissend, dass die Weltorganisation wenig tun kann, solange der Sicherheitsrat blockiert ist.

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Fredy Gsteiger

Portrait von Fredy Gsteiger

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St.Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» und Chefredaktor der «Weltwoche».

Nicht Frieden sichern, wo keiner ist

Stattdessen kündigt Guterres als erste Priorität ein verstärktes Engagement bei der Prävention von Konflikten an: mehr Vermittlung, mehr kreative Diplomatie, mehr gute Dienste der UNO. Er steuert damit einen ganz ähnlichen Kurs wie die Schweizer Aussenpolitik.

Guterres will zudem verhindern, dass weiter UNO-Friedenstruppen an Orten eingesetzt werden, wo noch gar kein Friede herrscht, den sie sichern könnten. Als zweite Priorität nennt der Portugiese die Entwicklungspolitik. Konkret meint er die Durchsetzung der ehrgeizigen «Agenda 2030» mit den UNO-Nachhaltigkeitszielen.

Mehr Frauen in Führungspositionen

Drittens will sich Guterres nicht nur als Staatsmann profilieren, sondern ebenso als oberster Manager der UNO. Die Organisation bezeichnet er als «zu wenig effizient, oft zu langsam und zu zentralistisch». Es sei höchste Zeit, das zuzugeben.

Schlanker, schneller, flexibler und weniger zentralistisch soll die UNO unter ihm werden. Und weiblicher: Er will, dass bis zum Ende seiner Amtszeit die Hälfte der obersten Chefs und Sonderbeauftragten Frauen sind.

Auffallend ist auch, was Guterres nicht oder kaum erwähnt: Die Klimapolitik, der unter seinem Vorgänger Ban Ki Moon das Hauptaugenmerk galt, scheint bei ihm weniger im Zentrum zu stehen.

Zur Lösung der Migrationskrise bietet der Ex-UNO-Flüchtlingschef, wohl realistischerweise, keinerlei Rezepte an. Und das Dauerthema Reform des UNO-Sicherheitsrates lässt er erst einmal beiseite – denn Erfolge winken hier keine.

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